Mehrere Tausend Biker haben Anfang des Monats am Bodensee gegen zeitlich beschränkte Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen demonstriert. Der Veranstalter hatte mit 500, dann mit 1000 Teilnehmern gerechnet, zum Start in Friedrichshafen waren schließlich 5000 Motorradfahrer gekommen. Tenor bei der Veranstaltung: Motorradfahrer dürften nicht kollektiv für das Fehlverhalten schwarzer Schafe bestraft werden.

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Auf der einen Seite protestierende Motorradfahrer, auf der anderen Seite Anwohner, die entlang beliebter Motorradstrecken unter dem Lärm leiden. Im Landkreis Sigmaringen sind zwei Gemeinden besonders betroffen. Deshalb haben sich die Bürgermeister Raphael Osmakowski-Miller (Beuron) und Holger Jerg (Gammertingen) der Initiative zur Bekämpfung des Motorradlärms angeschlossen. In Baden-Württemberg gehören dieser bereits mehr als 100 Kommunen an.

Im Landkreis Sigmaringen sind zwei Gemeinden vom Lärm besonders betroffen. Sie haben sich einer landesweiten Initiative angeschlossen.
Im Landkreis Sigmaringen sind zwei Gemeinden vom Lärm besonders betroffen. Sie haben sich einer landesweiten Initiative angeschlossen. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Das Obere Donautal zwischen Tuttlingen und Sigmaringen ist besonders beliebt

Besonders beliebt bei vielen Bikern: Das Obere Donautal zwischen Tuttlingen und Sigmaringen. An einigen Stellen wird das Tal sehr eng. Links und rechts mächtige Felswände und hohe Steilhalden, die den Maschinenlärm potenzieren. Es gibt zusätzlich Verbindungsstraßen auf die Albhochfläche, eng und kurvenreich. Eine vorhandene Geschwindigkeitsbeschränkung auf der fünf Kilometer langen Bergstrecke zwischen dem Beuroner Ortsteil Thiergarten und der Garnisonsgemeinde Stetten am kalten Markt werde, wie Anwohner berichten, in vielen Fällen missachtet.

Raphael Osmakowski-Miller
Raphael Osmakowski-Miller | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Regelmäßig passieren auf dieser Strecke Unfälle, deshalb erwägen Bürgermeister Osmakowski-Miller und sein Gemeinderat die Möglichkeit, ähnlich wie beim Lochenpass bei Balingen, ein Wochenendfahrverbot für Krafträder einzuführen. Feuerwehrkommandant Wolfgang Ragg wohnt im Ortsteil Hausen im Tal. Er beschreibt die Geräuschlage so: „Manche Biker sind mit ihren überlauten Maschinen schon aus fünf Kilometern Entfernung zu hören.“ Ragg ist nicht gegen Motorräder an sich, solange sich der Motorenlärm in erträglichen Grenzen hält.

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Der Beuroner Bürgermeister managt die Donautalgemeinde ehrenamtlich. Im Brotberuf ist Raphael Osmakowski-Miller Polizeibeamter. Er kennt deshalb die besonderen Schwierigkeiten beim Ermitteln von Temposündern auf zwei Rädern. Osmakowski-Miller: „Von vorne geblitzt zu werden, hat bei den Kradfahrern wenig Sinn, weil sie wegen ihrer Helme nicht zu erkennen sind.“ Von hinten geblitzt sei zwar die Nummer zu erkennen. Der Motorradbesitzer könne sich bislang aber darauf berufen, er habe seine Maschine ausgeliehen und wisse deshalb nicht, wer am Lenker gesessen sei. Deshalb fordert der Rathauschef die Einführung einer Halterhaftung. Dann müsse der Halter auf jeden Fall bezahlen und hätte keine Ausrede mehr.

Motorradfahrer auf dem Weg zum Bodensee oder ins Donautal

Auch Gammertingen klagt über Motorradlärm. Wie Bürgermeister Holger Jerg berichtet, sind es hier besonders am Freitagnachmittag und am Sonntag Motorradfahrer auf dem Weg zum Bodensee oder ins Donautal. Am Ortsausgang gebe es auf der Bundesstraße in Richtung Sigmaringen regelmäßig Motorradrennen. Wie gefährlich zu schnelles Fahren sei, macht aus Sicht des Bürgermeisters ein Verkehrsunfall aus dem Frühsommer deutlich.

