Das Neun-Euro-Ticket ist vor wenigen Tagen ausgelaufen. Einen Nachfolger für dievergünstigten Fahrkarten gibt es vorerst nicht, die Debatte ist aber in vollem Gang. Viele fordern die Einführung einer dauerhaft günstigen Nahverkehrskarte. Es gibt aber auch Kritik.

Jürgen Löffler, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Bodensee-Oberschwaben (Bodo), bewertet es zwar als grundsätzlich positiv, dass die Sonderaktion viele Menschen mit dem Öffentlichen Nahverkehr in Berührung gebracht hat und sie sich für Bus und Bahn entschieden haben. Allerdings seien auch zahlreiche Schwierigkeiten im System aufgezeigt worden. Klar geworden sei laut Löffler, dass die Verkehrswende nicht durch Billigaktionen allein gelinge.

Jürgen Löffler, Bodo-Geschäftsführer
Jürgen Löffler, Bodo-Geschäftsführer | Bild: Fabiane Wieland

Natürlich hoffe man auch auf langfristige Effekte – konkret „dass uns der eine oder andere Fahrgast auch in Zukunft erhalten bleibt“, wie der Bodo-Geschäftsführer sagt. Jedoch sei das Neun-Euro-Ticket in eine Zeit gefallen, die für die Nahverkehrsbranche höchst schwierig sei. „Enorme Energiekosten brachten manches Verkehrsunternehmen zuletzt in existenzielle Schwierigkeiten. Dazu kamen hohe Krankenstände beim Personal und technische Probleme infolge gestörter Lieferketten“, so der Verkehrsverbund in einem Pressetext.

Keinen Platz mehr in der Bahn und gestrichene Busfahrten

Die Folgen hätten die Fahrgäste schmerzlich zu spüren bekommen: Züge auf der Südbahn und der Bodenseegürtelbahn seien mit geringerer Kapazität als vorgesehen gefahren, sodass mancher keinen Platz mehr fand und am Bahnsteig zurückbleiben musste. Auch im Busverkehr seien Fahrten gestrichen worden. „Das Neun-Euro-Ticket hat maximale Last auf ein ohnehin schon geschwächtes und unterfinanziertes System gebracht“, fasst Löffler zusammen.

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Damit seien Pendler vergrault worden und auch Gäste hätten Zustände erlebt, „wie sie in einem zivilisierten Land nicht erwartet wurden“, sagt Löffler und spricht von einem erheblichen Imageschaden. Außerdem seien Menschen in den ländlichen Gebieten die Verlierer, weil hier vor dem Preis das lückenhafte Nahverkehrsangebot das Problem sei. Wenn der Staat Milliarden für ein nahezu kostenloses Fahren in Bus und Bahn aufbringe, fehle das Geld für nachhaltige Investitionen in das öffentliche Nahverkehrssystem, befürchtet er.

Nicht nur kurzfristige Effekte in den Mittelpunkt rücken

Der Bodo-Geschäftsführer appelliert deshalb an die Politik und die Branche, ein langfristig tragfähiges Nachfolgeangebot zu entwickeln, bei dem nicht der günstigste Preis und kurzfristige Effekte im Mittelpunkt stehen. „Wenn wir das heutige System weiter auf Verschleiß fahren, wenn es keine weiteren Investitionen gibt und der Angebotsausbau ins Stocken kommt, dann droht eine Verkehrswende in die falsche Richtung. Und das will wirklich niemand.“