Dass es die Projektstelle „Hauptamt stärkt Ehrenamt“ im Bodenseekreis gibt, ist ein Novum. „Und es ist eigentlich ein Luxus“, sagt Ansprechpartnerin Katrin Kotter. Denn es gibt bundesweit nur 18 Landkreise, welche die Stärkung von Ehrenamt im ländlichen Raum modellhaft erproben dürfen und dafür zu 90 Prozent vom Bund bezuschusst werden.

Katrin Kotter und Ann-Kathrin Röber kümmern sich seit September mit viel Herzblut um all die Sorgen und Nöte der Ehrenamtlichen im Bodenseekreis. Diese Sorgen haben durch Corona spürbar zugenommen. Rechtliche Veränderungen stellen vor allem die Vereine vor immer neue Aufgaben. Sie müssen oft kurzfristig und flexibel reagieren, ohne zu wissen, unter welchen Voraussetzungen zum Beispiel Versammlungen noch durchgeführt werden dürfen oder wie sich unter Pandemiebedingungen rechtssichere Neuwahlen organisieren lassen.

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Viele Anfragen, die bei den Kotter und Röber von der Projektstelle „Hauptamt stärkt Ehrenamt“ im Landratsamt eingehen, betreffen deshalb Satzungsänderungen, Vereinsrecht und immer wieder das Thema: „Wie finden wir Leute, die an einem langfristigen Engagement interessiert sind?“ Und ja, sie haben auch dafür Lösungen, denn sie haben sich das Schwerpunktthema „jung und engagiert im Bodenseekreis“ auf ihre Fahnen geschrieben.

Ganz viele kleine Anfragen und 16 größere Anfragen von verschiedenen Vereinen und Organisationen haben die beiden Ansprechpartnerinnen bereits erfolgreich bearbeitet. Manchmal ruft jemand an, der nur ein Umfragetool sucht und ein andermal müssen Pläne ausgearbeitet, Experten hinzugezogen und ganz neue Strukturen erarbeitet werden. Was auch immer es ist, es wird alles vertraulich behandelt.

Aufruf hat viele Freiwillige ans Licht befördert

Was die zwei Frauen besonders freut: Ein Aufruf hat viele Freiwillige ans Licht befördert, die sich bei Bedarf mit ihrem Expertenwissen einbringen wollen. Die Kosten, die dabei entstehen, übernimmt der Landkreis. Es rufen Narren- und Brauchtumsvereine an, Naturschutzgruppen Bläsergruppen und auch Sportvereine, obwohl letztere meist den Vorteil haben, dass sie bereits über Verbände gut organisiert sind. Zu den kreisweit rund 1500 eingetragenen Vereinen kommen Initiativen und Ehrenamtliche, die nicht organisiert sind.

Noch hat die Projektstelle Kapazitäten frei, denn sich Hilfe zu holen, das wissen sie, erfordert viel Mut und Eingeständnis. “Ich weiß, wieviel Überwindung das kostet“, sagt Ann-Kathrin Röber. Deshalb wurden bereits zusätzlich zum Beratungsangebot 20 verschiedene Veranstaltungen online durchgeführt und damit rund 200 Teilnehmer erreicht. „Und es gibt es keinen Bereich, aus dem wir noch keine Anfrage hatten“, sagt Ann-Kathrin Röber. Auch Katrin Kotter sprüht vor Begeisterung für ihre Aufgabe und die beiden haben schon wieder eine neue Idee: Um das Angebot noch niederschwelliger zu gestalten, wollen sie monatlich online einen offenen Stammtisch anbieten. Kontakt per Mail an jungundengagiert@bodenseekreis.de oder unter Tel. 0 75 41/2 04 31 74.