Holger Jerg
Holger Jerg | Bild: SK

Ein offenbar zu schnell fahrender Biker habe dabei einen Rentner erfasst, der gerade die Bundesstraße überqueren wollte. Der Mann sei seinen Verletzungen wenige Tage nach dem Unfall erlegen. Auch dem Gammertinger Kommunalpolitiker geht es eigenen Angaben nicht darum, die Biker von der Straße zu verbannen. Im Fokus seiner Kritik stehen die Lärm- und Temposünder unter ihnen. Deshalb begrüßt Jerg die Zusagen von Landratsamt und Polizei für entsprechende Kontrollen.

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Und am Bodensee? Der landesweiten Initiative zur Bekämpfung des Motorradlärms hat sich hier bislang nur die Gemeinde Bodman-Ludwigshafen angeschlossen. Bürgermeister Matthias Weckbach erklärt auf Anfrage: „Unsere Bergstraße lockt viel Motorradfahrer an. Die meisten fahren ordentlich, aber nicht wenige nutzen die Strecke, um hoch und runter zu rasen.“

Bürgermeister Matthias Weckbach
Bürgermeister Matthias Weckbach | Bild: Ramona Löffler

Die Bergstraße throne über Ludwigshafen, der Lärm der Motorräder – aber auch hochmotorisierter Autos – beschalle den ganzen Ort. „Die Bürger finden keine Ruhe“, so der Bürgermeister. Mit einem Fahrverbot auf der Bergstraße an Sonn- und Feiertagen würde der Ausflugs- und Wettbewerbsverkehr überprüfbar und gestoppt.“

Auch in Meersburg werde „ganz schön aufgedreht“

In Meersburg hatte Alexandra Mahl (Umweltgruppe) im Gemeinderat vor Kurzem gefragt, ob man sich der landesweiten Initiative ebenfalls anschließen wolle. Schließlich werde auch in Meersburg „ganz schön aufgedreht“. Der Vorschlag der Gemeinderätin blieb im Raum stehen.

Alexandra Mahl
Alexandra Mahl | Bild: SK

Auf Nachfrage des SÜDKURIER erklärt sie: „Ich werde das Thema beziehungsweise den Lärmaktionsplan nochmals ansprechen.“ Sie selbst habe täglich mit dem Lärm bis in die Nacht zu tun. „Schlafen mit offenem Fenster, das ist fast unmöglich“, sagt die Gemeinderätin. Der Lärm komme allerdings nicht allein von Motorrädern, glaubt sie. Anwohner hätten sie ermutigt, an dem Thema dran zu bleiben.

Tausende Motorradfahrer hatten am Bodensee demonstriert.
Tausende Motorradfahrer hatten am Bodensee demonstriert. | Bild: Lena Reiner

Alle Verkehrsteilnehmer sollen gleich behandelt werden

Meersburgs Bürgermeister Robert Scherer, selbst Motorradfahrer, erklärte auf die Frage, ob er es für sinnvoll halte, dass sich auch Meersburg der Initiative anschließe: „Das ist keine persönliche Entscheidung von meiner Seite, sondern eine demokratische des Gemeinderats für die Stadt.“ Aktuell sei sicherlich die historische Altstadt durch das verstärkte Verkehrsaufkommen des allgemeinen Fahrzeuglärms belastet. Ebenso die Zubringerstraßen.

Robert Scherer
Robert Scherer | Bild: Stadt Meersburg

„Da die Stadt den Lärmaktionsplan weiter fortschreibt, ergeben sich hieraus in der nahen Zukunft die Streckenabschnitte, welche vom Fahrzeuglärm beeinträchtigt sind. Da ist nicht nur Motorradlärm ein Thema“, so Scherer. Grundsätzlich sollten alle Verkehrsteilnehmer gleich behandelt werden.

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