„Unterricht mit Maske find‘ ich richtig blöd“, findet die zehnjährige Sarah. Die Realschülerin am Markdorfer Bildungszentrum (BZM) trägt ihre Maske immer noch, auch in der siebten Stunde an diesem Montag. Und wie es aussieht, wird sie den bunt bedruckten Mund-Nasen-Schutz vor ihrem Gesicht so schnell auch nicht ablegen.

Bild: Jörg Büsche

Viele Schüler fühlen sich von den Masken gestört

Auch die Schüler in Überlingen sind wenig begeistert von der neuen Maskenpflicht im Unterricht, die seit Montagmorgen gilt. „Ich finde das Maske tragen schlimmer als das regelmäßige Lüften des Klassenraums“, meint Olivia Huber, Siebtklässlerin auf der Realschule Überlingen. „Man kriegt schlecht Luft. Später wird sie feucht und sie riecht komisch“, so die 13-Jährige, die im Biologie-Unterricht gerade den menschlichen Unterleib an die Tafel zeichnet. Anders denkt da ihr Sitznachbar. „Anfangs fand ich es anstrengend mit der Maske“, so Rico Guthardt, „mittlerweile geht es aber.“

Mit Maske an der Tafel:  Siebtklässlerin Olivia Huber (13),  Realschule Überlingen.
Mit Maske an der Tafel: Siebtklässlerin Olivia Huber (13), Realschule Überlingen. | Bild: Cian Hartung

Maart, der nun fast sechs Stunden Unterricht am Friedrichshafener Karl-Maybach-Gymnasium (KMG) mit Maske hinter sich hat, meint: „Ich habe es mir schlimmer vorgestellt, die ganze Zeit Maske zu tragen.“ Allerdings merke er sie schon auch beim Sprechen, da störe sie dann ein wenig: „Man muss deutlich lauter sprechen als ohne. Sonst wird man nicht verstanden.“ Mitschüler Constantin empfindet den Mund-Nasen-Schutz als störend: „Ich finde das schon etwas nervig. Wenn man ins Klassenzimmer geht, möchte man die Maske abnehmen, weil wir es von vorher so gewohnt sind. Das ist jetzt natürlich anders.“ Sprechen sei generell undeutlich und er empfinde es schlichtweg als unangenehm, permanent etwas vor dem Mund zu haben.

Sechste  Stunde, Mathematikunterricht in einer zehnten Klasse des Karl-Maybach-Gymnasiums: Der erste Schultag mit Maske ist bald überstanden.
Sechste Stunde, Mathematikunterricht in einer zehnten Klasse des Karl-Maybach-Gymnasiums: Der erste Schultag mit Maske ist bald überstanden. | Bild: Lena Reiner

Viele Eltern sind verunsichert

Im Sekretariat des Karl-Maybach-Gymnasiums in Friedrichshafen steht am Montag das Telefon nicht still. Die am Wochenende kommunizierten Änderungen der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg werfen Fragen auf. Mitarbeiterin Maria Fröhle schildert, als sie kurz den Hörer auflegen kann: „Es rufen ganz viele Eltern an, die wissen möchten, ob die neuen Regelungen wirklich auch hier, also im Bodenseekreis, gelten. Es ist ganz schön verwirrend für viele, wieso das jetzt gilt, obwohl wir ja unter dem Inzidenzwert liegen.“

Maskenpflicht herrscht seit Montag in allen Schulen Baden-Württembergs, auch im Unterricht.
Maskenpflicht herrscht seit Montag in allen Schulen Baden-Württembergs, auch im Unterricht. | Bild: Lena Reiner

Schüler und Lehrer sind schon routiniert

Im Schulhaus selbst ist von dieser Aufregung nichts zu merken. Die Wegeleitsysteme sind inzwischen Routine geworden, die Maskenpflicht in den Fluren ist ebenfalls längst Gewohnheit. Wer das Schulgebäude betritt, setzt vorher routiniert die Maske auf, kontrolliert ihren Sitz an der Nase, eine Sache von wenigen Sekunden. Große Hinweisschilder erinnern an den Eingängen und an der Tür zum Sekretariat an die Hygieneregeln.

Auch der Namensgeber des Karl-Maybach-Gymnasiums trägt vorbildlich seinen Mund-Nasen-Schutz.
Auch der Namensgeber des Karl-Maybach-Gymnasiums trägt vorbildlich seinen Mund-Nasen-Schutz. | Bild: Lena Reiner

Kommunikation im Klassenzimmer ist mit Maske schwieriger

Einen Stock höher geht es konzentriert zu. Daniela Schmider, die gerade die zehnte Klasse in Mathematik unterrichtet, erklärt: „Für mich selbst ist die Maskenpflicht im Unterricht keine große Umstellung. Ich durfte sie ja sowieso nur vorne am Pult absetzen und habe sie beim Herumgehen im Klassenzimmer auch in den letzten Wochen getragen.“ Allerdings merke auch sie, dass gerade vorn am Pult der Mund-Nasen-Schutz eine Herausforderung darstelle. „Die Schüler verstehen mich schlechter und ich verstehe auch die Schüler so weniger gut.“ Das Masketragen an sich sei für niemanden ein Problem: „Man ist es ja jetzt auch wirklich gewöhnt, weil man auch sonst an vielen Orten die Maske trägt.“ Gleichzeitig sei die neue Regelung für die Schüler natürlich eine größere Umstellung.

Im Mathematikunterricht von Daniela Schmider am Friedrichshafener Karl-Maybach-Gymnasium werden die Masken vorbildlich getragen, stören allerdings etwas beim Sprechen. „Ich muss deutlich lauter sprechen“, erklärt sie.
Im Mathematikunterricht von Daniela Schmider am Friedrichshafener Karl-Maybach-Gymnasium werden die Masken vorbildlich getragen, stören allerdings etwas beim Sprechen. „Ich muss deutlich lauter sprechen“, erklärt sie. | Bild: Lena Reiner

Auch auf dem Schulhof herrscht Maskenpflicht

Auch beim Graf-Zeppelin-Gymnasium (GZG) in Friedrichshafen lief der erste Tag mit kompletter Maskenpflicht einigermaßen gut. Wie die stellvertretende Schulleiterin Annette Fuchs berichtet, hielten sich am Montag alle an die neuen Regeln. „Wir machen alle das Beste daraus, denn alle sehen die Notwendigkeit, schließlich machen wir das für die Gemeinschaft“, sagt sie. Anstrengend ist das Masketragen aber in jedem Fall. Für das GZG würde sie sich wünschen, dass die Schüler wenigstens in den Pausen die Masken ablegen dürften. „Wir haben bei uns auf dem Schulhof genügend Platz, da können wir problemlos das Abstandsgebot einhalten“, so Fuchs. Aber auch das muss in Zeiten der zweiten Corona-Welle wohl ein Wunschtraum bleiben.

Ein Winterhalbjahr mit Maske und regelmäßigem Lüften: Auf die Schüler der Realschule Überlingen warten ungemütliche Monate.
Ein Winterhalbjahr mit Maske und regelmäßigem Lüften: Auf die Schüler der Realschule Überlingen warten ungemütliche Monate. | Bild: Cian Hartung
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Schulleiter sind zufrieden mit dem ersten Tag

Die Schulleiterin der Realschule Überlingen, Karin Broszat, berichtet, dass viele Schüler die Maskenpflicht leichter nehmen, als sie gedacht hätte. Sie gesteht aber auch ein: „Wenn Schüler von 7 Uhr morgens im Bus bis zum Schulschluss gegen 14 Uhr die Maske tragen, dann ist das schon sehr anstrengend.“ Sie finde es richtig, der gesamten Corona-Lage entsprechend zu handeln. Sie spricht sich aber für die Wiedereinführung der Abstandsregeln oder einen rotierenden Unterricht aus – so wie im Frühjahr nach dem Lockdown. „Das wäre allerdings wieder eine Herausforderung für die Eltern“, gibt sie zu.

Sie ist überrascht, wie locker ihre Schüler die Maskenpflicht bisher nehmen: Die Schulleiterin der Überlinger Realschule, Karin Broszat.
Sie ist überrascht, wie locker ihre Schüler die Maskenpflicht bisher nehmen: Die Schulleiterin der Überlinger Realschule, Karin Broszat. | Bild: Cian Hartung

Elternvertreter sehen die Maskenpflicht kritisch

Dominique Grensing, die Gesamtelternbeiratsvorsitzende der Überlinger Schulen, ist dagegen vom späten Zeitpunkt der Maskenpflicht im Unterricht überrascht. „Wir haben damit gerechnet, dass sie kommen wird. Es hat mich eigentlich eher erstaunt, dass sie erst jetzt kam“, sagt sie. Grensing sei auch erstaunt gewesen, dass diese Maßnahme landesweit entschieden wurde. „Es ist nicht wirklich fair, dass die Schüler hier bei uns jetzt Maske im Unterricht tragen müssen, weil beispielsweise die Landkreise Esslingen, Stuttgart oder Heilbronn zu Hotspots geworden sind“, findet sie. Grundsätzlich halte sie die Maskenpflicht für sinnvoll, merkt aber an: „Wir hatten in Überlingen ja noch nicht viele offizielle Fälle. Ich denke auch nicht, dass die Schulen ein Problem sind für die Ansteckungen.“

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„Es ist bedauerlich, dass sich die Situation so verschlimmert hat, dass die Maskenpflicht für den Unterricht eingeführt wurde“, teilt Birgit Kolb-Büchner, stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende am Gymnasium des Bildungszentrums Markdorf, mit. Angesichts der Entwicklung der vergangenen Wochen sei dies jedoch fast absehbar gewesen. Von Elternseite seien zwar noch keine Beschwerden eingegangen, freuen darüber werde sich wohl aber niemand, zumal sich der Unterricht dadurch noch schwieriger gestalten werde. Denn aufgrund der andauernden Sanierungsarbeiten sei die Verständigung in manchen Klassenzimmern auch ohne Maske ohnehin schon schwierig.

