Die Lage in den Kliniken des Bodenseekreises entspannt sich. Glücklicherweise blieb ein dramatischer Anstieg der Corona-Fallzahlen, wie er für Ostern bundesweit prognostiziert war, aus. Maximal 21 Patienten zeitgleich mussten nach den Meldungen des Landratsamtes parallel in den Kliniken des Landkreises behandelt, ein Teil davon auch beatmet werden. Acht Menschen starben bisher nach einer Covid-19-Infektion.

Moderate Rückkehr in den Regelbetrieb geplant

Unter Hochdruck hatte der Medizin Campus Bodensee (MCB) – wie die meisten Krankenhäuser im Land – seine Intensivkazapitäten ausgebaut, nahezu verdoppelt. Aufgenommen und behandelt werden seit Mitte März neben Corona-Patienten nur noch Notfälle. Sowohl der MCB mit seinen Kliniken in Friedrichshafen und Tettnang als auch das Helios-Spital in Überlingen bereiten sich nun auf die moderate Rückkehr in den Regelbetrieb vor. Seit dem 20. April haben die Medizinischen Versorgungszentren des Häfler Klinikverbunds ihre Sprechstunden wieder aufgenommen.

Bild: SK
„Wir richten uns auf eine längere Behandlungsphase von mehreren Monaten ein.“
Dr. Martin Eble, Geschäftsführender Oberarzt am Klinikum Friedrichshafen

In dieser Woche will der MCB die Behandlung von Nicht-Covid-Fällen wieder behutsam hochfahren, sowohl stationär als auch ambulant. Trotzdem wird das Virus den Alltag in den Kliniken ein Stück weit weiter bestimmen. „Wir richten uns auf eine längere Behandlungsphase von mehreren Monaten ein“, erklärt Dr. Martin Eble, geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerzmedizin. Zumindest bis Ende August ist aus heutiger Sicht an einen klinischen Normalbetrieb nicht zu denken.

Ein Drittel der Intensivbetten bleibt für Corona-Patienten reserviert

Sowohl das Häfler Krankenhaus als auch das Heliosspital wollen in den nächsten Wochen und Monaten jedoch knapp ein Drittel ihrer Intensivbetten weiterhin für Covid-19-Patienten vorhalten. In Friedrichshafen wird dafür eigens eine „Corona-Station“ mit sechs Zimmern technisch so ausgestattet, um ausschließlich Patienten mit dieser Erkrankung isoliert zu behandeln – egal ob sie leichtere oder schwere Symptome haben oder beatmet werden müssen.

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„Mitte Mai ist diese Station startklar“, teilt MCB-Pressesprecherin Susann Ganzert mit. Die Überlinger Klinik will weiterhin täglich die Kapazitäten an Personal, Schutzausrüstung und Intensivbetten prüfen und dann entscheiden, welche Eingriffe vorgenommen werden können – „neben der Versorgung von Notfall- und Covid-19-Patienten“, erklärt Anthea Mayer, Klinikgeschäftsführerin im Helios Spital Überlingen.

Klinikbetrieb reduziert: Welche Auswirkungen hat dies auf das Personal?

Um das Infektionsrisiko im Krankenhaus selbst auf ein Minimum zu reduzieren, setzt das Heliosspital auf ein Eingangsscreening. Auch in Friedrichshafen beginnt die strikte Trennung in infektiöse und nicht-infektiöse Patienten bereits am Haupteingang. Diese Vorgehen erlaube es, so Ganzert, dann die Zahl der Betten- und OP-Kapazitäten für planbare Eingriffe wieder zu steigern. Zusätzlich stehen in der Klinik Tettnang seit Abschluss des zweiten Bauabschnitts vor wenigen Tagen nun wieder fünf OP-Säle zur Verfügung. Sollte die Zahl der Covid-19-Patienten steigen, könne der MCB seine Intensivkapazitäten schnell wieder hochfahren, so Ganzert. Aus diesem Grund bleibt auch die Zeltklinik beim Ärztehaus auf dem Klinikgelände in Friedrichshafen, die der Bodenseekreis für die Pandemiephase bei Airbus angemietet hat, bis auf weiteres installiert.

Angst vor Ansteckung im Krankenhaus unbegründet

Trotz aller Vorkehrungen bleiben offensichtlich Ängste in der Bevölkerung, trauen sich teils schwerkranke Menschen nicht in die Klinik wegen einer möglichen Ansteckungsgefahr. Dieses Phänomen beobachten beide Kliniken im Bodenseekreis, auch in der Notaufnahme. „Ich kann die Angst der Menschen verstehen, aber Patienten mit einem Darmverschluss, einem Herzinfarkt, einem entzündeten Blinddarm oder einem Schlaganfall gehören weiterhin sofort in die Klinik“, rät die MCB-Sprecherin. Die Sorgen der Patienten seien unbegründet.

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Welche wirtschaftlichen Folgen die Corona-Krise für die Krankenhäuser haben wird, können sie derzeit kaum abschätzen. Durch die Vorgabe von Bund und Ländern, nicht akut notwendige Operationen zu verschieben, blieben viele Betten leer. Die Zahl der stationären Patienten habe sich „deutlich reduziert“, so Claudia Prathel, Sprecherin des Überlinger Helios-Spitals. „Die in den MCB-Kliniken versorgten Notfälle lasteten unsere OP-Säle in Friedrichshafen und Tettnang zwischen 30 und 40 Prozent aus“, teilt MCB-Sprecherin Susann Ganzert auf Anfrage mit.

Wirtschaftliche Folgen derzeit
nicht abzuschätzen

Die angekündigten Pauschalen für die Einnahmeausfälle „reichen nicht aus, um unsere Kosten zu decken“, so der MCB. Pro leerstehendem Bett will Bundesgesundheitsminister Spahn 560 Euro zahlen, 50 000 Euro für die Einrichtung eines neuen Intensivplatzes mit allen notwendigen Geräten, obwohl hier nach Angaben der Klinikverbände Kosten von rund 80 000 Euro zu Buche schlagen. Dazu kommt, dass auch weniger ambulante Patienten behandelt wurden. „Wir hoffen, dass die Bundesregierung nachjustiert“, so Ganzert.

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