Eine Besonderheit am regionalen Wetter sind häufige Nebellagen. Nebel entsteht vor allem, wenn aus dem relativ warmen Bodensee sehr viel Feuchtigkeit verdunstet und sofort in der Luft zu winzigen Wassertropfen kondensiert. Unter der Nebeldecke kann es auf 400 Metern über dem Meeresspiegel kälter sein als auf dem 1277 Meter hohen Feldberg, sofern dort die Sonne scheint. Wenn die Verhältnisse derart auf den Kopf gestellt sind, spricht man von Inversionswetterlage. Diese Lage kann sehr stabil sein, worunter Wettermuffel derzeit leiden

Kein Grund zum Trübsalblasen ist das für Lourdes Flores und Rolf Böhland. Sie kamen aus dem sonnigen Tuttlingen (beide arbeiten bei der Firma Aesculap und lernten sich dort auch kennen), und tauchten in Überlingen in den Nebel ein.

Bild: Hilser, Stefan

Vom Landungsplatz aus war der Münsterturm nur noch schemenhaft zu erkennen, als sich das Paar aus Tuttlingen dort fotografieren ließ. Sie finden die Stimmung schön und filmten die Möwen, die am Landungsplatz auf dem Geländer sitzen. Erst dachte sie an einen Horrofilm, weil sie an das andere Ufer nicht sehen konnte, doch mag die Mexikanerin Lourdes Flores diese Stimmung: „Mystisch!“, sagte sie.

Video: Hilser, Stefan

Der Wetterdienst Wetter-Kontor beliefert seit Oktober 2013 den SÜDKURIER täglich mit den aktuellen Wetterdaten und einer Vorschau. Meteorologe Jürgen Schmidt erklärt das Dilemma von Hochdrucklagen in der kalten Jahreszeit: Zwischen warmer Luft in der Höhe, die sich durch Sonnenschein ab etwa 1000 Metern über dem Meer aufwärmt, und der bodennahen kalten Luft, die bis etwa 1000 Meter reicht, liegt eine Isolationsschicht, die einen Austausch der Luftmassen verhindert. Die kalte Luft bleibt, weil schwerer, unten, die warme Luft liegt obenauf.

Mistwetter?

Nebel heißt auf Niederländisch „mist“. Die Holländer kennen aber auch ein freundlicheres Wort, und nennen den Dunst „kleine Welt“. Das berichtet der Überlinger Segler und (pensionierte) Realschullehrer Ralf Mittelmeier, der mit Schülern auf dem Wattenmeer zu einer Segelausfahrt weilte. „Da kam unser Skipper an Deck und sagte in seinem schönen holländischen Slang: ‚Kleine Welt‘.“ Dieses Bild drücke für ihn gut aus, was auch hier am See gilt, wenn Nebel aufziehen.

Diese beiden Schwäne vor der Überlinger Kellerwerft genießen ganz offensichtlich diesen ruhigen und wie abgeschlossen wirkenden Raum, der im Nichts endet, für ein Nickerchen.

Bild: Hilser, Stefan

Statistische Zahlen konnte Meteorologe Schmidt nicht nennen, ist sich aber sicher, „dass der Bodensee einer der Hauptnebelecken in Deutschland ist“. Die Wahrscheinlichkeit zur Nebelbildung nimmt hier am See wegen des großen Wasserreservoirs zu, erschwerend kommt die Lage zwischen Alpen, Schwarzwald und Allgäu dazu. „Dann hängt der Nebel in einer landschaftlichen Kuhle wie in einem Loch fest, die Winde sind meistens relativ schwach, und die Auflösungstendenzen für den Nebel sind dann relativ schlecht.“

Bild: Hilser, Stefan

Besonders bei Nebel sieht man lange Lichtspuren, die den Münsterturm wie mit einer Korona umgeben. Bei einer Korona handelt es sich nicht um ein Virus, sondern um ein Leuchten, das bei entsprechender Bewölkung auch um Mond und Sonne herum wahrgenommen werden kann, auch „Hof“ genannt. Als Gefahr für Insekten und als Lichtverschmutzung von den einen angeprangert, empfinden die anderen den angestrahlten Münsterturm als einen Leuchtturm im Meer des Alltags.

Bild: Hilser, Stefan

Die Palmen am Friedhof-Kreisel in Überlingen, mit Blickrichtung Bahnhof, wirken bei Herbst und Nebel leicht aus der (Jahres-)Zeit gefallen. Die Lichtstreifen entstehen bei langer Belichtungszeit durch die im Kreisel fahrenden Autos.

Bild: Hilser, Stefan
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„Bei Hagel und Schnee sagen die Fische nee!“ So lautet eine alte Fischerregel. Laut „Petri Heil„, einem Schweizer Fischereimagazin, sei auch Nebel kein gutes Fischfangwetter. Ob‘s für diesen Fischer, der seine Netze vor Überlingen auswirft, an diesem Morgen zutrifft? Wir wissen es nicht, er hörte unser Rufen nicht. Im Hintergrund taucht Wallhausen aus dem Nebel auf.

Bild: Hilser, Stefan

Ein trüber Tag in Überlingen, doch die Konturen und Spiegelungen im stillen und ungekräuselten See kommen umso besser zur Geltung. So wie hier am Mantelhafen.

Bild: Hilser, Stefan
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Wer vor Sonnenaufgang zum Joggen geht, hat bei Nebel ohne Stirnlampe kaum eine Chance, den Weg zu finden. Nach der Rückkehr lässt der Durchblick für Brillenträger ohnehin zu wünschen übrig, wie Stefan Hilser in einem Selbstporträt zeigt.

Bild: Hilser, Stefan

Dem Nebel entfliehen? Hier geht‘s lang

Und dann bricht sich die Sonne doch noch vorsichtig ihre Bahn: Dieses Bild entstand im Friedwald in Heiligenberg. Bei der aktuellen Wetterlage ist auch Heiligenberg kein Garant für Sonnenschein. Meteorologe Jürgen Schmidt empfiehlt einen Blick auf das aktuelle Satellitenbild um festzustellen, ob zum Beispiel Heiligenberg frei vom Nebel ist. Die Internetseite von Wetterkontor hilft dabei weiter. Einfach hier klicken.

Bild: Holger Kleinstück
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