„Ich musste das mal in einem Facebookpost anprangern“, meint Michael Poller auf Anfrage des SÜDKURIER. In der Gruppe „Meersburg„ hat er ein Foto von am Weinberg parkenden Autos zwischen Meersburg und Unteruhldingen gepostet. „Für manch einen ist das Parkhaus wohl doch zu teuer. Man kann ja auch im Weinberg parken, scheint ja nicht verboten zu sein“, schrieb er und setzte ein nachdenkliches Emoji dazu. Die Reaktionen sind unterschiedlich. Die meisten stimmen ihm zu. Nur manche, die da kommentieren, halten es für übertrieben, ein solches Parkverhalten anzukreiden.

„Manchmal parken die Autos auch halb auf der Straße“

„Die parken da nur ein paar Stunden, um baden zu gehen. Denke, das sollte kein Problem sein und keinen Aufschrei wert sein“, schreibt etwa ein Nutzer. Poller sieht das anders. Fast jeden Tag sehe es entlang der Uhldinger Straße so aus. Gefährlich sei diese Art des Parkens zudem: „Manchmal parken die Autos auch halb auf der Straße und man muss bei Gegenverkehr anhalten. Auch der Linienbus musste schon mehrfach unnötig bremsen, weil da so wild geparkt wird.“

Er selbst fahre beruflich viel, auch mit dem Lastwagen, und komme daher häufig an der Stelle vorbei. Dass Badegäste sich eher ungewöhnliche Parkmöglichkeiten suchten, sei zwar nicht neu: „Aber so wie die Autos heute da auf dem Weinberg standen, das hat es letztes Jahr nicht gegeben.“ Bei einer kleinen Busfahrt Richtung Überlingen können wir wenige Tage später tatsächlich eine ähnliche Szenerie beobachten.

Video: Lena Reiner

In Uhldingen-Mühlhofen ist die Zahl an Verwarnungen für Falschparken tatsächlich sehr hoch: „Zwischen dem 1. Mai und dem 10. August haben wir 2242 Verwarnungen ausgesprochen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung von 100 Prozent“, teilt die Gemeinde auf SÜDKURIER-Anfrage mit.

Das sei allerdings auch dadurch bedingt, dass Uhldingen-Mühlhofen seit diesem Jahr einen zweiten Vollzugsbediensteten habe und daher mehr Zeiten und Örtlichkeiten abdecken könne sowie der Tatsache geschuldet, „dass allgemein mehr Menschen Urlaub am Bodensee machen“. Mit wärmerem Wetter und mehr Gästen erhöhe sich auch die Zahl der Vergehen.

In Seenähe gelten Parkplatzmarkierungen wenig. Da wird geparkt, wo ein Auto hinpasst.
In Seenähe gelten Parkplatzmarkierungen wenig. Da wird geparkt, wo ein Auto hinpasst. | Bild: Lena Reiner

Auf Anfrage kommentiert Pressesprecher Oliver Weißflog vom Polizeipräsidium Ravensburg das Parkchaos in Seenähe wie folgt: „Das Problem tritt natürlich immer dann auf, wenn an einer stark frequentierten Örtlichkeit zu wenig Parkraum zur Verfügung steht. Man ist heutzutage nicht mehr bereit, unter Berücksichtigung bestehender Verbote gegebenenfalls etwas weiter entfernt zu parken und den Rest eben zu Fuß zurückzulegen.“

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Polizei appelliert an Autofahrer, Rettungswege frei zu halten

Zwar sei kein aktueller Fall bekannt, bei dem es zu Verzögerungen bei einem Rettungseinsatz aufgrund von Falschparkern gekommen sei. Doch betont Weißflog: „Wir appellieren dennoch an die Verkehrsteilnehmer, sich an die geltenden Rechtsvorschriften zu halten. Schließlich kann es jeden treffen, dass er oder sie plötzlich in eine Notlage gerät und Hilfe benötigt.“

Würden Rettungskräfte aufgehalten und müssten sich dann mühsam ihren Weg durch viel zu enge Zufahrten bahnen, koste dies unnötig Zeit und: „Die kann am Ende möglicherweise über Leben und Tod entscheiden.“

Manchmal kann nicht einmal eine ausgeschilderte Feuerwehrzufahrt (links im Bild) Badefreudige davon abschrecken, ihr Auto abzustellen.
Manchmal kann nicht einmal eine ausgeschilderte Feuerwehrzufahrt (links im Bild) Badefreudige davon abschrecken, ihr Auto abzustellen. | Bild: Lena Reiner

Zudem sei das Parken in einer Feuerwehrzufahrt beziehungsweise einem Rettungsweg keine Bagatelle. Ohne jegliche Behinderung sieht der Bußgeldkatalog für das Parken in einer gekennzeichneten Feuerwehr- oder Rettungszufahrt einen Regelsatz von 55 Euro zuzüglich Gebühren vor, bei Behinderung von Rettungsfahrzeugen erhöht sich das Bußgeld auf 100 Euro zuzüglich Gebühren plus einen Punkt. Wenn das Fahrzeug zusätzlich abgeschleppt wird, muss der Verursacher dafür die Kosten tragen.

Auch strafrechtliche Konsequenzen möglich

Weißflog betont: „Und sollte es tatsächlich dazu kommen, dass Menschen durch den verzögerten Rettungseinsatz nachweislich noch schwerwiegendere Verletzungen oder gar den Tod erleiden, könnte der verantwortliche Fahrzeugführer möglicherweise sogar strafrechtlich belangt werden.“

Je näher es an den See geht, desto weniger scheinen Schilder eine Bedeutung zu haben: so wie diese Auszeichnung eines absoluten Halteverbots.
Je näher es an den See geht, desto weniger scheinen Schilder eine Bedeutung zu haben: so wie diese Auszeichnung eines absoluten Halteverbots. | Bild: Lena Reiner

In Friedrichshafen ist der Parkplatz am Manzeller Freizeitgelände eine bekannte Problemstelle, an der die Stadt Friedrichshafen derzeit mit unterschiedlichen Maßnahmen versucht, das Parkchaos zu beseitigen. Andere Seegemeinden haben in den Sommermonaten ähnliche Probleme mit überfüllten Plätzen und Falschparkern.

