Zentraler könnte das Wahlkampfbüro der Grünen nicht liegen. Direkt am Antoniuseck, ein Steinwurf vom Bodensee entfernt, hat der Kreisverband die leeren Räume gemietet und für die nächsten Wochen zur „Grünen Insel“ gemacht. Vorher hatte hier ein Reisebüro sein Domizil. Für Maria Heubuch beginnt mitten in Friedrichshafen ein beschwerlicher Weg, der sie bis nach Berlin in den Bundestag führen soll, der im September gewählt wird.

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Dass die Bäuerin aus dem Allgäu im Wahlkreis Bodensee das Direktmandat anstrebt, mag eine merkwürdige Konstellation sein. Im Politikbetrieb ist das nichts Ungewöhnliches mehr. Die Leutkircherin hat viel Erfahrung. 2014 wurde sie ins Europaparlament gewählt. Fünf Jahre später konnte sie das Mandat nicht verlängern. Aber Politik will sie weiterhin machen. Nur ist in „ihrem“ Wahlkreis Ravensburg die Position auf dem Wahlzettel bereits mit einer Bundestagsabgeordneten besetzt. Agnieszka Brugger ist schon seit 2009 in Berlin und stellvertretende Fraktionschefin der Grünen – keine Chance. So trat sie im Nachbar-Wahlkreis Bodensee gegen zwei Mitbewerber aus dem Landkreis an und gewann die Abstimmung.

Die Grünen im Bodenseekreis nominierten Maria Heubuch (Mitte) als Kandidatin für die Bundestagswahl 2021. Die Landtagsabgeordneten Martin Hahn aus Überlingen und Andrea Bogner-Unden aus Sigmaringen gratulierten nach der Wahl.
Die Grünen im Bodenseekreis nominierten Maria Heubuch (Mitte) als Kandidatin für die Bundestagswahl 2021. Die Landtagsabgeordneten Martin Hahn aus Überlingen und Andrea Bogner-Unden aus Sigmaringen gratulierten nach der Wahl. | Bild: Claudia Wörner

„Es hat mich gereizt, das in Deutschland umzusetzen, was wir im EU-Parlament für eine gemeinsame Agrarpolitik beschlossen haben. Das ist für mich noch einmal eine Chance“, erklärt die 62-Jährige, warum sie nun das Bundestags-Mandat anstrebt. Dass sie bestens vernetzt ist, beweist ihr Gast beim Pressetermin in der „Grünen Insel“: Franziska Brantner ist Spitzenkandidatin der Grünen in Baden-Württemberg an. Maria Heubuch überlässt der 20 Jahre Jüngeren, die auch schon fast zehn Jahre im Bundestag sitzt, die größeren Redeanteile. Doch als das Gespräch auf das Thema Landwirtschaft kommt, ist sie kaum zu bremsen.

Maria Heubuch ist Bäuerin und seit den 1980er-Jahren für eine grundlegende Reform der Agrarpolitik aktiv.
Maria Heubuch ist Bäuerin und seit den 1980er-Jahren für eine grundlegende Reform der Agrarpolitik aktiv. | Bild: Büro Heubuch

Groß geworden in einer Großfamilie – fünf Brüder, drei Schwestern – in Neuravensburg, heiratet sie 1980 einen Landwirt aus dem Allgäu und wird Bäuerin auf dem Hof mit 30 Hektar Land, was damals noch richtig viel Land war. 1998 wird sie Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, kämpft mehr als ein Jahrzehnt nicht nur gegen Milchquoten und für artgerechte Tierhaltung, sondern für die Interessen der Kleinbauern überhaupt.

Von der Bauern-Funktionärin zur Europaabgeordneten

Der Wechsel der AbL-Funktionärin ins Europaparlament 2014 ist fließend. Kein Wunder, dass auch hier die Agrarpolitik ihr zentrales Thema wird. Hier kennt sie sich aus und fordert die Kehrtwende: Nicht länger die Großen fördern, sondern die klimaverträgliche Landwirtschaft. Wer den Bauern nicht die Chance gebe, ihre Produktion darauf umzustellen, riskiere einen Strukturbruch, der das Höfesterben beschleunigt und Tausende Arbeitsplätze vernichtet. „Aber wir brauchen die Betriebe, um den Artenschutz voranzutreiben“, sagt Maria Heubuch mitten in der Stadt.

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Mit Listenplatz 28 hat die Berufspolitikern allerdings nicht die beste Ausgangsposition für die Reise nach Berlin. Dass dieser Rang „keine sichere Bank“ ist, weiß sie selbst. Sie wolle „das Beste aus der Situation machen“, sagt Maria Heubuch. Bei einer Listenwahl bei den Grünen laufe es eben, wie es läuft. Dass selbst Johannes Kretschmann, der im westlichen Nachbar-Wahlkreis Sigmaringen-Hohenzollern zum grünen Direktkandidaten gekürt wurde, mit Listenplatz 22 noch weiter vorn ist, ärgert die erfahrene Berufspolitikerin überhaupt nicht.

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„Wir sind keine Konkurrenz und machen auch ein Stück weit zusammen Wahlkampf“, sagt sie. Dabei ist der Sohn des Ministerpräsidenten, der seit 2014 im Sigmaringer Kreistag sitzt, im Vergleich zu ihr ein politisches „Greenhorn“. Wie sieht sie also ihre Chancen für ein Mandat in Berlin? „50 zu 50“, sagt sie lächelnd – „für ein Direktmandat im Wahlkreis Bodensee“. Es wäre das erste Mal.