Pflegeheime können Antigen-Schnelltests nutzen, um Bewohner, Mitarbeiter und Besucher regelmäßig auf das Coronavirus zu testen. Mit ihrer Hilfe sollen Infektionen schneller erkannt werden. Ziel ist, dass sich weniger alte und kranke Mitbürger mit dem Coronavirus anstecken. Ist für sie doch die Gefahr schwerwiegender Folgen einer Infektion am größten.

Aktuell gilt nur die Pflicht, eine FFP2-Maske zu tragen

„Bislang haben 90 Prozent der Bewohner beziehungsweise ihre Angehörigen der Testung zugestimmt“, berichtet Ralf Scharbach, Geschäftsführer des Spitalfonds Markdorf. Jeder Mitarbeiter wird, wie es die Corona-Verordnung verlangt, zwei Mal pro Woche getestet. Für Besucher gilt aktuell nur die Pflicht, im Haus eine FFP2-Maske zu tragen. Darüber hinaus gebe es das Angebot, sich testen zu lassen. „Dafür muss aber im Vorfeld ein Termin vereinbart werden“, so Scharbach. Abgenommen werden die Tests im Freien. Dann dauert es etwa 15 Minuten, bis das Ergebnis abgelesen werden kann.

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Angehörige wollen ihre Lieben nicht in Gefahr bringen

Für Pflegedienstleiterin Heike Knorr ist es wichtig, dass die Bewohner weiterhin Besuch bekommen können. „Telefonate und Besuche am Fenster sind kein vollwertiger Ersatz“, erinnert sie sich an den harten Lockdown im Frühjahr. „Wir Mitarbeiter tun viel, aber wir können die Angehörigen nicht ersetzen.“ Diese wollen ihre Lieben natürlich nicht in Gefahr bringen. „Immer mehr rufen an, um für den Schnelltest einen Termin zu vereinbaren“, sagt Heike Knorr. Nicht zuletzt würden negativ getestete Besucher auch für die Mitarbeiter ein höheres Maß an Sicherheit bedeuten.

Corona-Schnelltests im Pflegeheim St. Franziskus in Markdorf: Altenpfleger Uwe Walter bereitet die Testung einer Mitarbeiterin vor.
Corona-Schnelltests im Pflegeheim St. Franziskus in Markdorf: Altenpfleger Uwe Walter bereitet die Testung einer Mitarbeiterin vor. | Bild: Claudia Wörner

Klar ist, dass mit den Schnelltests ein erhöhter Arbeitsaufwand verbunden ist. Heike Knorr hat ausgerechnet, dass eine 75 Prozent-Stelle nötig wäre, wenn jeder Bewohner, Mitarbeiter und Besucher einmal pro Woche getestet würde. „Die Versorgung unserer Bewohner hat aber nach wie vor höchste Priorität“, betont sie. Aktuell würden die Testungen nebenher laufen. Werde der Aufwand mehr, müsse Personal dafür abgestellt werden. „Aktuell haben wir pro Tag zwischen 14 und 17 Uhr maximal neun Tests von Besuchern, also rund 60 pro Woche“, berichtet die Pflegedienstleiterin.

Heike Knorr, Pflegedienstleiterin im Seniorenheim Franzikus
Heike Knorr, Pflegedienstleiterin im Seniorenheim Franzikus | Bild: Nosswitz, Stefanie

Mehr Sicherheit für die Bewohner

Bewohnerin Franziska Furxer möchte sich demnächst ebenfalls testen lassen. „Ich halte die Schnelltests für eine prima Sache und ich fühle mich dadurch sicherer“, sagt die 78-Jährige. Auch für die Mitarbeiter seien sie eine gute Sache. Sobald wie möglich werde sie sich auch gegen das Corona-Virus impfen lassen. „Das tut nicht weh“, ist sie überzeugt.

Franziska Furxer lebt im Altenpflegeheim St. Franziskus in Markdorf. Sie möchte demnächst einen Corona-Schnelltest machen lassen.
Franziska Furxer lebt im Altenpflegeheim St. Franziskus in Markdorf. Sie möchte demnächst einen Corona-Schnelltest machen lassen. | Bild: Claudia Wörner

An Weihnachten möglichst im Pflegeheim bleiben

Für die Weihnachtsfeiertage wünscht sich Heike Knorr, dass die Bewohner möglichst im Haus bleiben und nicht zu ihren Familien gehen. „Das bringt einfach ein erhöhtes Ansteckungsrisiko mit sich.“ Bewohner, die ihre Angehörigen besuchen, müssten sich nach ihrer Rückkehr getrennt von den anderen Bewohnern aufhalten. Nach fünf Tagen würden sie zum ersten Mal getestet. Dies alles, um andere nicht in Gefahr zu bringen. „Es gibt Senioren, die das ganz bewusst auf sich nehmen, um bei ihren Lieben zu sein“, sagt Knorr. Ein echtes Problem gebe es bei den Bewohnern von Doppelzimmern. „Wir werden im Dialog Lösungen finden, immer mit dem Ziel des bestmöglichen Schutzes für alle“, betont Ralf Scharbach. Die absolute Sicherheit gebe es leider nicht.

