Der Kurort im Linzgau gilt als relativ schneesicher und viele Menschen aus der gesamten Region kommen gerne hierher, um Wintersport zu betreiben. Doch derzeit gibt es Einschränkungen: Der Haldenlift im Ortsteil Betenbrunn bleibt wegen Corona die komplette Saison außer Betrieb und die beliebten Loipen rund um Heiligenberg werden derzeit nicht maschinell gespurt. Die Gemeindeverwaltung sprach ein Verbot aus.

Das ist erlaubt: Langlauf tagsüber alleine, wenn die entsprechenden Regeln eingehalten werden, geht in Ordnung – so wie es der langlaufbegeisterte Joachim Maurer hier vorführt.
Das ist erlaubt: Langlauf tagsüber alleine, wenn die entsprechenden Regeln eingehalten werden, geht in Ordnung – so wie es der langlaufbegeisterte Joachim Maurer hier vorführt. | Bild: privat

Bürgermeister Frank Amann hatte entsprechend der gültigen Corona-Verordnung entschieden, dass die Loipen vorerst nicht gespurt werden. Langlauf selbst sei nicht untersagt, führen die Kritiker ins Feld. Denn würden die entsprechenden Regeln eingehalten, ist tagsüber Sport im Freien erlaubt.

„Präparierte Loipen ziehen Menschen an“

Dass für den Menschen gerade in Zeiten mit Homeoffice, Kinderbetreuung und Kontaktbeschränkungen Sport an der frischen Luft ein guter Ausgleich ist, dafür hat der Bürgermeister Verständnis. Aber: Die Parkplatzsituation, die beschränkten Zufahrtswege und auch die Erfahrungen in den Wochen vor Weihnachten mit einem Nebelmeer drunten über dem Bodensee und Sonnenschein oben auf dem Heiligenberg hätten zu der Entscheidung geführt, die Loipen derzeit nicht zu pflegen. „Präparierte Loipen ziehen Menschen an“, sagt Amann und weist darauf hin, dass die Gemeinde die Überwachung der Abstände auf dem Loipennetz personell nicht leisten könne.

„Wir können den Nutzern der Loipe keine Sicherheit im Sinne der Verordnung geben und wir wollen unsere Krankenhäuser nicht durch zusätzliche Verletzungen und Unfälle belasten“, erklärt Bürgermeister Frank Amann, weshalb die Gemeinde derzeit das Spuren der Loipen untersagt hat.
„Wir können den Nutzern der Loipe keine Sicherheit im Sinne der Verordnung geben und wir wollen unsere Krankenhäuser nicht durch zusätzliche Verletzungen und Unfälle belasten“, erklärt Bürgermeister Frank Amann, weshalb die Gemeinde derzeit das Spuren der Loipen untersagt hat. | Bild: Stefan Hilser

„Wir können den Nutzern der Loipe keine Sicherheit im Sinne der Verordnung geben und wir wollen unsere Krankenhäuser nicht durch zusätzliche Verletzungen und Unfälle belasten. Die Mitarbeiter dort haben schon genug zu tun“, macht der Bürgermeister deutlich. Da die Gemeinde keinen Ordnungsdienst hat, könnten auch die Parkflächen nicht auf Einhaltung der Corona-Verordnungen überwacht werden. Man wolle Heiligenberg mit präparierten Loipen nicht zu einem touristischen Hotspot machen. Amann: „Das waren wir erfreulicherweise bei entsprechender Schneelage schon lange vor Corona.“

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Seit Jahren schon ist Heiligenberg ein beliebtes Ziel für Liebhaber nordischen Skivgernügens. Auf den Loipen herrschte regelmäßig Gedränke. Wie Mitte Feburar 2013.
Seit Jahren schon ist Heiligenberg ein beliebtes Ziel für Liebhaber nordischen Skivgernügens. Auf den Loipen herrschte regelmäßig Gedränke. Wie Mitte Feburar 2013. | Bild: Bernhard Conrads

Früher kam auch Joachim Maurer aus Frickingen immer gerne, um auf gespurter Strecke seine Runden zu laufen. Dass das jetzt nicht mehr gehen soll, das wurmt den 60-Jährigen mächtig. „Ich bin richtig traurig“, stellt er im Telefonat mit dem SÜDKURIER fest. Er hält die Regelung für übertrieben. Der Corona-7-Tage-Inzidenzwert sei doch auch ein wetterabhängiger Wert und steige in diesem Winter von Tag zu Tag, weil geschätzte drei Millionen Menschen keiner Arbeit oder Aufgabe mehr nachgehen könnten und Zeit hätten, sich auch unter der Woche privat zu treffen. „Ein Großteil der Bevölkerung wird aber gerade im privaten Bereich angesteckt, weil die Menschen sich da sicher fühlen“, vermutet Maurer, der im Sport an der frischen Luft die bessere Alternative sieht.

