Weltweit haben diese Art der Weinlagerung bislang nur wenige Winzer ausprobiert. „Wir wollen bei unserem Projekt Tiefenrausch wissen, wie sich der Weingeschmack verändert“, erklärte Winzer Sepp Möth. Die Taucher suchten in diesem Moment bei extrem schlechter Sicht unter Wasser nach den Fässern.

Video: Claudia Wörner

Für die Ortung, quasi im Blindflug, hatten sie nur die GPS-Daten und waren erst beim dritten Tauchgang erfolgreich. Dass nach gut zwei Stunden mithilfe eines starken Seils und Bergeballons anstelle des Fasses mit Chardonnay das mit Brigantium-Rotwein geborgen wurde, sieht Möth sportlich. „Wir nehmen das, was uns der See gibt. Ich bin froh, dass es heute überhaupt geklappt hat.“

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Für den Winzer ist vor allem die Frage spannend, wie sich die gleichbleibende Temperatur von rund vier Grad Celsius, der in 60 Metern herrschende Druck und die Lichtverhältnisse auf die Qualität und den Geschmack des Weins auswirken. Noch bevor das 1150 Kilogramm schwere Fass an Land auf einen Tieflader gehoben wurde, nahm Sepp Möth den ersten Schluck.

Optimale Rotweintemperatur: Winzer Sepp Möth und seine Frau Michaela sind überrascht, dass sich die Wassertemperatur nicht auf den Inhalt des Weinfasses ausgewirkt hat.
Optimale Rotweintemperatur: Winzer Sepp Möth und seine Frau Michaela sind überrascht, dass sich die Wassertemperatur nicht auf den Inhalt des Weinfasses ausgewirkt hat. | Bild: Claudia Wörner

„Es ist absolut erstaunlich, dass der Wein trotz vier bis sechs Grad im Wasser eine optimale Rotweintemperatur hat. Eigentlich müsste er eiskalt sein“, wunderte er sich. Geschmacklich sei der Wein absolut sauber. Nun sei er gespannt, wie er sich im Vergleich zu den Kontrollfässern im herkömmlichen Weinkeller entwickelt habe.

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„Das Wasser im Bodensee hat dem Wein sehr gut getan“, sagt Willi Hirsch, Präsident des Vorarlberger Sommelier-Vereins. „Er schmeckt, wie ein guter Rotwein schmecken soll.“ Auch für Weinwissenschaftler Robert Steidl, ehemaliger Leiter der Weinbauschule in Kloster Neuburg, ist das Projekt Tiefenrausch gelungen. „Auch wenn der Wein erst einmal etwas Ruhe braucht, schmeckt er schon jetzt ausgezeichnet“, so seine Einschätzung.

Zurück aus den Tiefen des Bodensees: Das erste Fass mit 1000 Litern Rotwein von Winzer Sepp Möth aus Bregenz wurde am Samstag geborgen.
Zurück aus den Tiefen des Bodensees: Das erste Fass mit 1000 Litern Rotwein von Winzer Sepp Möth aus Bregenz wurde am Samstag geborgen. | Bild: Claudia Wörner

Edgar Raff aus Sipplingen, Vorsitzender der Internationalen Wassersportgemeinschaft Bodensee, interessierte in erster Linie, ob sich die Quaggamuschel in 60 Metern Tiefe auf den Fässern ablagert. Nach der Hebung war zu sehen, dass sich auf einer Spezialfolie weniger Muscheln ansiedelten als auf Edelstahl. „Das ist auch für Bootsbesitzer interessant“, sagte Raff.

Der erste Schluck ist vielversprechend (von links): Weinwissenschaftler Robert Steidl, Winzer Sepp Möth und Willi Hirsch vom Vorarlberger Sommelier-Vereins sind überrascht von der Qualität des Rotweins aus 60 Metern Tiefe.
Der erste Schluck ist vielversprechend (von links): Weinwissenschaftler Robert Steidl, Winzer Sepp Möth und Willi Hirsch vom Vorarlberger Sommelier-Vereins sind überrascht von der Qualität des Rotweins aus 60 Metern Tiefe. | Bild: Claudia Wörner

Wann das zweite Fass mit Weißwein geborgen wird, steht noch nicht fest. Sicher ist jedoch, dass der Rotwein schon bald in rund 1333 Flaschen abgefüllt und als Edition Tiefenrausch auf den Markt kommen wird.

Zahlreiche Schaulustige verfolgten die Bergung des Weinfasses im Bregenzer Hafen.
Zahlreiche Schaulustige verfolgten die Bergung des Weinfasses im Bregenzer Hafen. | Bild: Claudia Wörner

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