Friedrichshafen: Weder Stau noch Schlange – und doch ausverkauft

Es ist erstaunlich ruhig auf dem Aldi-Parkplatz in der Häfler Siemensstraße. Eine knappe Minute nach acht Uhr verlassen die ersten Menschen die Filiale mit einer grünen Schachtel in der Hand: sie sind die ersten Besitzer der Antigen-Schnelltests, die auch zuhause von Laien durchgeführt werden dürfen.

Es haben sich draußen weder Stau noch Schlange gebildet, der Parkplatz ist nicht annähernd voll. Wir schauen nach drinnen, auch da geht es gemütlich zu. Die Kunden schlendern durch den Laden, erkundigen sich dann – eher leise – an der Kasse nach Schnelltests. Wer ihn hat, beschleunigt seine Schritte, als habe er etwas Verbotenes getan. Wortwechsel mit der Zeitung? Nicht möglich.

„Einen Andrang habe ich nicht gesehen“

Nur einmal ist exakt ein Kunde allein an der Kasse. Wenig später wird klar: Er hat die letzte Packung Selbsttests kaufen können, die in der Filiale verfügbar war. Sein Eindruck? „Einen Andrang habe ich nicht gesehen: Ich stand ganz allein an der Kasse, obwohl nur eine Kasse geöffnet war.“

So verkündet die Kassiererin schon drei Minuten nach der offiziellen Öffnungszeit der Filiale: „Die Tests kann ich Ihnen leider nur noch per ‚Aldi liefert‘ anbieten. Sie bezahlen hier und bekommen die Tests dann per Post.“

Offiziell mit dem SÜDKURIER reden dürfe sie nicht, auch ihr Kollege aus der Verwaltung verneint, betont aber: „Wir hatten schon einige Tests da, es kamen nur auch direkt viele Kunden, die einen gekauft haben.“ Unser Eindruck vom Aldi-Parkplatz kann die Aussage zur Vielzahl der Kunden nicht bestätigen.

Eine kurze Nachfrage bei der Aldi-Filiale in der Adelheidstraße zeigt: Auch hier waren die Tests fast sofort vergriffen. Doch auch hier geht es – inzwischen ist es Viertel nach Acht – ruhig zu, kein Ansturm ist zu sehen und keine lauten Beschwerden zu hören.

Warteschlange in Markdorf

Um 7.40 Uhr stehen erst wenige Autos auf dem Parkplatz an der Markdorfer Rudolf-Diesel-Straße. Bei einigen steigt Qualm aus dem Auspuff. Die Insassen wollen nicht frieren, während sie warten. Trotz des Sonnenscheins ist es empfindlich kalt. Ihre Autos werden sie erst etwas später verlassen, als die Schlange vor dem verschlossenen Eingang der Aldi-Filiale immer länger wird.

Menschen mit Einkaufswagen, Menschen ohne Einkaufswagen. Und drinnen im Discounter, das zeigt der Blick durch die Fensterscheibe, räumen die wenigen Angestellten Waren in Regale.

Hoffnung auf mehr soziales Miteinander

Bei der Frage, warum sie schon so früh ansteht, wird sie ernst. „Weil ich den Schnelltest kaufen möchte.“ Sie brauche ihn recht dringend – für einen Termin nach dem Wochenende. Da sei die Nachricht, dass an diesem Samstag bei Aldi Pakete mit je fünf Tests angeboten werden, gerade recht gekommen, erklärt die Wartende. „An einen Schnelltest zu gelangen, ist ja sonst eher schwierig.“

Marlene Grote aus Markdorf: „Ich bin richtig froh, dass es jetzt Schnelltests gibt.“
Marlene Grote aus Markdorf: „Ich bin richtig froh, dass es jetzt Schnelltests gibt.“ | Bild: Jörg Büsche

Hugo Gimenez schiebt keinen Wagen. Er ist jetzt, Punkt acht, der letzte in der Reihe. Auch er will – so wie die allermeisten der Gefragten in der Warteschlange – heute hier nur Schnelltests kaufen.

„Wir haben kleine Kinder“, erklärt der junge Mann. Seine Hoffnung ist, dass mit den Test wieder mehr soziales Miteinander – insbesondere mit anderen Familien und deren Kindern möglich sei.

Drägeln, Schimpfen und Gelassenheit

Als sich die Tür öffnet, geht dann alles sehr schnell. Einige fahren ihre Wagen geradeaus weiter, dem Regal-Gang folgend. Andere biegen scharf nach links – hin zur Kasse. Vielleicht haben sie den Hinweis auf der Website des Discounters gelesen, der dort über die Abgabe durch die Kassiererinnen informiert. Dass sich Einzelne vordrängeln, ist scheinbar unvermeidlich. Genau so unvermeidlich wie die bissigen Wortwechsel.

Gelassen reagiert Marlene Grote. Ihr wurde schon keine der grünen Packungen mit den Schnelltestes mehr ausgehändigt. Die waren bereits nicht mehr zu bekommen – da hatte noch nicht das erste Dutzend Kunden nachgefragt.

„Die Kassiererinnen können ja nichts dafür“, sagt sie. Immerhin: Guthaben-Bons für die Antigen-Schnelltests, die gab‘s. Wer 24,99 Euro bezahlte, der bekam den Ausdruck, der ihm die Auslieferung der Tests „frei Haustür“ zusichert, sofern bei der Bestellung im Netz oder per Telefon die Guthaben-Pin angegeben wird.

Keine Selbsttests mehr in Markdorf, aber den Bon für eine Bestellung im Netz oder per Telefon
Keine Selbsttests mehr in Markdorf, aber den Bon für eine Bestellung im Netz oder per Telefon | Bild: Jörg Büsche