Felice Baur ist die Letzte. Sie bekommt die 105 884. Impfung gegen das Coronavirus im Kreisimpfzentrum (KIZ) Bodenseekreis. Danach schließt das Zentrum nach etwa acht Monaten Betrieb – und aus der Messehalle A2 in Friedrichshafen wird wieder eine Messehalle.

Bislang wollte sich Felice Baur noch nicht impfen lassen, erklärt die 19-Jährige. „Mittlerweile ist der Druck durch die Politik aber so groß, also habe ich mich doch dafür entschieden“, sagt sie. Mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson wird Baur nur einmal geimpft und hat damit den kompletten Impfschutz.

Felice Baur ist die letzte Patientin, die im Kreisimpfzentrum in der Messe Friedrichshafen von Krankenschwester Christiane Ausborm gegen das Coronavirus geimpft wird.
Felice Baur ist die letzte Patientin, die im Kreisimpfzentrum in der Messe Friedrichshafen von Krankenschwester Christiane Ausborm gegen das Coronavirus geimpft wird. | Bild: Mona Lippisch

So wie die junge Frau wurden seit dem Betriebsbeginn am 22. Januar zahlreiche Menschen im KIZ geimpft, was die Anzahl von mehr als 100 000 Impfdosen belegt. Es gab Erstimpfungen, Zweitimpfungen – und zuletzt auch mehr als 300 Auffrischimpfungen für Menschen über 80 Jahren und Risikogruppen.

„Die Bilanz ist toll, wir konnten unseren Teil dazu beitragen, die Impfquote zu steigern“, resümiert Christoph Keckeisen, Erster Landesbeamter des Landratsamtes Bodenseekreis. Auch KIZ-Leiter Michael Fischer ist zufrieden mit den vergangenen Monaten. „Viele Menschen haben sich persönlich bei uns bedankt, das ist natürlich ein schönes Gefühl“, sagt er.

Christoph Keckeisen, Erster Landesbeamter Landratsamt Bodenseekreis: „Es ist eine tolle Bilanz, wir konnten unseren Teil dazu beitragen, die Impfquote zu steigern.“
Christoph Keckeisen, Erster Landesbeamter Landratsamt Bodenseekreis: „Es ist eine tolle Bilanz, wir konnten unseren Teil dazu beitragen, die Impfquote zu steigern.“ | Bild: Mona Lippisch

Während im Sommer noch auf Hochtouren geimpft wurde, habe die Nachfrage dann vermehrt nachgelassen. „Wir konnten von der Doppelschicht wieder auf eine einfache Schicht umstellen“, erklärt Fischer und ergänzt: „Die Regeln der Politik haben aber auch dazu beigetragen, dass es in den letzten Wochen noch etwas Zulauf gab.“ Michael Fischer und auch Christoph Keckeisen richten ihren Dank an die etwa 650 Helfer, die in den vergangenen acht Monaten alles für einen reibungslosen Ablauf der Impfungen in der Messehalle gegeben haben.

Matthias Köhler von der Messe Friedrichshafen beginnt mit den Aufräumarbeiten in der Messehalle A2. Schon nächstes Wochenende findet dort die „Fakuma“ statt.
Matthias Köhler von der Messe Friedrichshafen beginnt mit den Aufräumarbeiten in der Messehalle A2. Schon nächstes Wochenende findet dort die „Fakuma“ statt. | Bild: Mona Lippisch

Einer der Helfer ist Harald Hinderberger. Der 65-Jährige gibt zu: „Ich werde die Arbeit hier ganz schön vermissen – und besonders meine netten Kollegen.“ Der Rentner arbeitete von April bis Ende September im Impfzentrum. Seine Aufgabe war es, die Impflinge im Eingangsbereich zu registrieren – dafür nahm er mehrmals pro Woche den etwa einstündigen Weg von seinem Wohnort Kißlegg bis zur Messe Friedrichshafen auf sich.

Harald Hinderberger, Helfer im Kreisimpfzentrum: „Ich werde die Arbeit hier ganz schön vermissen – und besonders meine netten Kollegen.“
Harald Hinderberger, Helfer im Kreisimpfzentrum: „Ich werde die Arbeit hier ganz schön vermissen – und besonders meine netten Kollegen.“ | Bild: Mona Lippisch

„Es hat einfach Spaß gemacht, der Umgang mit den Menschen aus allen Altersklassen“, sagt Hinderberger und lächelt. Nur wenige der vielen Impflinge seien unfreundlich gewesen, die meisten blieben dem 65-Jährigen als „sehr nett“ in Erinnerung. Was der Rentner nun mit seiner neu gewonnenen Freizeit anstellt, weiß er noch nicht genau. Langweilig werde ihm aber nicht werden, denn: „Ich habe ja noch meine Frau und einen Hund.“

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Helfer Michael Friedrich wird die Arbeit vermissen

Auch der 63-jährige Michael Friedrich verbrachte in den vergangenen Monaten viel Zeit im KIZ. Er war für die nachträgliche Beobachtung der frisch Geimpften zuständig. „Bei mir ist während der ganzen Zeit niemand auf den Boden gefallen“, sagt Friedrich sichtlich stolz. Aber aufgefangen habe er einige.

Michael Friedrich, Helfer im Kreisimpfzentrum: „Besonders junge Männer, die sich nichts anmerken lassen wollen, sind oft umgeklappt.“
Michael Friedrich, Helfer im Kreisimpfzentrum: „Besonders junge Männer, die sich nichts anmerken lassen wollen, sind oft umgeklappt.“ | Bild: Mona Lippisch

„Besonders junge Männer, die sich nichts anmerken lassen wollen, sind nach der Spritze oft umgeklappt“, berichtet der Rentner. „Manchmal waren es zehn bis 15 Leute in einer Schicht.“ Friedrich habe die Patienten dann zu einer Liegestation gebracht und darauf geachtet, dass sie sich dort noch mindestens 30 Minuten ausruhen, bevor sie ihren Heimweg antreten.

Video: Mona Lippisch

Kreisimpfzentrum schließt, Impfungen gehen weiter

Während die Arbeit für die Helfer im KIZ Ende September nach circa acht Monaten endet, gehen die Impfungen weiter – bei Hausärzten, in Schwerpunktpraxen und über Mobile Impfteams, die weiterhin bereitstehen. „Es ist zwar das Ende des KIZ, aber nicht das Ende der Impfungen“, betont Christoph Keckeisen. Er plädiere dafür, dass sich die Menschen im Bodenseekreis weiterhin impfen lassen – und auch die Drittimpfungen für über 80-Jährige und Risikogruppen nicht vernachlässigt werden.

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