Ralf Scharbach, Geschäftsführer des Spitalfonds Markdorf.
Ralf Scharbach, Geschäftsführer des Spitalfonds Markdorf. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Antigen-Schnelltests haben Grenzen

Die Grenzen des Antigen-Schnelltests hat das Haus St. Franziskus jedoch gleich zu Beginn der Testungen hautnah erlebt. Ein Mitarbeiter hatte ein positives Testergebnis. Ein sofortiger zweiter Schnelltest war negativ. „Er ging dann sofort in Quarantäne und wartete das Ergebnis eines verlässlicheren PCR-Tests ab“, berichtet Heike Knorr. Bis dahin sei in Absprache mit dem Gesundheitsamt auch die betroffene Etage der Mitarbeiterin im Haus gesperrt worden. „Glücklicherweise hatte er innerhalb von zwei Tagen ein negatives Testergebnis und wir haben im Haus wieder Normalbetrieb.“

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Haus der Pflege St. Sebastian setzt auf Ehrenamtliche

Am 23. Dezember wird auch das Haus der Pflege St. Sebastian in Wittenhofen mit den Antigen-Schnelltests beginnen. Dafür wurden vier Fachkräfte geschult. Die Weihnachtshütte auf der Terrasse soll für die Testung von Besuchern mit Terminvereinbarung umfunktioniert werden. Mitarbeiter werden zweimal pro Woche getestet. „Zum Schutz in beide Richtungen setzen wir aber auch weiterhin auf FFP2-Masken“, sagt Einrichtungsleiterin Yvonne Denzler.

In diesem Häuschen sollen im Haus St. Sebastian in Wittenhofen ab dem 23. Dezember die Corona-Schnelltests stattfinden. Einrichtungsleiterin Yvonne Denzler (rechts) zeigt der Angehörigen Sabine Fessler schon mal wo es lang geht.
In diesem Häuschen sollen im Haus St. Sebastian in Wittenhofen ab dem 23. Dezember die Corona-Schnelltests stattfinden. Einrichtungsleiterin Yvonne Denzler (rechts) zeigt der Angehörigen Sabine Fessler schon mal wo es lang geht. | Bild: Claudia Wörner

Für das erhöhte Arbeitsaufkommen im Zuge der Schnelltests setzt Yvonne Denzler auf geschulte und mit Schutzausrüstung ausgestattete Ehrenamtliche. „Manpower brauchen wir nicht nur für die Tests selbst, sondern für die Verwaltung der Termine und für die Dokumentation“, erläutert sie. Müsse doch pro Test unter dem Strich mit etwa einer Dreiviertelstunde Arbeitszeit gerechnet werden. Den Test an sich hält die Einrichtungsleiterin für eine gute Sache. Lasse sich doch durch ein positives Ergebnis in den Wohngruppen schnell reagieren. „Aber wir müssen alle Szenarien für uns durchspielen.“

Alles ist besser als ein Besuchsverbot

Die Mutter von Sabine Fessler aus Beuren lebt im Haus der Pflege St. Sebastian. „Um sie besuchen zu können, lasse ich mich natürlich testen“, sagt sie. Bei der Erinnerung an das wochenlange Besuchsverbot im Frühjahr kommen ihr die Tränen. „Das sollte auf jeden Fall verhindert werden. Wir müssen alle vernünftig sein und Kontakte auf das Notwendigste reduzieren“, appelliert Sabine Fessler.

Auch Udo Schlumberger findet den Antigen-Schnelltest gut. „Dafür bin ich sehr zu haben“, so der Friedrichshafener. Seine Frau Gudrun, die im Haus St. Sebastian wohnt, winkt ab. „Ich hatte schon mal einen im Krankenhaus. Das war sehr unangenehm in der Nase.“

Nähe ist auch an Weihnachten möglich: Udo Schlumberger wird seine Frau Gudrun am ersten Weihnachtsfeiertag im Haus der Pflege St. Sebastian in Wittenhofen besuchen, um zu feiern.
Nähe ist auch an Weihnachten möglich: Udo Schlumberger wird seine Frau Gudrun am ersten Weihnachtsfeiertag im Haus der Pflege St. Sebastian in Wittenhofen besuchen, um zu feiern. | Bild: Claudia Wörner

Angehörige erstmals nicht bei der Bescherung dabei

Yvonne Denzlers Tipp ist, die Weihnachtsbesuche der Familienangehörigen im Pflegeheim in diesem Jahr zu splitten und über mehrere Tage zu verteilen. „Aber bitte die Anmeldung nicht vergessen.“ Erstmals seien die Angehörigen nicht bei der Bescherung an Heilig Abend dabei. Gefeiert werde stattdessen getrennt nach Wohngruppe und auch die Andacht finde getrennt und im kleinen Kreis statt. „Ein leckeres Essen lassen wir uns an diesen Tagen aber nicht nehmen“, betont Denzler.

Mit Blick auf die Bewohner, die zu Weihnachten das Haus verlassen wollen, appelliert sie an die Vernunft und erinnert an die damit verbundene Quarantäne bei der Rückkehr: „Ich bin davon überzeugt, dass wir auch im Haus ein schönes Weihnachtsfest haben werden.“