Der Einsatz vor Süßenmühle bleibt knifflig. In der Sturmnacht von Donnerstag auf Freitag war hier die Bohrplattform der Bodenseewasserversorgung in eine Schieflage geraten. Außerdem sank ein Motorschiff, das dazu diente, die Plattform zu manövrieren. Während die Plattform stabilisiert und in den Hafen von Bodman geschleppt werden konnte, wurde das Boot erst mal nur geortet und begutachtet.

Das Boot ist in 71 Metern auf Grund gelaufen und soll am Freitag unter Einsatz der Bodenseetaucher, die jüngst die technischen Anlagen der Bodensee-Wasserversorgung an ähnlicher Stelle mit einem Hochdruckreiniger von der Quaggamuschel befreiten, geborgen werden. Chef Günther Dietz erklärt, dass ab Mittwoch Vorbereitungen laufen, um das Boot am Freitag heben zu können. Es wiegt Dietz zufolge 7,5 Tonnen. Zur Herausforderung wird aber die Tiefe. „Wir müssen mit Mischgas tauchen“, sagt Dietz.

Günther Dietz, Inhaber der Bodenseetaucher GmbH
Günther Dietz, Inhaber der Bodenseetaucher GmbH | Bild: Schnurr, Michael

Zum Vergleich: Die Anlagen der Bodensee-Wasserversorgung, die gereinigt wurden, befinden sich in 60 Metern Tiefe. Maximal 15 Minuten können die Taucher jeweils unten bleiben und arbeiten. Der anschließende Aufstieg dauert 45 Minuten. Würden die Taucher zu schnell aufsteigen, würde sich der Umgebungsdruck zu schnell ändern und zu viel Stickstoff in ihr Blut gelangen. Es drohen gesundheitliche Schäden, weshalb auch jeder Schritt von Bord aus überwacht wird und Funkkontakt zu den Tauchern besteht. Sieben Personen werden am Freitag an Bord des Arbeitsschiffes sein. „Sechs Taucher und eine Aufsichtsperson“, sagt Dietz.

Ballons sollen Schiff an Wasseroberfläche holen

An dem gesunkenen Motorschiff werden Hebesäcke angebracht. „Es sind im Grunde Ballons. Vier Stück. Sie werden aufgeblasen“, erläutert Günther Dietz zu dem anspruchsvollen Einsatz. Durch die Ballons erhält das Boot Auftrieb und soll so an die Wasseroberfläche gelangen. Dann geht es Richtung Land, „um von der großen Tiefe wegzukommen“. Dietz erläutert weiter: „Es wird gehoben, ausgepumpt und dann in Richtung eines Hafens gezogen.“ Eventuell nach Sipplingen.

Video: Hilser, Stefan

Das Polizeipräsidium Einsatz in Göppingen teilt mit: „Da das Schiffswrack permanent geringe Mengen Kraftstoff verliert, wurde von der Feuerwehr an der Wasseroberfläche eine Ölsperre errichtet. Mithilfe dieser Vorrichtung wird die Ausbreitung des Ölfilms verhindert.“ Führer von Sportbooten werden gebeten, daher im Bereich der Trinkwasserentnahmestelle Sipplingen mit reduzierter Geschwindigkeit zu fahren, um die Sicherungsmaßnahmen nicht zu beeinträchtigen. „Eine Gefahr für die Trinkwasserversorgung besteht zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht“, heißt es weiter vonseiten der Polizei. Das hatte am Freitag auch Teresa Brehme, Sprecherin der Bodensee-Wasserversorgung, betont.

Was mit der Bohrplattform passiert, ist aktuell noch unklar. Laut Brehme passierte der Unfall im Überlinger See gegen Ende der Bohrungen. Vielleicht muss die Plattform gar nicht mehr auf den See zurück. Die Bohrungen sollten Aufschluss über die Bodenbeschaffenheit geben. Das ist für die Planungen und den Bau der neuen Wasserentnahmestelle unter dem Titel Zukunftsquelle erforderlich.

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