Während sich einige Arten unauffällig in die bestehenden Lebensgemeinschaften einfügen können, verhalten sich andere invasiv und konkurrieren mit einheimischen Tieren um Nahrung, Brut- und Lebensraum. Quagga-Muschel und Stichling haben den stärksten Einfluss auf das ökologische Gleichgewicht des Bodensees.

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Die Quagga-Muschel, ursprünglich im Schwarzmeerraum und im Kaspischen Meer beheimatet, wurde nach dem Bau des Main-Donau-Kanals im Jahr 1992 mit Binnenschiffen eingeschleppt. 2016 wurde sie zum ersten Mal von Tauchern in einer Tiefe von 25 Metern gefunden. Inzwischen kommt sie flächendeckend vor, einzelne Exemplare wurden bereits auf 200 Metern entdeckt.

Nahrungskonkurrenz durch Quagga-Muschel und Stichling

Der hemmungslose Eindringling richtet nicht nur bei den Wasserversorgern Schäden in Millionenhöhe an. Jedes einzelne Exemplar filtert bis zu einem Liter Wasser pro Tag, reduziert die Nährstoffe und entzieht anderen Arten lebenswichtiges Plankton im ohnehin schon nährstoffarmen Voralpensee. Keine gute Lebensgrundlage für Felchen, Barsch und Saibling.

Zusätzliche Nahrungskonkurrenz stellen die Stichlinge dar, die obendrein auch noch ihre Eier und Larven anderer Fischarten fressen. Obwohl er hier vor 150 Jahren noch unbekannt war, macht das stachlige Fischlein, das sich in den letzten Jahren explosionsartig vermehrt, inzwischen bereits 96 Prozent des Fischbestandes im offenen Wasser aus. Seine Herkunft ist umstritten. Vermutlich stammt er aus einem Aquarium.

Der Stichling hat sich im Bodensee explosionsartig vermehrt und macht heute zahlenmäßig 96 Prozent des Fischbestandes im Freiwasser aus.
Der Stichling hat sich im Bodensee explosionsartig vermehrt und macht heute zahlenmäßig 96 Prozent des Fischbestandes im Freiwasser aus. | Bild: LAZBW/Fischereiforschungsstelle

Quallen gibt es nur im Meer? Falsch, seit 1999 gibt es die aus Ostasien stammende Süßwasserqualle auch im Bodensee. Steigende Wassertemperaturen sorgen für ihre Verbreitung.

Erste Beobachtungen der aus Ostasien stammenden Süßwasserqualle gab es 1999 im Bodensee.
Erste Beobachtungen der aus Ostasien stammenden Süßwasserqualle gab es 1999 im Bodensee. | Bild: picture alliance/dpa/LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg | Petra Teiber-Sießegger

Auch der Kamberkrebs, oft blinder Passagier an Schiffen, breitet sich von der Ostküste der USA und Kanada kommend, ganz aktiv im Bodensee aus. Als Überträger von Pilzkrankheiten und Krebspest bedroht er das Leben einheimischer Krebsarten.

Dieser Kamberkrebs wird bereits von Quaggamuscheln besiedelt.
Dieser Kamberkrebs wird bereits von Quaggamuscheln besiedelt. | Bild: Tauch-Sport-Club Friedrichshafen / K.-H. Weltz

Sein kleiner Vetter, der Große Höckerflohkrebs, stammt aus dem Schwarzmeerraum und lebte bis vor 25 Jahren in den Gewässern Russlands und der Balkanhalbinsel. Mit der Verbindung von Donau und Rhein breitete sich der ausdauernde Schwimmer auch mithilfe von Schiffen und Wanderbooten nach Westen aus, rudert mittlerweile im gesamten Bodensee, wo der räuberische Allesfresser den eingeborenen Flohkrebsen das Futter streitig macht.

Ein Großer Höckerflohkrebs steht auf dem Finger des Fotografen. Die kleinen Krebse stammen aus dem Schwarzmeerraum und sind bereits am ganzen Bodenseeufer zu finden.
Ein Großer Höckerflohkrebs steht auf dem Finger des Fotografen. Die kleinen Krebse stammen aus dem Schwarzmeerraum und sind bereits am ganzen Bodenseeufer zu finden. | Bild: Felix Kästle/dpa

Wassersportler können bei der Eindämmung der Weiterverbreitung helfen

Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) weist darauf hin, dass Wasserfahrzeuge, die von Menschen über Land von einem Gewässer zum anderen transportiert werden, eine Autobahn für gebietsfremde Arten sind. Wassersportler können deshalb einen wichtigen Beitrag leisten, um ihrer Weiterverbreitung vorzubeugen.

  1. Kontrollieren: Alles, was mit Wasser in Berührung kommt, kann fremde Tiere und Pflanzen verbreiten. Daher müssen Boote, Ankerleinen, Kajaks, SUPs und Paddel sowie Ausrüstung zum Tauchen und Angeln, auf Rückstände von Schlamm, Pflanzenmaterial oder Tiere untersucht werden. Vor allem an schwer zugänglichen Stellen, Falten, Fugen, könnten Schlamm, Algen oder kleine Muscheln kleben.
  2. Leeren: Steht Wasser in der Bilge des Sportboots? Haben Sie Behälter mit Wasser aus dem Urlaubsort an Bord? Unbedingt dem Ursprungsgewässer übergeben und nicht zuhause in den Bodensee oder ein anderes Gewässer entsorgen.
  3. Reinigen: Boote, vor allem das Unterwasserschiff, müssen mit einem Hochdruckreiniger gründlichst abgespritzt werden. Wenn dies nicht am Ursprungsgewässer geschieht, muss darauf geachtet werden, dass das ablaufende Wasser nicht in ein anderes Gewässer gelangt. Motoren saugen Wasser zur Kühlung an. Außenborder müssen deshalb in einen Behälter mit Leitungswasser gehängt und so lange betrieben werden, bis die Kühlwasserleitungen gründlich durchgespült sind. Das Spülwasser nicht in heimische Gewässer entsorgen. Auch Luftmatratzen, Kajaks, Standup-Paddelboote und andere Wasserfahrzeuge können Transportmittel von ungebetenen Gästen sein. Taucheranzüge, Flossen, Masken, Fischereiausrüstung und andere Ausrüstungsteile gründlich, wenn möglich mit mindestens 45 Grad heißem Wasser, spülen.
  4. Trocknen: Neozoen haben kein Problem damit, längere Transportwege oder auch in nicht vollständig getrockneten Neoprenanzügen zu überleben. Nach der Reinigung ist es daher unerlässlich, Boote und sämtliche Ausrüstungsgegenstände mindestens vier Tage, besser eine Woche lang trocknen zu lassen, bevor man mit ihnen in ein anderes Gewässer wechselt.

Aus dem Aquarium in den Bodensee? Besser nicht

Möchte man sich von seinen schwimmenden Haustieren aus dem Aquarium trennen, dürfen diese nicht aus falsch verstandener Tierliebe in den Bodensee entlassen werden. Als gebietsfremde Art richten sie dort unter Umständen großen Schaden an.

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