Auf dem Wilhelmplatz in Friedrichshafen sammelt sich eine kleine Gruppe junger Menschen. Es sind die Friedrichshafener Aktiven von Fridays for Future Bodensee, die hier zwei große Banner ausrollen. Dabei ziehen sie bereits erste irritierte Blicke auf sich. Als der Schriftzug auf dem einen Banner lesbar wird – „Vergesst nicht die Klimakrise „ – ruft eine ältere Frau mit Fahrrad ihnen zu: „Das müssen Sie unseren Politikern sagen!“ Genauso schnell, wie sie gekommen ist, geht sie auch schon wieder.

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Appell sich gut zu informieren

Die wenigsten Passanten sind an diesem Nachmittag bereit, sich mit dem Thema Klimawandel zu befassen. Bereits im Vorfeld waren fünf Fridays for Future-Aktive in der Innenstadt unterwegs mit der Idee, Menschen zu dem an diesem Tag verabschiedeten Kohleausstiegsgesetz zu interviewen. Die Resonanz ist dürftig. „Viele wussten gar nicht, worum es bei dem Gesetz geht“, schildert Madlen Beck. Die 19-Jährige ist frustriert: „Wir dürfen bei all den Corona-Schlagzeilen nicht vergessen, dass der Klimawandel nicht einfach Pause macht.“ Sie sei zwar nicht erschrocken darüber, dass so wenige Menschen Bescheid wüssten. Dennoch appelliert sie an alle, sich über die Thematik gut zu informieren: „Es sterben Hunderttausende an den Folgen des Klimawandels. Das passiert jetzt, nicht irgendwann in ferner Zukunft.“ Auch die 18-jährige Anja Boos hat Interviews geführt und musste ein ähnlich ernüchterndes Fazit ziehen: „Viele versuchen, das Thema aus ihrem Alltag fernzuhalten.“

„Rauf mit dem Klimaschutz!“, ertönt es durch die Häfler Fußgängerzone gefolgt von einem „Runter mit der Kohle!“ Dennoch bleiben nur wenige Passanten stehen.
„Rauf mit dem Klimaschutz!“, ertönt es durch die Häfler Fußgängerzone gefolgt von einem „Runter mit der Kohle!“ Dennoch bleiben nur wenige Passanten stehen. | Bild: Lena Reiner

Umso motivierter erklingt der Sprechchor der Gruppe durch die Innenstadt. Immerhin jetzt halten kurzzeitig ein paar Passanten inne. Die Aktivisten fordern einen Kohleausstieg, nur nicht erst 2038, wie das Gesetz vorsieht, sondern sofort – oder spätestens 2030.

Madlen Beck (rechts) hält eine kurze Ansprache, Anja Boos (links, sitzend) unterstützt den Sprechchor.
Madlen Beck (rechts) hält eine kurze Ansprache, Anja Boos (links, sitzend) unterstützt den Sprechchor. | Bild: Lena Reiner

Urlauber wenig Interesse am Gespräch

Eine kleine Mahnwache um mit den Menschen über das Kohleausstiegsgesetz zu reden, organisierten auch drei Schüler des Fridays for Future-Teams in Überlingen. Der zuerst gewählte Standort am Landungsplatz hat sich dabei als ungeeignet erwiesen. Hauptsächlich von Touristen frequentiert, hatte kaum ein Urlauber Interesse an einem politischen Gespräch. Erfolgreicher war das Organisatorenteam bestehend aus Ananda Klaar, Blanda Stangl und Karol Roller auf der Hofstatt. Wobei sie viele negative Kommentare zu hören bekamen wie: „Hauptsache ihr habt Handys“ oder „Was soll der Quatsch, ihr habt doch gar keine Kohle hier“, was ein vorbeigehender Tourist mit eindeutig ostdeutschen Dialekt den Schülern an den Kopf warf, ohne stehen zu bleiben und sich auf ein konstruktives Gespräch einzulassen.

Wenige nehmen sich Zeit für ein Gespräch

Nur wenige Passanten in Überlingen haben sich wie Ines Klingenstein (links) die Zeit genommen mit den Jugendlichen – hier mit Ananda Klaar – zu diskutieren.
Nur wenige Passanten in Überlingen haben sich wie Ines Klingenstein (links) die Zeit genommen mit den Jugendlichen – hier mit Ananda Klaar – zu diskutieren. | Bild: Lorna Komm

Nur wenige Passanten nahmen sich wie Ines Klingenstein die Zeit, inhaltlich mit den Jugendlichen zu diskutieren. Klingenstein, die selber in den 68-ern auf der Hofstatt gegen den Vietnamkrieg protestiert hat, findet es wichtig, seine Meinung zu äußern. „Politische Aktionen sind eine Sache junger Menschen, die sind aufmüpfiger“, meinte die Überlingerin. „Es ist wichtig für ganz Deutschland, sogar für den ganzen Planeten darauf aufmerksam zu machen, was da heute verabschiedet wurde“, meinte eine andere Überlingerin, die ihren Namen nicht nennen wollte. „Es ist erstaunlich, wie viel Geld immer noch in klimaschädliche Energien gepumpt wird. Es ist gut, dass ihr dagegen aktiv“, meinte ein Bremer Urlauber. Am Ende hat sich doch gelohnt, mit den Menschen das Gespräch zu suchen“, meinte Mitorganisator Roller, „die große Demo ist ja nächste Woche.“

Eine kleine Mahnwache, um mit den Menschen über das Kohleausstiegsgesetz zu reden, organisierten Blanda Stangl, Ananda Klaar und Karol Roller vom Überlinger Organisationsteam Fridays for Future.
Eine kleine Mahnwache, um mit den Menschen über das Kohleausstiegsgesetz zu reden, organisierten Blanda Stangl, Ananda Klaar und Karol Roller vom Überlinger Organisationsteam Fridays for Future. | Bild: Lorna Komm