Diana Möller hat viel zu tun. Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende und im Hotel Krone in Schnetzenhausen stehen noch einige Arbeiten an – auch, wenn das Hotel bis 10. Januar für Gäste geschlossen bleibt. Dennoch nimmt sich die stellvertretende Geschäftsführerin Zeit für ein Gespräch. Denn das Thema, um das es geht, ist Diana Möller wichtig: Ausbildung.

Jedes Jahr stehen im Hotel Krone bis zu zehn Ausbildungsplätze zur Verfügung. „Wir bilden in den Berufen Hotelfachfrau und Koch aus“, sagt Möller. Außerdem bietet der Betrieb jährlich zwei duale Studienplätze im Bereich Tourismus an. Erst diesen Sommer hat Diana Möller acht neue Azubis und Studenten eingestellt.

Diana Möller, stellvertretende Geschäftsführerin Hotel Krone: „Für unsere Ausbildungsberufe haben wir für 2021 noch keine Bewerbungen erhalten.“
Diana Möller, stellvertretende Geschäftsführerin Hotel Krone: „Für unsere Ausbildungsberufe haben wir für 2021 noch keine Bewerbungen erhalten.“ | Bild: Mona Lippisch

Doch mit Blick auf das kommende Ausbildungsjahr steht Möller vor einem Problem. In den Vorjahren seien stets etwa 20 bis 30 Bewerbungen für die Ausbildungsstellen eingetroffen. Aus diesen konnte Möller ihre Lehrlinge wählen. Das ist dieses Jahr anders: „Für unsere Ausbildungsberufe haben wir für 2021 noch keine Bewerbungen erhalten. Bisher haben wir nur die zwei Studienplätze besetzt.“

Konkret bedeutet das für das Hotel Krone: Wenn in den kommenden Monaten keine Bewerbungen eintreffen, fehlen Arbeitskräfte. „Im Zweifel müssten wir uns auf die Suche machen und Saisonarbeiter einstellen. Das bestehende Team könnte die leeren Ausbildungsstellen nicht auffangen“, erklärt Diana Möller.

Doch wieso gibt es dieses Jahr weniger Bewerber als in den Vorjahren? Wie Möller vermutet, liegt es an der Corona-Krise. Denn durch die Pandemie gebe es für junge Menschen einige Hindernisse, die sie an einer Bewerbung für eine Ausbildung hindern.

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„Normalerweise bieten wir für interessierte Jugendliche ein Praktikum im Hotel an. Dabei können sie in jeden Bereich schnuppern und herausfinden, ob der Beruf zu ihnen passt. Auch ein Gespräch mit anderen Azubis und Ausbildungsleitern ist möglich“, sagt Möller.

Diana Möller: „Jugendliche sind wegen Corona verunsichert“

Dieses Jahr konnte das Hotel coronabedingt keine Praktika anbieten. Auch Berufsvorstellungen an den Schulen hätten dieses Jahr laut Möller nicht stattgefunden. „Die Jugendlichen wissen vielleicht gar nicht, welche Möglichkeiten es in der Gastronomie gibt. Oder sie sind wegen Corona verunsichert, weil der Tourismus dadurch sehr eingeschränkt wurde“, vermutet die Hotelbetreiberin.

Auszubildende im Hotel Krone in Schnetzenhausen planen einen Azubi-Tag (von links): Desirée Schmid, Pascal Tielmann, Selina Gebhart, Annika Häusler, Kristina Bakhir, Stanislav Bazylevskyi.
Auszubildende im Hotel Krone in Schnetzenhausen planen einen Azubi-Tag (von links): Desirée Schmid, Pascal Tielmann, Selina Gebhart, Annika Häusler, Kristina Bakhir, Stanislav Bazylevskyi. | Bild: Mona Lippisch

Noch bis Ende Januar möchte Diana Möller abwarten. Wenn es bis dahin keine Bewerbungen gibt, will sie sich eine Strategie überlegen. „Vielleicht können wir mit unseren jetzigen Azubis etwas auf die Beine stellen und eine Social Media Kampagne starten“, sagt Möller.

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Denn Lehrlinge sind nach Meinung der Hotelbetreiberin nicht nur für die anstehende Arbeit wichtig. Sie sind auch wichtig, um die Zukunft und somit das Überleben des Hotels langfristig zu sichern. „Durch eine gute Ausbildung haben wir gute Fachkräfte direkt im Haus, die wir übernehmen können“, sagt Möller. Gibt es keine Azubis, muss sie sich auf dem Bewerbermarkt auf die Suche nach passenden Mitarbeitern machen.

Bisher nur vier Bewerbungen für Ausbildungsstelle im Büro Hartmann in Friedrichshafen

Ein weiterer Betrieb, der dieses Jahr Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Azubi hat, ist die Ergo Geschäftsstelle Büro Hartmann. Jedes Jahr bildet der Betreiber, Ralf Hartmann, einen Lehrling zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen aus. „Auch 2021 wollen wir ausbilden. Wir schränken diese Möglichkeit trotz Corona nicht ein“, sagt Hartmann.

Ralf Hartmann, Ergo Geschäftsstelle Büro Hartmann: „In den vergangenen Jahren hatten wir immer 30 bis 60 Bewerbungen für diese eine Stelle.“
Ralf Hartmann, Ergo Geschäftsstelle Büro Hartmann: „In den vergangenen Jahren hatten wir immer 30 bis 60 Bewerbungen für diese eine Stelle.“ | Bild: Privat

Er ist der Meinung: Nur aus eigener Kraft könne sein Betrieb qualitativ wachsen. Und dafür seien eigene Auszubildende unverzichtbar. Doch Hartmann hat in den vergangenen Monaten kaum Bewerbungen bekommen. „In den vergangenen Jahren hatten wir immer 30 bis 60 Bewerbungen für diese eine Stelle“, blickt der 40-Jährige zurück. Für das kommende Ausbildungsjahr seien es bisher erst vier Lebensläufe, die der Versicherungsfachmann digital abgeheftet hat.

Simon Schmid macht seine Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen beim Versicherungsbüro Hartmann in Friedrichshafen. Hier zeigt er einen „Social-Media-Führerschein“, den er im Rahmen einer Fortbildung bekommen hat.
Simon Schmid macht seine Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen beim Versicherungsbüro Hartmann in Friedrichshafen. Hier zeigt er einen „Social-Media-Führerschein“, den er im Rahmen einer Fortbildung bekommen hat. | Bild: Ralf Hartmann

„Wir spüren die Zurückhaltung bei den Jugendlichen. Viele haben wegen Corona andere Dinge im Kopf“, sagt Ralf Hartmann. Für ihn ist das unverständlich. „Wären die jungen Menschen motiviert, dann würden sie sich auch in Corona-Zeiten bewerben“, ist sich der Versicherungsfachmann sicher.

Ralf Hartmann: „Wir bilden seit Jahren gerne aus und möchten darauf nicht verzichten“

Hartmann hofft darauf, dass sich in den kommenden Wochen und Monaten noch Bewerber bei ihm melden. Er sagt: „Mitarbeiter sind die Zukunft von Unternehmen. Und es trübt die Stimmung, wenn man keine findet. Wir bilden seit Jahren gerne aus und möchten auch in Zukunft nicht darauf verzichten.“

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