„In der freien Natur bei der Einhaltung der AHA-Regeln ist man zu fast 100 Prozent sicher vor jeglicher Ansteckung“, meint Joachim Maurer.
„In der freien Natur bei der Einhaltung der AHA-Regeln ist man zu fast 100 Prozent sicher vor jeglicher Ansteckung“, meint Joachim Maurer. | Bild: privat

„In jedem öffentlichen Verkehrsmittel
ist das Ansteckungsrisiko größer“

Die Freizeitangebote für die Masse der Bevölkerung müssten deshalb gefördert und nicht verhindert werden. „In der freien Natur bei der Einhaltung der AHA -Regeln ist man zu fast 100 Prozent sicher vor jeglicher Ansteckung“, meint Maurer, „in jedem öffentlichen Verkehrsmittel ist das Ansteckungsrisiko um ein Vielfaches höher“. Der Loipenfan fügt hinzu: „Die Inzidenz-Werte sind im Sommer gefallen, weil die Menschen sich an der frischen Luft aufgehalten haben.“

Ohne vorgespurte Loipe macht Langlauf deutlich weniger Spaß und ist anstrengender. So mancher Langlauffan, wie dieser vor wenigen Tagen fotografierte, sind dennoch zufrieden und genießen einsam die Heiligenberger Höhenluft.
Ohne vorgespurte Loipe macht Langlauf deutlich weniger Spaß und ist anstrengender. So mancher Langlauffan, wie dieser vor wenigen Tagen fotografierte, sind dennoch zufrieden und genießen einsam die Heiligenberger Höhenluft. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Bei Schneetreiben eigene Loipen gezogen

Also hat Joachim Maurer selbst die Initiative ergriffen und kurzerhand nach Einbruch der Dunkelheit zusammen mit zwei weiteren Langlauffans bei Schneetreiben mit den Skiern die Loipen gezogen. Zur bessere Sicht habe man Stirnlampen dabeigehabt. Tags darauf hätten sich sehr viele Menschen über diese Initiative gefreut. Bei der derzeitigen Schneelage könne man in Heiligenberg super laufen. Je mehr Loipen es gebe, desto geringer sei doch das Infektionsrisiko. „Die Parkplätze sind begrenzt, also vor was hat Heiligenberg Angst?“ fragt Maurer und macht deutlich, dass er die Entscheidung der Gemeindeverwaltung nicht nachvollziehen kann.

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„Auf der Piste ist man oft alleine“

Maurer ist eigener Aussage nach fast jeden Tag in Heiligenberg beim Langlaufen und beobachtet die Menschen. Seine Erfahrung: „Auf der Loipe ist man oft ganz alleine unterwegs und die Menschen verhalten sich alle vorbildlich. Heiligenberg sollte bezüglich Langlaufloipen mal einen Blick auf den Heuberg werfen. Private Investoren schaffen da beste Verhältnisse.“ Am vergangenen Samstag hätten dort Schneemobilfahrer nachmittags im Abstand von drei bis vier Metern eine neue Spur gezogen. Diesen Herren möchte Maurer danken und sie gerne zu einer Talkrunde mit Glühwein und Bratwurst an seine Feuerschale in Frickingen einladen. „Und ihm für das verfahrene Benzin einen Geschenkgutschein im Wert von 50 Euro schenken“, spricht Joachim Maurer für diese Akteure eine öffentliche Einladung aus.

„Wir sind ganz heiß“, sagt Volker Huber vom Loipenteam. Sobald es wieder erlaubt ist, würde man sofort mit dem Spuren beginnen, sagt er.
„Wir sind ganz heiß“, sagt Volker Huber vom Loipenteam. Sobald es wieder erlaubt ist, würde man sofort mit dem Spuren beginnen, sagt er. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Erst nach Amanns Okay spurt das Team wieder

Volker Huber und sein Heiligenberger Team hätten ja nicht spuren dürfen, meint Maurer. Volker Huber hat da eine eindeutige Meinung dazu: „Solange wir nicht dürfen, bleibt das Spurgerät stehen. Wenn der Bürgermeister wieder das Okay gibt, dann starten wir sofort. Sogar mitten in der Nacht, wenn es sein muss.“ Letzteres würde aber voraussetzen, dass es kein Ausgangsverbot mehr ab 20 Uhr gibt. Das gilt auch für sportliche Aktivitäten und kann bei Nichtbeachtung ein Bußgeld nach sich ziehen. Dafür wäre dann das Landratsamt zuständig, wie dessen Sprecher Robert Schwarz bestätigt. „Der Impuls dazu und die sachliche Bewertung muss durch die Ortspolizeibehörde kommen“, stellt er fest. Man bitte in entsprechenden Fällen die Gemeinde um eine Stellungnahme. Erst danach könne man einen Fall bewerten.

Auch nachts sind laut Mauer Leute unterwegs

Joachim Maurer hat sich wohl an die Ausgangssperre gehalten, als er nach Einbruch der Dunkelheit gespurt hat. Es seien aber noch mehr Leute nachts unterwegs, hat Volker Huber erfahren. Denn mittlerweile gibt es mehrere Spuren, die nicht maschinell gemacht wurden. Die sind allerdings oft deutlich näher beieinander als die vom Loipenteam maschinell gespurten Strecken. Da hatte man auf großen Abstand geachtet, der zudem noch durch eine Skaterstrecke zwischen den beiden Spuren verstärkt wurde.

Neben dem großen Parkplatz in Heiligenberg findet man einen Loipenplan. Inklusive dem Hinweis, dass wegen Corona derzeit nicht gespurt wird.
Neben dem großen Parkplatz in Heiligenberg findet man einen Loipenplan. Inklusive dem Hinweis, dass wegen Corona derzeit nicht gespurt wird. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Im Gespräch mit Langläufern wird schnell deutlich, dass man von der Regelung der Gemeinde nicht begeistert ist, aber man trotzdem seinem Vergnügen nachkommen könne. Wobei vor allem ältere Langläufer daran erinnern, dass man früher ja auch nicht maschinell gespurt habe. Sportliche Akteure hätten aber lieber eine präparierte Spur, weil man da auch vom Tempo her mehr Möglichkeiten habe. Bei einem Spontanbesuch auf den Parkplätzen beim Rathaus und beim Sportheim trug übrigens kaum jemand eine Maske. Aber man bemühte sich um das Einhalten von Abständen.