Die einen verziehen das Gesicht, anderen stehen Tränen in den Augen, wieder andere zücken gleich das Taschentuch: Fast im Minutentakt lassen sich Lehrkräfte des Berufsschulzentrums auf das Coronavirus testen. „Das war unangenehm, jetzt weiß ich, warum man besser ein Tempo mitbringt“, stellt ein Lehrer danach fest. „Es ist nicht so schlimm wie der PCR-Test im Krankenhaus“, sagt seine Kollegin. Eine andere stimmt zu: „Ich weiß nicht, warum das viele so schlimm finden. Aber mir ist jetzt klar, warum man die Tests nicht selbst machen sollte.“

Seit 7 Uhr steht Andreas Kirsner, Inhaber einer Corona-Schwerpunktpraxis, in blauer Schutzkleidung, Handschuhen, Maske und Visier bei weit geöffnetem Fenster in einem Zimmer im ersten Stock. Seit wieder Präsenzunterricht stattfindet, testen die Mitarbeiter seiner Praxis das Personal verschiedener Schulen vor Unterrichtsbeginn per Antigen-Schnelltest. Montag und Donnerstag ist Kirsner in der Claude-Dornier-Schule.

Ein Zimmer im ersten Stock wird für eine Stunde zur Teststation.
Ein Zimmer im ersten Stock wird für eine Stunde zur Teststation. | Bild: Corinna Raupach

Als erstes betritt der stellvertretende Schulleiter Daniel Grupp den Raum, zeigt seinen Berechtigungsschein vor und trägt sich in eine Liste ein. Kirsner erklärt: „Ich führe jetzt dieses Stäbchen für zehn Sekunden in Ihre Nase ein – ich zähle mit.“ Grupp nimmt die Maske ab, hält still und kneift die Augen zusammen.

Ein solches Wattestäbchen wird durch die Nase bis in den Rachen geschoben.
Ein solches Wattestäbchen wird durch die Nase bis in den Rachen geschoben. | Bild: Corinna Raupach

Nach zehn Sekunden zieht der Arzt das Stäbchen heraus und dreht es ein paar Mal in einer kleinen Phiole. Die Lösung tropft er auf das Testfeld, den Test bekommt Grupp in die Hand. „Das halten Sie bitte waagerecht, in einer Viertelstunde sehen Sie das Ergebnis“, sagt Kirsner.

Die Lösung wird auf das Testfeld aufgetragen.
Die Lösung wird auf das Testfeld aufgetragen. | Bild: Corinna Raupach

Daniel Grupp hat die ausgehängten Infozettel bereits gelesen: „Der Teststreifen muss etwas anzeigen, der andere besser nicht?“, vergewissert er sich. Kirsner bestätigt und fragt, ob er gegebenenfalls seine Lehrerkollegen unterstützen würde. „Die Zeit nehme ich mir“, antwortet Grupp.

Eine Viertelstunde muss Daniel Grupp seinen Test waagerecht lagern, dann kann er das Ergebnis ablesen.
Eine Viertelstunde muss Daniel Grupp seinen Test waagerecht lagern, dann kann er das Ergebnis ablesen. | Bild: Corinna Raupach

Auch das Interesse am Thema Impfen ist groß

Vor der Tür warten die nächsten. Einige nutzen den Kontakt mit dem Arzt für Fragen rund ums Impfen. „Ich habe am Samstag einen Impftermin – soll ich trotzdem nächste Woche zum Testen kommen?“, fragt einer. „Ja, nach der ersten Impfung ist der volle Impfschutz noch nicht gewährleistet. Sie könnten sich trotzdem infizieren. Sie würden nicht krank, könnten das Virus aber für zwei oder drei Tage übertragen“, antwortet Kirsner. „Kann ich meinen Impfschutz auch prüfen lassen?“, will der Lehrer wissen. „Das können Sie, wir haben in unserer Praxis Tests auf Antikörper. Die müssen sie aber selbst zahlen.“

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Immer wieder werden Fragen nach dem Impfstoff von Astra-Zeneca laut, den die Lehrer bekommen. „Den können wir bedenkenlos empfehlen. Das ist ein guter Impfstoff“, sagt Kirsner. Vor allem komme es jetzt darauf an, so viele Menschen wie möglich zu impfen, um ein breite Schutzwirkung zu erzielen.

Praxis-Team hat inzwischen viel Test-Erfahrung

Um 8 Uhr packt Kirsner zusammen – fast 40 Personen hat er getestet, alle negativ. „Mich freut die positive Resonanz hier“, sagt er. Nur mit vielen Tests sei es möglich, Infektionsketten frühzeitig zu unterbrechen. Das Testen an Schulen und Kindergärten ist ihm auch ein persönliches Anliegen. „Wir haben vier Kinder, davon zwei schulpflichtig und eins im Kindergarten – wir sehen, was ihnen alles gefehlt hat. Es wäre schlimm, wenn wir wegen steigender Zahlen Schulen und Kindergärten in ein paar Wochen wieder schließen müssten“, sagt er.

Seine Mitarbeiter seien sofort bereit gewesen, zu diesem Zweck früher aufzustehen: „Mein Team ist jung und flexibel, wir haben alle Kinder.“ Zudem hätten sie in den vergangenen Monaten viel Erfahrung gesammelt. „In unserer Praxis haben wir eine Teststraße aufgebaut, mit eigenem Eingang und spezieller Lüftung. Aber in den letzten Wochen kommen kaum noch symptomatische Patienten zum Testen. Daher haben wir freie Kapazitäten“, sagt er. Eine Leerstelle sieht er noch: die Schüler. Um auch sie flächendeckend testen zu können, hofft er auf Selbsttests zum Gurgeln: „Ein Stäbchentest muss richtig gemacht werden, sonst ist er nicht präzise. Bei Gurgeltests kann man nicht so viel falsch machen.“

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„Dann wird wenigstens von uns Lehrern nichts eingetragen“

Auch Schulleiter Stefan Oesterle lässt sich testen, schon zum zweiten Mal. Er war gleich am Montag dabei. „Das gibt mir und den Kollegen einfach mehr Ruhe und Sicherheit, man steht mit einem guten Gewissen vor der Klasse“, sagt er. Auch um Hotspots an Schulen zu vermeiden, hat er sich für das Angebot regelmäßiger Tests entschieden. „Dann wird wenigstens von uns Lehrern nichts eingetragen.“ Der Raum an der Claude-Dornier-Schule sei für alle Lehrkräfte des Berufsschulzentrums gut zu erreichen. Eine Anmeldeplattform auf der Homepage der Berufsschulen garantiere, dass Testwillige nicht lange warten müssen.

Um die Schüler zu schützen, setzt die Schule auf halbierte Klassen, viel frische Luft, Abstand und Mund-Nasen-Schutz. „Wir können aber nicht verhindern, dass sie sich draußen umarmen und im ÖPNV dicht zusammensitzen“, gibt Oesterle zu bedenken. Mit seinen Kollegen denkt er daher darüber nach, Unterrichtszeiten zu entzerren.