Der Täter habe an den Türen gerüttelt und wahllos zugestochen: Ein Bewohner der Asylbewerberunterkunft in der Argenstraße in Kressbronn schildert die Situation, in der er und die anderen Bewohner sich am Sonntagabend befunden haben. Wie auch die Polizei berichtet, klopfte ein 31-jähriger Bewohner der Unterkunft am Sonntagabend gegen 22 Uhr an mehreren Zimmern und stach mit einem Messer wahllos auf Menschen ein.

Die Spurensicherung der Kriminalpolizei sichert mögliche Hinweise, die zur Aufklärung des Tötungsdelikts dienen können.
Die Spurensicherung der Kriminalpolizei sichert mögliche Hinweise, die zur Aufklärung des Tötungsdelikts dienen können. | Bild: Stefan Hilser

Ein 38-jähriger Syrer wurde bei der Messerattacke getötet. Fünf weitere Menschen wurden teils schwer verletzt, eine Person befand sich nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft auch am Montagabend noch in einem kritischen Zustand. Der Tatverdächtige sei vor dem Gebäude widerstandslos festgenommen worden.

Schilderungen eines Augenzeugen

Ein Asylbewerber aus Nigeria berichtete dem SÜDKURIER am Tatort, wie er den Abend erlebte. Er habe mitbekommen, wie sein Mitbewohner, ein Landsmann von ihm, an den Türen rüttelte. Er und seine Partnerin hätten sich in ihrem Zimmer eingesperrt und sich so erfolgreich vor dem Angriff geschützt. Überraschend sei die Tat in ihren Augen aber nicht gewesen.

Angst vor dem Täter herrschte vorher schon

Den mutmaßlichen Täter habe er gekannt und habe Angst vor ihm gehabt, berichtet der Augenzeuge weiter. Es handle sich um einen Mann, der sich in einer perspektivlosen Lage befinde, ohne Arbeit und Beschäftigung, und der deshalb schon einmal ausgerastet sei. Er berichtete von einer Attacke vor ein paar Wochen, bei der der Mitbewohner sie mit einer Machete bedroht habe. Die Polizei habe ihn festgenommen, kurz darauf aber wieder laufen lassen.

Das Bild zeigt ein Paar aus Nigeria, das in der Unterkunft in Kressbronn lebt. Er schilderte gegenüber dem SÜDKURIER, dass ihm der der ...
Das Bild zeigt ein Paar aus Nigeria, das in der Unterkunft in Kressbronn lebt. Er schilderte gegenüber dem SÜDKURIER, dass ihm der der mutmaßliche Täter schon vor der Bluttat Angst machte. | Bild: Stefan Hilser

Nach der Tat vom 10. Mai wieder auf freiem Fuß

Bei diesem Vorfall handelt es sich um eine Tat, die sich am 10. Mai in der Asylbewerberunterkunft in Kressbronn ereignete. Wie die Polizei berichtete, alarmierten damals Mitbewohner die Polizei gegen 20 Uhr, weil sie von dem 31-jährigen Mitbewohner mit einem Messer bedroht würden. Die Ermittler brachten ihn damals laut Polizeibericht „wegen Verhaltensauffälligkeiten“ in eine Fachklinik. Auch damals ließ er sich widerstandslos festnehmen. Wie lange der 31-Jährige in der Fachklinik genau blieb und warum er wieder entlassen wurde, ist nicht bekannt. Die Polizei jedenfalls teilte nach dem Tötungsdelikt von diesem Sonntag nun mit, dass damals kein Grund für eine Untersuchungshaft bestanden habe.

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Mindestens fünf weiter Personen schwer verletzt

Zur Versorgung der Verletzten und zur Betreuung der weiteren Bewohner war neben der Feuerwehr eine Vielzahl von Einsatzkräften des Sanitätsdienstes vor Ort. Einer der Schwerverletzten wurde nach notärztlicher Erstversorgung per Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen, die anderen in umliegende Kliniken eingeliefert. Eine Person befand sich auch am Montagabend noch in einem „kritischen Zustand“, wie die Ermittlungsbehörden berichteten.

Bei den Verletzten handelt es sich nach Polizeiangaben um vier Frauen im Alter von 28 bis 34 Jahren und um einen Mann im Alter von 37 Jahren.

Ein Einsatzfahrzeug der Polizei vor der Unterkunft.
Ein Einsatzfahrzeug der Polizei vor der Unterkunft. | Bild: Stefan Hilser

Spurensicherung vor Ort

Die Kriminalpolizeidirektion Friedrichshafen hat die Ermittlungen zum Tathergang übernommen. Die Hintergründe zur Tat seien aktuell noch unklar. Spezialisten der Kriminaltechnik haben bis zum frühen Montagmorgen Spuren am Tatort gesichert. Der mutmaßliche Täter wurde in Untersuchungshaft gebracht.

Oliver Weißflog, Sprecher des Polizeipräsidiums Ravensburg, in einem Fernseh-Interview.
Oliver Weißflog, Sprecher des Polizeipräsidiums Ravensburg, in einem Fernseh-Interview. | Bild: Stefan Hilser