„Wenn Sie ein schnelles Boot kontrollieren wollen und Sie fahren mit der ‚Graf Zeppelin‘ mit 40 Stundenkilometern hinterher, dann tun Sie sich schwer“, sagt Zolloberamtsrat Markus Tauber, der zuständige Gebietsleiter im Kontrollraum Süd des Hauptzollamts Ulm. Die „Buchhorn“ bringt es mit 1020 PS und Jet-Antrieb leicht auf mehr als 70 Stundenkilometer. „Sie war nahezu zwei Jahre außer Betrieb und hat jetzt ein vollumfängliches Refit bekommen“, sagt Kapitän Gerd Steib von der Kontrolleinheit Wasserzoll. Dafür musste das Einsatzboot in eine Spezialwerft nach Hamburg gebracht werden, seit dem Juni 2021 ist es wieder technisch auf dem neuesten Stand und auf dem Bodensee unterwegs.

Kapitän Gerd Steib ist glücklich, sein schnelles Einsatzboot nach zwei Jahren Werftzeit wieder im Wasser zu haben. Die „Buchhorn“ ist extrem wendig und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern nach Zollangaben das schnellste Boot auf dem Bodensee.
Kapitän Gerd Steib ist glücklich, sein schnelles Einsatzboot nach zwei Jahren Werftzeit wieder im Wasser zu haben. Die „Buchhorn“ ist extrem wendig und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern nach Zollangaben das schnellste Boot auf dem Bodensee. | Bild: Andrea Fritz

Jetboot mit Technik-Update

Steib kennt das Boot seit 15 Jahren. „Es hat keine Schiffsschraube“, erklärt er. „Das Wasser wird angesaugt und hinten wieder rausgedrückt, der Wasserstrahl ist der Antrieb.“ Nun ist das 32 Jahre alte Boot mit modernstem GPS, Radar und Wärmebildkameras ausgestattet. „Damit müssen wir uns jetzt erst sukzessive vertraut machen“, sagt der Kapitän. Vor ihm liegen viele Übungsstunden mit der Besatzung der Kontrolleinheit. Beim Wasserzoll muss jeder alles können: vom Steuern der Boote bis zum Ölwechsel. Deshalb fängt jeder Zöllner auf dem Wasser seine Karriere als Maschinist an.

Volle Konzentration bei der ersten Testfahrt nach der rund 500.000 Euro teuren Überholung für das Zollboot „Buchhorn“: (von links) Kapitän Gerd Steib, Ingo Horn, stellvertretender Leiter vom Maschinendienst, und Pressesprecherin Nathalie Reiff sind beeindruckt.
Volle Konzentration bei der ersten Testfahrt nach der rund 500.000 Euro teuren Überholung für das Zollboot „Buchhorn“: (von links) Kapitän Gerd Steib, Ingo Horn, stellvertretender Leiter vom Maschinendienst, und Pressesprecherin Nathalie Reiff sind beeindruckt. | Bild: Andrea Fritz

Weniger Geld-, aber mehr Drogenschmuggel

Die Zoll-Aufgaben sind dieselben wie beim Landzoll. „Der Geldschmuggel hat mit dem Deutsch-Schweizer Abkommen nachgelassen, aber der Drogenschmuggel aus der Schweiz wird mehr“, sagt Alexander Ebe, Kapitän der „Graf Zeppelin“. Diese wird hauptsächlich für die Kontrollen der Kursschiffe in den Häfen gebraucht – und bei schwerer See, denn da ist die „Buchhorn“ mit ihrem geringen Tiefgang weniger geeignet, auch wenn jetzt der Rumpf verändert wurde.

Alexander Ebe ist seit einem Jahr Kapitän auf dem Zollboot „Graf Zeppelin“. Er überwacht den Schiffsverkehr aus und in die Schweiz und hat auch schon gekenterte Jollensegler aus zwei Meter hohen Fönsturm-Wellen gerettet.
Alexander Ebe ist seit einem Jahr Kapitän auf dem Zollboot „Graf Zeppelin“. Er überwacht den Schiffsverkehr aus und in die Schweiz und hat auch schon gekenterte Jollensegler aus zwei Meter hohen Fönsturm-Wellen gerettet. | Bild: Andrea Fritz

Die „Buchhorn“ macht vorwiegend Jagd auf Steuersünder auf dem Bodensee. „Ich kontrolliere liebend gern auf dem See, ob die Schiffe versteuert sind oder nicht, da habe ich die Klientel dazu. Ein leeres Schiff im Hafen kontrolliert sich schlecht“, sagt Gerd Steib.

Mit „Buchhorn“ und „Graf Zeppelin“ geht es nicht nur auf Schmugglerjagd

Dass ganze Schiffe auf dem Wasserweg nach Deutschland geschmuggelt und hier am Zoll vorbei zugelassen werden, kommt gar nicht so selten vor. „Das sind horrende Werte“, erklärt Kapitän Steib. Um für Abschreckung zu sorgen, bringt der Wasserzoll seine Boote also sooft wie möglich aufs Wasser. Die Zöllner haben aber auch noch eine ganz andere Aufgabe: Sie sind mit Polizei, Feuerwehr und DLRG ein wichtiger Teil der Seenotrettung und bei Suchketten auf dem Bodensee.

So sieht eine Vollbremsung der „Buchhorn“ auf dem Bodensee aus.
So sieht eine Vollbremsung der „Buchhorn“ auf dem Bodensee aus. | Bild: Andrea Fritz

Manövrierunfähige Motorboote, Surfer in Seenot, gekenterte Segeljollen und nächtliche Kanufahrer im Nebel, das alles und mehr haben die Wasserzöllner schon sicher an Land gebracht. Damit die beiden Zollboote, deren Nachrüstung zusammen knapp eine Million Euro gekostet hat, auch solche Schmuckstücke bleiben, fehlt jetzt nur noch eine neue Halle. Diese macht das Glück der Kontrolleinheit Zollboot dann voraussichtlich 2022 vollkommen.