Nach Auskunft des Landesarbeitsgerichts in Stuttgart ist die Sache geklärt: Die juristische Auseinandersetzung georgischer Erntehelfer mit einem Obstbauern aus Friedrichshafen hat mit einem Vergleich geendet. Ulrich Hensinger, Vorsitzender Richter am Landesarbeitsgericht sowie Pressesprecher, sagte gegenüber unserer Zeitung: „Alle Vergleiche sind bestandskräftig. Der Rechtsstreit ist erledigt.“ Damit ist die Angelegenheit, die seit Sommer 2021 große Aufmerksamkeit auf sich zog, nun abgeschlossen.

Jahrelanges Ringen

Zum Hintergrund: Der Streit zwischen dem Landwirt und seinen Helfern aus Osteuropa hat vor gut eineinhalb Jahren begonnen. Damals hatten die 18 Georgier schlechte Arbeits- und Wohnbedingungen auf dem Hof nahe Friedrichshafen beklagt. Ein zu jenem Zeitpunkt 30 Jahre alter Beschäftigter hatte ein Video vor Ort gedreht, schnell fanden Kontrollen auf dem Hof statt.

Vertreter von Umweltschutz-, Gesundheits- und Ordnungsamt waren damals auf den Hof gefahren, um die Bedingungen vor Ort zu kontrollieren. Landratsamt-Sprecher Robert Schwarz teilte mit: „Dabei sind eine ganze Reihe von Mängeln und Beanstandungen, insbesondere im Sanitär- und Küchenbereich, festgestellt worden.“ Er sprach von altem Mobiliar, teilweise kaputten Duschen und Toiletten.

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Obstbauer hielt nichts von Anschuldigungen

Bereits damals machte der Landwirt deutlich, dass er nichts von den Anschuldigungen hält. Die Vorwürfe seien ungerechtfertigt. Er sei stinksauer, sagte er damals dem SÜDKURIER, die Angelegenheit gleiche einem Rufmord. Zugemauerte Fenster gebe es bei ihm nicht. Und auch die Unterkünfte würden keine Mängel aufweisen.

Auch die Vorwürfe, dass er seine Erntehelfer nicht richtig für ihre Arbeit bezahle und sie noch nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn erhalten würden, bestritt der Landwirt damals. Seine Mitarbeiter könnten sogar mehr als die 9,50 Euro verdienen, die vertraglich zugesichert seien. „Ich bin doch selbst daran interessiert, dass die Leute gutes Geld verdienen“, sagte er.

Arbeitsgericht fordert Nachzahlung

Vor Gericht ging es im Wesentlichen um den Vorwurf der Erntehelfer, zu wenig Lohn erhalten zu haben. Die Seiten stritten sich darum, ob die Arbeitnehmer wie vereinbart acht Stunden am Tag eingesetzt wurden und inwieweit sie morgens zur Arbeit erschienen sind. Während die Kläger aus Georgien angaben, sie seien pünktlich zum Dienstbeginn morgens um 6 Uhr am Sammelplatz gewesen, dann aber teilweise gar nicht oder nur wenige Stunden eingesetzt und der Lohn entsprechend einbehalten worden, gab der Betreiber des Obsthofs an, die Erntehelfer seien gar nicht oder unpünktlich zum Dienst erschienen.

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Im Juni 2022 urteilte das Arbeitsgericht Ravensburg: Der Obstbauer konnte die Vorwürfe der Erntehelfer nicht entkräften – und muss Lohn nachzahlen. Allerdings legte der Landwirt zunächst Berufung ein, der Fall ging in die nächsthöhere Instanz, ans Landesarbeitsgericht. Eine weitere Verhandlung wurde nun allerdings durch den Vergleich abgewendet.