Hardy Huber mit seinem Flieger in Tettnang, der Konzertbühne und Kneipe zugleich ist, zeigt nicht zum ersten Mal, wie Veranstaltungen während einer Pandemie möglich sein können. Jetzt steht sein fünftes Flieger-Open-Air an, coronabedingt mit maximal 499 Besuchern. Drei Bands – Thin Mother, die Moorings und die Purple Family in reduzierter Besetzung – wollen eine breite Vielfalt der Rockmusik von Punk bis Classic bieten.

Konzept in enger Zusammenarbeit mit Ordnungsamt entwickelt

Huber freut sich auf die Veranstaltung, von der lange nicht klar war, ob sie stattfinden darf. „Mit unserer Konzertreihe ab Juni haben wir so was wie eine Blaupause geschaffen.“ In enger Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt war das Konzept für Konzerte im Freien entstanden, bei denen sich Stehpublikum zu Gästen in Autos gesellen durfte. Es waren Autokonzerte, bei denen – anders als etwa beim Autokino – niemand im Auto sitzen bleiben musste, aber sich in dessen Nähe aufhalten musste. Getränke gab es von Bedienungen mit Mund-Nasen-Schutz flaschenweise aus dem Leiterwagen. Es galten strenge Abstandsregeln und offiziell auch ein Tanzverbot. „Ich denke nicht, dass der Gesetzgeber mit dem Tanzverbot auf Veranstaltungen meint, dass da jemand nicht allein neben seinem Auto stehen und mitwippen darf.“

Veranstalter aus anderen Städten fragen nach Konzept

Nachdem die Veranstaltung anfangs sehr schleppend anlief, waren die letzten drei der fünf Konzerte ein voller Erfolg: „Alle hatten einen Mordsspaß!“ Es lief sogar so gut, dass er Anrufe aus anderen Städten bekam, aus Calw und Stuttgart etwa. „Da fragten mich andere Veranstalter: Wie funktioniert das denn und wie hast du das genehmigt bekommen?“ Huber lobt in diesem Kontext das zuständige Ordnungsamt: „Ohne die Zusammenarbeit und deren Unterstützung wäre das nicht möglich gewesen.“

Finanzielle Unterstützung durch Sponsoren

Mit dem Flieger-Open-Air will er die Konzerte unter (fast) freiem Himmel fortsetzen; das Layer-Gelände ist teilweise überdacht. Dabei sei eines klar: „Wirklich Geld verdienen kann man unter den aktuellen Bedingungen nicht.“ Gleichzeitig sei es ihm wichtig, die Bands fair zu bezahlen, und er freue sich sehr über die finanzielle Unterstützung, die er erhalten habe: „Unter den Sponsoren ist sogar ein Reisebüro, dem es eigentlich selbst wirklich dreckig geht aufgrund der aktuellen Situation. Es ist toll, so eine große Unterstützung vor Ort zu erhalten.“

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Auch kritische Stimmung zu Veranstaltung in Pandemie-Zeit

Gleichzeitig habe er kritische Kommentare erhalten, wie er es wagen könne, zur Pandemie-Zeit eine solche Veranstaltung zu planen. Dabei legt der Veranstalter, der sich als „Vernunftmensch“ bezeichnet, Wert auf die Einhaltung des Infektionsschutzes: „Wir werden da sehr strikt sein beim Open Air. Das geht am Eingang los: Da kommt niemand ohne Mund-Nasen-Bedeckung durch.“ Auf dem Gelände selbst werde eine Maskenpflicht gelten, nur am eigenen Platz sei diese aufgehoben.

Gäste können in Gruppen zusammensitzen

Damit der Spaß dennoch nicht zu kurz kommt, werden die Gäste in den Gruppen platziert, in denen sie sitzen möchten. Man kann also mit Freunden kommen und sich einen Tisch teilen. Zusätzlich zur Erhebung der Kontaktdaten bei Ticketkauf wird schriftlich festgehalten, wer zusammensitzt, um im Infektionsfall gezielt informieren zu können. „Damit die Regeln auch wirklich eingehalten werden, wird kein harter Alkohol ausgeschenkt“, erläutert Huber weiter.

Bei schlechtem Wetter wenig Resonanz auf „Innengeschäft“ in der Kneipe

Dieses Jahr sei kein „Innengeschäft“ zu machen. Bei gutem Wetter sei der Biergarten gut gefüllt, bei schlechtem bleibe die Kneipe meist leer. „Da merkt man, wie sich das verlagert hat“, kommentiert Hardy Huber. Allerdings sei auch schon vor Corona das Interesse daran, was er mit der Kneipe und an Konzerten anbiete, deutlich gesunken: „Das gemütliche Getränk mit Freunden, das wird immer seltener.“ Und Musik? „Die ist oft zum Beiwerk verkommen“, bedauert er. Seine Konzertbühne ist aktuell sowieso verwaist, da stimmungsvolle Stehkonzerte mit Abstandsregeln nicht durchführbar sind. Trotzdem soll der Flieger Tettnang erhalten bleiben; Huber hofft auf bessere Zeiten.

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