Keine Mitstreiter fand die Fraktion von Bündnis 90/Grüne im Kreistag des Bodenseekreises für ihren Antrag, bei der Planung der B 31 zwischen Immenstaad und Meersburg noch die zweite Trassenvariante AB1 im Rennen zu lassen und sich mit einem dreistreifigen Ausbau zu begnügen. Gegen deren Stimmen und bei zwei Enthaltungen bekannte sich das Gremium zu der von den Planern favorisierten B1-Trasse. „Es wäre um jeden Quadratmeter schade, wenn wir eine Straße bauen, die nicht leistungsfähig ist“, hatte Landrat Lothar Wölfle dem Antrag entgegen gehalten.

Wölfle: „Jetzt geht es an die konkrete Planung“

Nachdem Tobias Gähr vom Straßenbauamt den Prozess zur Trassenfindung rekapituliert hatte, verglich Wölfle die Situation mit dem Entwurf des Architekten für ein Haus. „Jetzt geht es an die konkrete Planung“, sagte Wölfle. Dabei gelte es, noch Optimierungswünsche der Region einzubringen. Es gebe noch offene Fragen, die im weiteren Planungsprozess beantwortet werden müssten. „Wenn wir eine Einigkeit in der Region hinkriegen, dann haben wir eine Chance, die Entlastung zu bekommen“, wünschte sich Wölfle eine breite Zustimmung zum Beschlussvorschlag. Den wollte Immenstaads Bürgermeister Johannes Henne (CDU) noch klarer formuliert wissen, wünschte sich statt einer „Befürwortung“ ein „Bekenntnis“ zu vier Fahrstreifen und die „Forderung“ nach einer Optimierung, unter anderem mit Verzicht auf Standstreifen und eventuell Mittelstreifen.

Abwägung von Umwelt und Naturschutz, Wirtschaftlichkeit und künftiger Verkehrsentwicklung

Erfreuliche nannte Johannes Henne (CDU) die „noch nie dagewesene Transparenz und Beteiligung“ sehr vieler Akteure. „Sodass es dem einen oder anderen fast schon wieder schwindlig wurde“, sagte er. Unbestritten sei für seine Fraktion, dass die Vorzugstrasse bei der Abwägung von Umwelt und Naturschutz, Wirtschaftlichkeit und künftiger Verkehrsentwicklung „die größtmögliche Schnittmenge aller Interessen“ besitze.

Bild: Schönlein, Ute

Als „leistungsfähigen Kompromiss für die Region“ bezeichnete auch Meersburgs Bürgermeister Robert Scherer (FWV) die Trasse B1. Wenn man auf die Standstreifen verzichte, könne der Querschnitt von 28 Metern auf 21 Meter reduziert werden. Mit dieser und anderen Forderungen hätten Bürgermeister, Landrat und Regionalverband „ein starkes Signal der Einigkeit“ gesendet, betonte Scherer. Eine vierspurige Trasse ohne Standstreifen könne auch Kosten einsparen, die für den Schutz der Natur, der Landschaft und der Bürger über das gesetzliche Maß hinaus eingesetzt werden müssten.

„Wir stehen zu einer leistungsfähigen Bündelungstrasse“, schickte Helmut Faden (Bündnis 90/Grüne) vorweg. Auch sei der Planungsprozess „mit beispielhafter Transparenz, hoher Qualität und Sorgfalt der Fachplaner“ erfolgt. Nicht mittragen könne seine Fraktion jedoch die Festlegung auf die Vorzugstrasse B1. Daher stelle sie ihren Antrag und fordere eine „gleichwertige Untersuchung“ der beiden Varianten B1 und AB1 in der nächsten Planungsstufe, da B1 einseitig voll zu Lasten des Natur- und Landschaftsschutzes gehe.

SPD will Begrenzung auf 100 km/h

Eine Dreistreifigkeit erfülle „schon jetzt die bestehenden Aufgaben nicht“, hielt Norbert Zeller (SPD) entgegen. Daran werde auch die E-Mobilität nichts ändern. Daher spreche sich seine Fraktion für die Vierstreifigkeit aus, bei einem auf 21 Meter verringerten Querschnitt mit Ausweichstellen und einer Begrenzung auf 100 km/h. In der Tat sei eine „neue Mobilitätskultur“ dringend erforderlich, mit besserem ÖPNV und besseren Radwegen. Man müsse sich verwundert die Augen reiben, wenn für 11,6 Kilometer Straße 279 Millionen Euro eingesetzt würden, und es nicht gelinge, die Bodenseegürtelbahn zweigleisig auszubauen.

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Die Chance zügig nutzen wolle auch die AfD, erklärte deren Sprecher Christoph Högel. Die Verkehrsinfrastruktur sei in der ländlichen Region sehr wichtig, sagte Högel und plädierte für ein „lösungsorientiertes“ Vorgehen. „Licht am Ende des Tunnels“ erkannte auch Hans-Peter Wetzel (FDP), der die Planung der Vorzugstrasse als „gelungen und gut abgewogen“ bezeichnete. Durch große Entschlossenheit gelte es zu zeigen, dass die Schließung dieser Lücke „für uns lebenswichtig ist“. Weitere Verzögerungen gefährdeten möglicherweise das Projekt als Ganzes. „Vielleicht gibt es dann kein Geld mehr für den Bau“, sagte Wetzel: „Wir sind es den Menschen im Bodenseekreis schuldig.“