Obwohl erst in einigen Bundesländern die Sommerferien begonnen haben, zeichnet sich schon jetzt ab: In den beliebten Urlaubsorten rund um den Bodensee wird es in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie wesentlich mehr Urlauber geben. Viele Reisende kommen mit dem eigenen Auto oder dem Wohnmobil und wollen zentrumsnah parken. Sehnsuchtsziel vieler Urlauber ist dabei die historische Lindauer Insel und auf der sind die Parkplätze jetzt schon ausgesprochen rar. Laut Oberbürgermeisterin Claudia Alfons gibt es täglich Beschwerden.

Die Herausforderung ist nicht ganz neu

„Das Leben ist zurück in unserer Stadt. Allerdings rückt auch wieder eine altbekannte Herausforderung in den Fokus: An sonnigen Wochenenden überschwemmen Autokolonnen die Insel auf der Suche nach einem Parkplatz. Uns erreichen jeden Tag Beschwerden und Anfragen hierzu“, schreibt Oberbürgermeisterin Claudia Alfons in einem offenen Brief an die Lindauer Bevölkerung.

An einem ganz normalen Monatgvormittag ist das Parkhaus auf der Lindauer Insel schon fast voll. An den Wochenende stauen sich hier die Fahrzeuge oft bis zur Seebrücke zurück.
An einem ganz normalen Monatgvormittag ist das Parkhaus auf der Lindauer Insel schon fast voll. An den Wochenende stauen sich hier die Fahrzeuge oft bis zur Seebrücke zurück. | Bild: Susanne Hogl

Wer nach 17 Uhr auf der Insel einen Parkplatz sucht, braucht Geduld

Bedingt durch die Corona-Pandemie machen Menschen mehr Urlaub im eigenen Land – und das oft mit dem Auto. Zu spüren ist das in Lindau schon jetzt: Wer nach 17 Uhr auf der Insel einen Parkplatz sucht, der ist nicht selten eine halbe Stunde unterwegs, um dann mit viel Glück einen Platz zu ergattern. Denn: Obwohl der Inselkern für Einheimische mit Bewohnerparkschein ab 18 Uhr reserviert ist, werden viele Parkplätze dennoch von Gästen belegt.

Ein Schild mit Symbolwert: Viele Urlauber und Tagesgäste parken auch nach 18 Uhr auf der Insel, obwohl die Parkplätze dann Bewohnern vorbehalten sind.
Ein Schild mit Symbolwert: Viele Urlauber und Tagesgäste parken auch nach 18 Uhr auf der Insel, obwohl die Parkplätze dann Bewohnern vorbehalten sind. | Bild: Susanne Hogl

Unter der Woche nur etwa 600 Stellplätze auf der Insel

Manch einer nimmt offenbar lieber einen Strafzettel in Kauf, als vor der Insel zu parken und einen Shuttlebus zu nutzen. Spannend ist auch ein Zahlenspiel: Für Bewohner wurden im Jahr 2019 für die Insel 589 Sonderparkrechte ausgegeben, 407 sonstige Parkkarten und weitere 208 Parkerleichterungen für Handwerker. Laut Stadt gibt es aber auf der Insel unter der Woche nur etwa 600 Stellplätze, die rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

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Corona macht den Shuttlebus nicht beliebter

Stadtsprecherin Patricia Herpich glaubt, dass viele Urlauber Shuttlebusse und öffentliche Verkehrsmittel derzeit vermeiden. „Hier ist insgesamt betrachtet zu vermuten, dass derzeit eine Vielzahl der Touristen coronabedingt mit dem privaten Kfz soweit als möglich Richtung Insel vorfahren und derzeit weniger mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen beziehungsweise insofern vielleicht auch den angebotenen Shuttlebus nicht nutzen will“, vermutet Herpich.

Das vor der Insel geplante Parkhaus – hier eine Illustration – wurde bei einem Bürgerentscheid abgelehnt.
Das vor der Insel geplante Parkhaus – hier eine Illustration – wurde bei einem Bürgerentscheid abgelehnt. | Bild: Susanne Hogl

500 Stellplätze fallen diesen Sommer weg

Besonders schwierig ist die Parkplatzsituation in Lindau, da wegen der Bauarbeiten zur kleinen Landesgartenschau im kommenden Jahr ein Parkplatz auf der sogenannten Westlichen Insel mit 500 Stellplätzen ersatzlos wegfällt. Die jetzt schon fehlenden Stellplätze sollten durch ein Parkhaus kurz vor der Brücke, die auf die Lindauer Insel führt, ersetzt werden, doch die massive Bebauung am Inseleingang lehnten die Lindauer in einem Bürgerentscheid ab.

An der Realität orientiertes Parkraumkonzept

Robert Kainz, Sprecher der Interessengemeinschaft Lindau Insel, ein Zusammenschluss von Geschäftsleuten, Gastronomen und Hoteliers, kennt die Probleme schon lange und hat diverse Forderungen an die Stadt: „Ein pragmatisches und an der Realität orientiertes Parkraumkonzept mit interessanten Anreizsystemen wie Shuttletransfer, Freiparken in der Mittagszeit oder zu besonderen Anlässen wie zum Beispiel zur Hafenweihnacht. Dazu ist ein enger und lösungsorientierter Dialog zwischen Verwaltung und den Betroffenen notwendig, der leider bis dato ausgeblieben ist“, sagt Kainz gegenüber dieser Zeitung.

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Weniger Parkplätze auf der Insel wünschen sich dagegen die Mitglieder der stärksten Fraktion im Lindauer Stadtrat, der Bunten Liste. Daniel Obermayr meint dazu: „Trotzdem gibt es natürlich Möglichkeiten. An Chaostagen wie etwa am Pfingstwochenende wären verkehrsleitende Maßnahmen möglich. Also Anlieger frei, aber durch Menschen kommuniziert.“ Öffentlich zugängliche Stellplätze auf der Insel müssten reduziert und an die richtigen Stellen konzentriert werden.

Braucht es in Lindau mehr oder weniger Parkplätze? Darüber herrschen   unterschiedliche Ansichten.
Braucht es in Lindau mehr oder weniger Parkplätze? Darüber herrschen unterschiedliche Ansichten. | Bild: Susanne Hogl

Daumenregel: nicht in Sackgassen oder auf Plätzen parken. Die Stellplätze dort müssten demnach für Bewohner reserviert oder abgebaut werden. „Diese Maßnahmen gehören natürlich kommuniziert. Schließlich sind viele unserer Tagesgäste die Übernachtungsgäste anderer Kommunen am See. Und die haben ja in der Regel noch andere Möglichkeiten, uns zu erreichen“, glaubt Obermayr.

Stadt will Parksituation und Beschilderung verbessern

Nach Angaben von Lindaus Oberbürgermeisterin Claudia Alfons finden derzeit wöchentliche Sitzungen statt, um die Parksituation und die Beschilderung zu verbessern. „Zudem prüfen wir intensiv weitere Flächen für Shuttleparkplätze im Hinblick auf das kommende Gartenschaujahr“, so Alfons. Die neue Oberbürgermeisterin setzt dabei auf vernetzte Lösungen und bittet um Nachsicht: „Wir können nicht von heute auf morgen alles nachholen.“