Schüler klagen über Kopfschmerzen wegen des Mund-Nasen-Schutzen

Zurück zu Sarah und ihren Mitschülern am Markdorfer BZM: Eve, 11, berichtet, dass Haltebänder ihrer Maske inzwischen an den Ohren schmerzen. „Ich habe schon Kopfweh davon bekommen“, erklärt sie. Eine spontane Umfrage in der Klasse ergibt, dass nun, in der siebten Stunde, 16 von insgesamt 25 Schülern der Kopf wehtut. Die zehnjährige Luisa ist richtig aufgebracht: „15 Rechtschreibfehler in fünf Sätzen – das kommt sonst nie vor.“ Dass sie ihren Englisch-Test derart verhauen hat, führt die Zehnjährige auf die Maske zurück. Hinter der sie schlecht atmen könne. Der Mund-Nasen-Schutz bringe einen schnell zum Schwitzen. Und obendrein behindere er auch noch beim Sprechen.

Realschüler am Markdorfer Bildungszentrum in der siebten Stunden – und immer noch mit Mund-Nasen-Schutz.
Realschüler am Markdorfer Bildungszentrum in der siebten Stunden – und immer noch mit Mund-Nasen-Schutz. | Bild: Jörg Büsche

„Man wird sich wohl dran gewöhnen mit der Zeit“, hofft Musiklehrer Oliver Fredel, 46. Nun, nach der sechsten Stunde, kann der Pädagoge nach Hause fahren. Ablegen darf er seinen Mund-Nasen-Schutz aber erst, wenn er mit seinem Fahrrad das Schulgelände verlassen hat.

Oliver Fredel, 46, Gymnasiallehrer am BZM
Oliver Fredel, 46, Gymnasiallehrer am BZM | Bild: Jörg Büsche
Der Mund-Nasen-Schutz macht das Unterrichten erheblich schwerer. Man versteht sich schlechter. Ich finde das schon gewöhnungsbedürftig.
Oliver Fredel, 46, Gymnasiallehrer am BZM
Birgit Wiedermann, 49, Realschullehrerin am BZM.
Birgit Wiedermann, 49, Realschullehrerin am BZM. | Bild: Jörg Büsche
„Ich habe mir heute extra zwei Masken mitgebracht, damit ich wechseln kann. Das Unterrichten ist mit Mund-Nasen-Schutz deutlich anstrengender geworden.“
Birgit Wiedermann, 49, Realschullehrerin am BZM.
Marianne Licciardi-Haberbosch, 50, Konrektorin an der BZM-Realschule
Marianne Licciardi-Haberbosch, 50, Konrektorin an der BZM-Realschule | Bild: Jörg Büsche
Ich habe heute nur drei Stunden unterrichtet – und fand das wirklich heftig. Was man hört: Mit Einweg-Masken geht das Unterrichten besser als mit den selbstgenähten aus Stoff.
Marianne Licciardi-Haberbosch, 50, Konrektorin an der BZM-Realschule

Veronika Elflein, die Leiterin des BZM-Schulverbunds findet, dass der Vergleich mit dem Klinikpersonal, das ja auch den ganzen Tag eine Maske tragen müsse, hinke. „Ärzte und Schwestern stehen nicht den ganzen Tag vor Schulklassen. Sie müssen auch nicht laut reden. Hinter einer Textil-Schicht ist das noch anstrengender, als es sowieso schon“, so Elflein. Und weil auch die Mimik als Kommunikations-Möglichkeit ausfalle, erfordere das Unterrichten noch mehr Kraft. „Aber die Schüler geben sich alle Mühe, das Beste aus der Situation zu machen“, so die Schulleiterin.

Notfallpläne griffbereit in der Schublade

An der Realschule Überlingen wie in den meisten Schulen im Kreis auch, hat man für die kommenden Wochen alle Notfallpläne griffbereit in der Schublade. „Wir sind als Schulleitung derzeit auf alles vorbereitet – vom rotierenden Unterricht bis hin zum totalen Lockdown“, sagt die Schulleiterin Karin Broszat. „Ich hoffe, dass die Zahlen bis zum Ende der Herbstferien wieder sinken, damit wir die Notfallpläne nicht brauchen werden“, so die Schulleiterin.

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