Das Ökosystem Bodensee wurde diesen Sommer auf die Probe gestellt. Es war zu heiß und deutlich zu trocken. Wie Ulrich Maurer, Präsident der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), bei einer Pressekonferenz berichtet, habe der Sommer das Potenzial, die Rekordhitzejahre 2003 und 2018 abzulösen – und damit zum bislang heißesten Sommer zu werden.

Das Passagierschiff Lindau fährt am Dienstag auf dem Bodensee Richtung Kressbronn. Durch das Niedrigwasser hat sich an der Mündung der ...
Das Passagierschiff Lindau fährt am Dienstag auf dem Bodensee Richtung Kressbronn. Durch das Niedrigwasser hat sich an der Mündung der Rotach der Uferbereich am Bodensee ausgeweitet. Eine breite Flachwasserzone ist entstanden. | Bild: Felix Kästle, dpa

Deutlich spürbar waren die Ausmaße mit Blick auf den Pegel des Bodensees. Nur wenige Zentimeter war der Wasserstand an manchen Tagen von einem Rekordtief entfernt. So etwa am 15. August. Der Pegel war an diesem Tag mit 3,05 Metern nur sieben Zentimeter vom Rekordstand von 2,98 Metern entfernt. Er lag damit etwa 90 Zentimeter niedriger als zu diesem Datum üblich (Vergleichszeitraum 1961 bis 1990).

Ulrich Maurer ist seit August Präsident der LUBW.
Ulrich Maurer ist seit August Präsident der LUBW. | Bild: LUBW

Von einer Ausnahmesituation möchte Ulrich Maurer jedoch nicht sprechen: „Die Klimamodelle zeigen deutlich, dass wir künftig häufiger solche Sommer erleben werden. Die heißesten Sommer in Baden-Württemberg seit der Wetteraufzeichnung liegen allesamt in diesem Jahrtausend.“

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Niedriger Pegel nicht ungewöhnlich für Ökosystem

Während der niedrige Bodenseepegel in den vergangenen Wochen für die Menschen Einschränkungen mit sich brachte, beispielsweise bei der Schifffahrt, kamen Flora und Fauna im Sommer gut damit klar. Das bestätigt Harald Hetzenauer, Leiter des Seenforschungsinstituts der LUBW in Langenargen.

Harald Hetzenauer ist Leiter des Seenforschungsinstituts in Langenargen.
Harald Hetzenauer ist Leiter des Seenforschungsinstituts in Langenargen. | Bild: LUBW

„Im Winter sind die Wasserstände in der Regel noch niedriger als selbst die niedrigsten Sommerwasserständen, die wir erreicht haben“, erklärt Hetzenauer. Der Pegel liege in den Wintermonaten teilweise deutlich unter drei Metern. Pflanzen und Tiere seien an einen solchen Wasserwechsel also angepasst.

„Die Lage ist nicht dramatisch für den Bodensee“, betont der Experte des Forschungsinstituts. Zumindest, solange es sich nur um ein einzelnes Jahr mit niedrigen Wasserständen handele. Erst, wenn sich Sommer wie dieses Jahr häufen, könne es zu Problemen für das Ökosystem kommen.

Blick vom Sipplinger Naturstrand auf den Bodensee. Diesen Sommer haben die Badegäste wegen dem niedrigen Wasserpegel mehr Platz für ihre ...
Blick vom Sipplinger Naturstrand auf den Bodensee. Diesen Sommer haben die Badegäste wegen dem niedrigen Wasserpegel mehr Platz für ihre Handtücher. | Bild: Miriam Altmann

So seien etwa manche Pflanzen auf den Wasserwechsel angewiesen und auch Fische könnten langfristig Schwierigkeiten bekommen. „Es gab dieses Jahr lokal schon Probleme bei bestimmten Arten“, berichtet Hetzenauer und verweist damit auf vereinzeltes Fischsterben im Bodensee.

Bodenseepegel hat sich etwas erholt

Alles in allem sei das Ökosystem laut Hetzenauer jedoch gut durch den heißen und trockenen Sommer gekommen. Kritische Werte betreffend dem Pegelstand wurden ohnehin nicht erreicht. Der Wasserstand istsogar wieder gestiegen. Grund dafür war unter anderem ein ‚kleines Hochwasserereignis‘ in der Bregenzer Aach, wie Ute Badde von der Hochwasservorhersage der LUBW mitteilt.

Ute Badde arbeitet bei der Hochwasservorhersage der LUBW.
Ute Badde arbeitet bei der Hochwasservorhersage der LUBW. | Bild: LUBW

Wie geht es nun weiter mit dem Pegel? Eine Prognose für die kommenden Wochen möchte Expertin Badde nicht wagen. Nur so viel: „Ich kann sagen, dass wir in den nächsten Tagen keine größeren Niederschläge mehr bekommen. Das bedeutet, dass der Wasserstand wieder langsam fallen wird.“ Ob es in nächster Zeit zu kritischen Pegelwerten kommt, werde der Winter zeigen.

Klimawandel verändert Niederschlag

Das überwiegend alpine Einzugsgebiet des Bodensees verändert sich durch den Klimawandel, heißt es von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW). Im Winter wird der Niederschlag in Form von Schnee im Einzugsgebiet gespeichert und kommt daher nicht zum Abfluss. Die Folge sind niedrige Wasserstände im Winter. Im Sommer tragen Schneeschmelze und Regen im Einzugsgebiet zu einem, im jahreszeitlichen Vergleich, hohen Wasserstand bei. So war es jedenfalls bisher. Wegen des Klimawandels verzeichnet Baden-Württemberg nun geringere Schneerücklagen im Winter und ein jahreszeitlich früheres Abschmelzen der Schneedecke. Das wird künftig zu einem niedrigeren Wasserstand im Bodensee und in den Flüssen im Sommer führen. Niederschlag, der im Winter vermehrt als Regen statt Schnee fällt, führt zu einer Erhöhung der winterlichen Seewasserstände.

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