Am Donnerstag, 5. Mai, springt die traurigste Kennzahl in der Corona-Statistik des Landesgesundheitsamts abrupt nach oben. Waren am Mittwoch, 4. Mai, noch 313 Tote im Bodenseekreis gemeldet, sind es am Donnerstag bereits 324, die seit Pandemiebeginn im März 2020 an oder mit Corona gestorben sind. Macht elf Verstorbene binnen 24 Stunden. Eine sehr hohe Zahl angesichts der Tatsache, dass in anderen Landkreisen mit vergleichbarer Sieben-Tage-Inzidenz (Bodenseekreis: 486) maximal drei, vier Tote an diesem Tag gemeldet werden.

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Entscheidend ist der Tag der Meldung

Was ist die Ursache für die vielen Todesfälle? „Es gibt keinen Hinweis auf eine Häufung durch ein bestimmtes Ereignis, beispielsweise in einem Pflegeheim“, erklärt Landkreissprecher Robert Schwarz mit Blick auf die Statistik. Er räumt mit einem Trugschluss auf: „Diese Zahl bedeutet nicht, dass so viele Menschen an einem Tag gestorben sind.“ Das Todesdatum der Person spiele dabei keine Rolle, sondern allein der Tag, an dem die Meldung beim Gesundheitsamt einging und erfasst wurde. Das heißt: Es vergehen oft mehrere Tage, bis ein Mensch nach seinem Tod auch wirklich als Zahl in der Corona-Statistik auftaucht. Der berühmte Meldeverzug also. Bedingt durch Wochenenden, Feiertage, aber auch unterschiedliche Sterbesituationen werden die Daten also stark verzerrt. „So kann es sein, dass an einem Tag besonders viele Tote gemeldet werden, am anderen kaum einer“, so Schwarz.

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Sind all diese Menschen an Corona gestorben? Hier ist eine Antwort deutlich schwieriger, denn so genau weiß das niemand. Stirbt ein Mensch und hat zu seinem Todeszeitpunkt ein positives Testergebnis, gilt er in der Regel als Corona-Toter. „Wenn es zum Beispiel einen Autounfall gab und der Fahrer stirbt mit Infektion, dann zählt das allerdings nicht, da ja augenscheinlich klar ist, dass er aufgrund des Unfalls gestorben ist“, erläutert Schwarz. Das heißt im Umkehrschluss allerdings nicht, dass alle Corona-Toten auch ursächlich an Corona verstorben sind. „Es gibt ja keine Obduktionen“, so Schwarz.