Schneller als es dem Gesundheitsminister lieb sein konnte, gehen die FFP2-Masken in den Apotheken seit Dienstag über den Ladentisch. Risikogruppen – ältere Menschen von über 60 Jahren und Vorerkrankte – können seit 15. Dezember drei Exemplare abholen. Zumindest solange noch ein Vorrat da ist.

Kaum da, schon vergriffen – wie in der Apotheke St. Johann am späten Dienstagvormittag: die kostenlosen FFP2-Masken.
Kaum da, schon vergriffen – wie in der Apotheke St. Johann am späten Dienstagvormittag: die kostenlosen FFP2-Masken. | Bild: Hanspeter Walter

Menschen stehen schon am frühen Morgen Schlange

Doch nicht nur an der St.-Johann-Apotheke klebte schon am späten Vormittag der großformatige Hinweis: „Es stehen keine FFP2-Masken zur Verfügung.“ Auch in der Apotheke im Einkaufszentrums La Piazza standen die gut Informierten schon am frühen Morgen Schlange. „Wir hatten hier 400 Masken zur Verfügung“, berichtet Inhaberin Oliva Braun, die zwei weitere Apotheken in Stetten und Singen betreibt.

Bis am Abend 1000 FFP2-Masken abgegeben

Am Heuberg sind die Apotheken etwas rarer gesät. Deshalb hatte Braun für Stetten schon mal 1000 FFP2-Masken geordert. „Bis am Abend waren aber auch hier alle weg“, sagt die Apothekerin. „Wir haben beim Apotheken-Großhandel und bei anderen Lieferanten gleich nachbestellt. Doch ich weiß nicht, wann sie kommen werden.“

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Auf Donnerstag oder Freitag war der Nachschub angekündigt, aber so ganz sicher war sich Oliva Braun angesichts des riesigen Ansturms in der ganzen Republik doch nicht. Denn wenn schon Maske, dann muss es auch eine verlässliche Qualität sein, die ihre Aufgabe erfüllt. „Wir nehmen natürlich nur gute Masken mit einem CE-Zertifikat“, betont sie: „Doch es sind mittlerweile auch sehr viel andere auf dem Markt.“

„Wo sollen plötzlich 90 Millionen Masken herkommen?“

Gar nicht glücklich ist Claudia Lofner von der Überlinger Apotheke St. Johann. „Im Moment haben wir keine Masken mehr“, sagt sie am Donnerstag: „Doch heute sollten wir wieder welche bekommen. Aber ich weiß nicht wann.“ Die ganze Aktion hält sie allenfalls für gut gemeint, allerdings nicht sonderlich durchdacht. „Der Herr Spahn meint es vielleicht gut“, hält sie zugute: „Doch wo sollen denn plötzlich 90 Millionen Masken herkommen? Das hätte man schon etwas langfristiger planen müssen.“

Jetzt sei der Lockdown ausgerufen und die Leute steckten sich in der Schlange vor Apotheken an, weil es etwas umsonst gebe. Lofner: „Dann hätte man die Masken vielleicht auf Bestellung per Post schicken können.“ Das hätte auch die Selbstauskunft erspart, die im Grunde von den Apotheken eingefordert werden solle.

An der St.-Johann-Apotheke wird darauf hingewiesen, dass maximal drei Personen in die Apotheke dürfen und Maskenpflicht gilt. Die FFP2-Masken sind am Donnerstagvormittag vergriffen.
An der St.-Johann-Apotheke wird darauf hingewiesen, dass maximal drei Personen in die Apotheke dürfen und Maskenpflicht gilt. Die FFP2-Masken sind am Donnerstagvormittag vergriffen. | Bild: Hanspeter Walter

Regelrecht verärgert ist Olga Knack, Inhaberin der La-Vita-Apotheke im Bommer-Zentrum und der Linden-Apotheke in Immendingen. „Mir fehlen die Worte“, sagt sie: „Doch so einen Tag wie den Dienstag möchte ich nicht noch einmal erleben.“ Schon eine Viertelstunde vor Ladenöffnung hätten die ersten Kunden geklopft, um eine Maske zu bekommen.

„Für meine Stammkunden habe ich dann nichts mehr“

Schon nach wenigen Stunden seien mehr als 500 Exemplare vergriffen gewesen. „Wir bekommen jeden Tag eine gewisse Menge, die wir ab 9 Uhr ausgeben“, erklärt Olga Knack. „Doch wenn sie weg sind, sind sie weg.“ Am meisten ärgert die Apothekerin, dass die Menschen sogar aus größerer Entfernung kommen. „Und für meine Stammkunden habe ich dann nichts mehr.“

Ein großes „Chaos“ nennt sie die ganze Aktion. „Hätten sie das früher gemacht, wäre die Situation vielleicht gar nicht so dramatisch geworden.“ Doch nun verpflichte man die Apotheke ausgerechnet zum Lockdown zur Ausgabe von Masken. Erst wenige Tage zuvor habe man davon erfahren.

Apothekerin kritisiert fehlende Kontrolle der Abnehmer

Kritisch sieht sie die fehlende Kontrolle. „Die Menschen, die gegen Vorlage des Personalausweises Masken bekommen, werden nicht registriert.“ Mit der Folge, dass sie von einer Apotheke zur nächsten tingeln könnten. „Das ist sehr schwierig.“ Noch entrüsteter ist Olga Knack über einen Kunden, der mit einem Attest an der Ladentheke stand, dass er keine Maske tragen dürfe – und sich dennoch versorgen ließ. Knack: „Das finde ganz pervers und unsolidarisch.“

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