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Ob aktuell ein Zusammenhang mit der coronabedingten Ausnahmesituation besteht, sei schwierig zu beurteilen, da sind sich die Seegemeinden einig. Auffällig gewesen sei, dass viele Verkehrsteilnehmer zu Corona-Hochzeiten und während der Phase der ersten Lockerungen offenbar dachten, der Parkraum werde nicht überwacht, teilt etwa die Pressestelle der Stadt Kressbronn mit: „Teilweise war man auch der Meinung, dass aufgrund einer möglichen Schmierinfektion auf das Lösen eines Parkscheins verzichtet werden könne. Über EasyPark (eine Anwendung für Smartphones, Anmerkung der Redaktion) ist das jedoch kontaktlos möglich.“

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Auch hätten sich die Parkvergehen mehr in den Ortskern verlagert, da aufgrund der Begrenzung der Zahl an Badegästen im Naturstrandbad auch mehr Menschen auf den Seegarten und Seepark ausweichen: „Da viele nicht weit laufen möchten, suchen sie einen möglichst nahen Parkplatz.“ Allerdings müsse betont werden, dass die Parkplätze in den Sommermonaten immer schon stark frequentiert seien.

Mehr Probleme in strandnahen Wohngebieten

In Überlingen macht sich die Ausnahmesituation nicht in Zahlen bemerkbar. In den Sommermonaten Mai bis Juli seien jeweils 1000 bis 1200 Verstöße aufgenommen worden. Diese Zahlen seien vergleichbar mit denen in den vergangenen Jahren. Anwohner merken jedoch an, dass das strandnahe Parken besonders in reinen Wohngegenden zugenommen habe; etwa am Ostufer.

Eigentlich ist diese Straße eine Anliegerstraße und der Straßenrand kein Parkplatz. In Seenähe – hier am Überlinger Ostufer – scheinen Verbotsschilder für manche Autofahrer keine Bedeutung zu haben.
Eigentlich ist diese Straße eine Anliegerstraße und der Straßenrand kein Parkplatz. In Seenähe – hier am Überlinger Ostufer – scheinen Verbotsschilder für manche Autofahrer keine Bedeutung zu haben. | Bild: Lena Reiner
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Die Gemeinde Stetten hat sogar eine positive Entwicklung zu vermelden: Durch strikte Kontrollen im Landschaftsschutzgebiet habe die Zahl der „Verkehrssünden“ in den letzten Jahren stetig abgenommen, heißt es auf Anfrage.

Friedrichshafen verzeichnet etwas weniger Verwarnungen als im Vorjahr

In Friedrichshafen liegen die Zahlen der Verwarnungen etwas unter denen vom Vorjahr: 2798 Verwarnungen wurden im Juli ausgestellt; im Vorjahr waren es 3380. Rückschlüsse über ein verändertes Verkehrsverhalten durch die Ausnahmesituation könnten keine gezogen werden.

In Seenähe hält mancher Autofahrer sein Fahrzeug offenbar für einen (Reise-)Bus – noch dazu stehen die Autos auf dem Fußweg.
In Seenähe hält mancher Autofahrer sein Fahrzeug offenbar für einen (Reise-)Bus – noch dazu stehen die Autos auf dem Fußweg. | Bild: privat/Frank Labitzke

Jedoch sei durchaus eine Veränderung zum Vorjahr zu beobachten: „Was jedoch auffällt, ist die große Anzahl der Urlauber, Badegäste, Camper in Friedrichshafen, was darauf zurückzuführen ist, dass viele Mitbürger dieses Jahr ihren Urlaub verstärkt in Deutschland verbringen. Die öffentlichen Parkplätze im Umfeld der Badeanstalten, Strandbäder und Badestellen sind dieses Jahr höher frequentiert als in den vergangenen Jahren.“

Rechtliches und Bußgelder

  • Parken auf Gehwegen: Das Halten und Parken auf Gehwegen ist grundsätzlich verboten, soweit es nicht durch Verkehrszeichen oder durch Parkflächenmarkierungen ausdrücklich erlaubt ist. Dabei spielt es keine Rolle, wie breit der Gehweg ist. Je nachdem, welche Schwere der Verkehrsbehinderung oder ob zusätzlich eine Gefährdung vorliegt, beträgt das Bußgeld 55 bis 100 Euro. Ab einer Dauer von einer Stunde sowie bei einer Behinderung oder Gefährdung gibt es obendrein einen Punkt.
  • Parken auf einem Radweg oder Radschutzstreifen: Auch hier gilt ein generelles Parkverbot, sofern keine anderweitige Kennzeichnung vorhanden ist. Wer unzulässig auf einem Schutzstreifen für den Radverkehr hält, zahlt 55 Euro. Bei einer zusätzlichen Behinderung werden 70 Euro und ein Punkt fällig.
  • Parken an einer Kurve: Wer im Bereich einer engen oder unübersichtlichen Straßenstelle oder im Bereich einer scharfen Kurve parkt, zahlt 15 Euro. Wird dadurch zusätzlich jemand behindert oder parkt man länger als eine Stunde, wird jeweils ein Verwarnungsgeld von 25 Euro fällig.

Informationen zur Rechtslage und zu Bußgeldern gibt es unter anderem beim ADAC nachzulesen.

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