„Für uns ist es bitter. Die gestiegenen Spritpreise können wir gar nicht abdecken.“ Christian Wegis ist Geschäftsführer von Wegis Omnibusreisen mit Sitz in Bermatingen. Der Betrieb fährt Linien in der Bodenseeregion, darunter auch Schulbusse. 50 Angestellte und 40 Fahrzeuge bringen Gäste von A nach B. Der Chef sorgt sich. „Wir können so nicht weitermachen.“ Innerhalb der kommenden Monate brauche es finanzielle Unterstützung.

Andernorts haben Betriebe Linien gekündigt

Was sonst passieren würde, betont Ulrike Schäfer, Sprecherin des Verbands der Baden-Württembergischen Omnibusunternehmen (WBO), in einer Mitteilung. Demnach haben im Zollernalbkreis Unternehmen bereits Linien zum September gekündigt. Ähnliches droht laut WBO in Reutlingen. Besonders Subunternehmer seien von der aktuellen Krise betroffen – wie etwa auch Christian Wegis.

Denn sein Betrieb fährt nicht direkt für den Bodenseekreis, der die Linien ausschreibt, sondern für die RAB. Die Regionalverkehr Alb-Bodensee GmbH ist eine Tochter der Deutschen Bahn. Nach deren Informationen sind 30 Betriebe in ihrem Auftrag unterwegs.

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Bahn-Sprecherin schweigt

Die RAB räumt auf Nachfrage ein: „Natürlich ist auch die Regionalverkehr Alb-Bodensee GmbH von den Preissteigerungen betroffen.“ Dennoch halte das Unternehmen sein Angebot weiterhin aufrecht. Eine Sprecherin schreibt: „Dazu stehen wir in engem Austausch mit den Aufgabenträgern.“

Branchenintern ist allerdings klar: Die pauschalen Zahlungen, die die RAB an ihre Subunternehmer leistet, reichen nicht aus. Welche Lösungsvorschläge hat die Bahn-Tochter also? Darüber schweigt die Sprecherin des Betriebs – und verweist auf „wirtschaftliche Aspekte“ sowie „Wettbewerbsgründe“.

Bleiben Busse bald leer? Defizite führen zu finanziellen Belastungen bei Verkehrsunternehmen der Region.
Bleiben Busse bald leer? Defizite führen zu finanziellen Belastungen bei Verkehrsunternehmen der Region. | Bild: Benjamin Schmidt

Das alles nützt Christian Wegis momentan nichts. Zwei Jahre Corona-Pandemie haben im Betrieb, der auch Urlaubsfahrten anbietet, Spuren hinterlassen. Nun ist mit den hohen Spritkosten die nächste Bedrohung aufgetaucht. Pro Monat habe er 25.000 bis 30.000 Euro Mehrkosten. Wegis: „Die Lage ist existenzgefährdend. Wir bedienen unsere Linien defizitär.“

Ulrike Schäfer ist Pressesprecherin des Verbands Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen.
Ulrike Schäfer ist Pressesprecherin des Verbands Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen. | Bild: WBO

Verband fordert Unterstützung

Für Ulrike Schäfer, Pressesprecherin des WBO, ist die Lage daher klar. „Wir brauchen dynamisierte Kostenanpassungen.“ Das bedeutet: Sollen auch künftig Schulbusse und weitere Linien des Nahverkehrs wie gewohnt laufen, müssen die gestiegenen Betriebskosten ausgeglichen werden. „Die Margen im ÖPNV sind ohnehin schon sehr gering“, moniert Schäfer.

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Gefragt ist daher nun der Kreistag des Bodenseekreises. Der soll den strauchelnden Betrieben unter die Arme greifen. Andere Regionen haben es laut Ulrike Schäfer bereits vorgemacht. Tatsächlich unterstützt laut Medienberichten etwa der Landkreis Böblingen gemeinsam mit weiteren Kreisen die Busunternehmen seiner Linien mit einem Betrag von 2,25 Millionen Euro für das Jahr 2022.

Auch am Bodensee steht die Entscheidung an

Eine entsprechende Nachfrage im Landratsamt Bodenseekreis ergibt: Über eine entsprechende Beschlussfassung soll der Kreistag am 14. Dezember entscheiden. Konkret steht zur Debatte, dass den betroffenen Linien der erhöhte Dieselpreis ausgeglichen wird. Ähnliches ist für den Landkreis Ravensburg vorgesehen.

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Christian Wegis und seinen Kollegen wäre damit vermutlich geholfen – zur Erleichterung zahlreicher Fahrgäste. Doch Ulrike Schäfer vom WBO geht das nicht weit genug. Sie fordert im Namen des Verbands eine landesweite Lösung. „Es kann doch nicht sein, dass jeder Landkreis seine eigene Lösung strickt.“ Zudem plädiert sie dafür, die aktuelle Krise als Chance zu begreifen. Denn schließlich seien auch Autofahrer von den hohen Spritpreisen betroffen. Gerade jetzt lohne sich daher der Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr.