Von einem Stresstest für die Kinder- und Jugendhilfe sprach Simone Schilling, Leiterin des Jugendamts des Bodenseekreises. Im Ausschuss für Soziales und Gesundheit des Kreistags sowie im Jugendhilfeausschuss berichtete sie von der Arbeit in den vergangenen Monaten unter Corona-Bedingungen.

Meldungen über Gefährdung des Kindeswohls

Die radikale Beschränkung der persönlichen Kontakte habe alle Betroffenen seit Beginn der Pandemie vor große Herausforderungen gestellt, sagte Simone Schilling. „Aktuell ist es noch zu früh, um Aussagen treffen zu können, wie stark die Familien tatsächlich belastet waren.“ Kinderschutzmeldungen im Zusammenhang mit einer Gefährdung des Kindeswohls seien in den vergangenen drei Monaten in der üblichen Größenordnung beim Jugendamt eingegangen. Im März waren es 38, im April 34 und im Mai 23 Meldungen.

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Jugendamt vermutet Dunkelfeld

„Wir haben alles, was möglich war, gemacht, um zu schützen und zu deeskalieren“, so die Leiterin des Jugendamts. Dabei gehe sie jedoch von einem gewissen Dunkelfeld aus. Es werde sich erst noch zeigen, ob alle Hilfen rechtzeitig eingeleitet worden seien. Die Bearbeitung der Meldungen bezüglich Kindeswohlgefährdung seien während der gesamten bisherigen Krise nach den üblichen Standards inklusive Hausbesuchen erfolgt. Gebe es in einem Haushalt einen Corona-Verdacht, stehe den Fachkräften des Jugendamts Schutzausrüstung zur Verfügung. Ging es um Hilfen zur Erziehung, standen die Mitarbeiter des Jugendamts auch während der Krise mit den Familien in Kontakt. „Sie waren jedoch weitgehend auf Telefonate beschränkt“, erläuterte Simone Schilling. Seit Juli würden Jugendamt und Jugendhilfe wieder im Normalbetrieb unter Beachtung der üblichen Hygiene- und Abstandsregeln arbeiten. Auch die Familientreffs im Bodenseekreis würden ihre Arbeit langsam wieder aufnehmen.

Dagmar Hoehne, Freie Wähler, berichtete als Kinder- und Jugendpsychiaterin von ihren Erfahrungen während der Krise.
Dagmar Hoehne, Freie Wähler, berichtete als Kinder- und Jugendpsychiaterin von ihren Erfahrungen während der Krise. | Bild: Samuel Groesch

Deutliche Zunahme von Ängsten bei Kindern

Dagmar Hoehne, Freie Wähler, berichtete als Kinder- und Jugendpsychiaterin von ihren Erfahrungen während der Krise. „Bei Kindern haben wir eine deutliche Zunahme von Ängsten festgestellt.“ Bei Jugendlichen stelle sich jetzt zunehmend heraus, dass ihr Stresssystem überlastet worden sei. Silvia Queri (Grüne) sorgt sich insbesondere um Kinder mit Behinderung und ihre Familien. „Wie ist die Teilhabe dieser Kinder gewährleistet?“, fragte sie. Schilling erklärte, dass die Integrationshelfer, die normalerweise in der Schule unterstützen, zu den Familien nach Hause gekommen seien. „Ansonsten gab es keine aufsuchende persönliche Kontaktaufnahme, außer bei intensiven Krisen.“ Ulrich Müllerschön, Leiter des Sozialamts, berichtete, dass die Frühförder- und Beratungsstelle in Markdorf während der Krise auf Teleförderung umgestellt habe.

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