Auf den letzten Drücker hat Bürgermeister Daniel Enzensperger doch noch Konkurrenz bekommen. Wenn die Kressbronner am 9. Oktober aufgerufen sind, ihren neuen Rathauschef zu wählen, stehen sogar drei Namen auf dem Zettel: der Amtsinhaber, Dauer-Kandidat Samuel Speitelsbach, der schon bei über 100 Bürgermeisterwahlen erfolglos angetreten ist, und Jörg Geffken.

Die ersten Plakate hängen schon

Der 54-Jährige hatte mit dem Bewerbungsschluss seine Unterlagen im Rathaus persönlich abgegeben und war auch bei der Sitzung der Wahlkommission dabei. „Da hat wohl niemand so wirklich damit gerechnet“, sagt er. Auch wenn das Rathaus erst am Montag die Bewerberliste öffentlich bekannt gab, wussten es die Leute im Ort bereits am Samstag. Geffken und seine Lebensgefährtin hatten da schon die ersten Wahlplakate im Ort aufgehängt.

Selbst ist der Mann: Jörg Geffken beim Plakatieren in Kressbronn-Nitzenweiler.
Selbst ist der Mann: Jörg Geffken beim Plakatieren in Kressbronn-Nitzenweiler. | Bild: Jörg Geffken

Seine Heimatgemeinde Lilienthal liegt vor den Stadttoren Bremens. Aktuell arbeitet er als stellvertretender Fachdienstleiter Bauen und Planen in der Samtgemeinde Ahlden mit 7500 Einwohnern in der Lüneburger Heide. Warum will ein „Nordlicht“ Rathauschef am Bodensee werden? Er trage sich schon lange mit dem Gedanken, seine Erfahrungen in den Dienst einer Gemeinde zu stellen, sagt er. Denn seit fast 25 Jahren arbeite er in der öffentlichen Verwaltung. Und in den Süden hat es ihn bereits 2011 verschlagen. In Neuenburg am Rhein war er Technischer Leiter und im Landratsamt Lörrach für Umwelt- und Deponietechnik zuständig.

Schon Langenargen im Visier gehabt

Doch warum ausgerechnet Kressbronn? Als er vor zwei Jahren im „Staatsanzeiger“ die Anzeige entdeckte, dass in Langenargen ein Gegenkandidat zum Bürgermeister gesucht wird, habe er das erste Mal intensiv darüber nachgedacht. „Da war ich aber noch nicht so weit“, erklärt Jörg Geffken. 2016 ging er zurück nach Niedersachsen, um parallel zum Job seinen kranken Vater zu pflegen, der im vergangenen Jahr verstarb.

Jörg Geffken aus Niedersachsen tritt am 9. Oktober bei der Bürgermeisterwahl in Kressbronn gegen den Amtsinhaber an.
Jörg Geffken aus Niedersachsen tritt am 9. Oktober bei der Bürgermeisterwahl in Kressbronn gegen den Amtsinhaber an. | Bild: Jörg Geffken
„Da hat wohl niemand so wirklich damit gerechnet.“
Jörg Geffken, Bürgermeister-Kandidat in Kressbronn

Im Juni dieses Jahres sah er dann die anonyme Anzeige, wonach erneute eine Gemeinde im Bodenseekreis „eine Alternative zur Bürgermeister(in)-Wahl“ sucht. Wer die aufgegeben hat, wisse er bis heute nicht. Aus welcher politischen Ecke das kam, sei auch nicht wichtig. Er habe sich inzwischen in jeder Fraktion des Gemeinderats vorgestellt. Nur bei den Grünen stehe das Treffen noch aus.

Kandidatenvorstellung am 29. September

Das will der gelernte Zimmermann, der sich zum Bautechniker qualifiziert hat und heute als Projektmanager innerhalb der Verwaltung sieht, bald nachholen. Der wichtigste Termin für ihn sei der 29. September, wenn sich die Kandidaten in der Festhalle Kressbronn (19 Uhr) öffentlich vorstellen. Bis zur Wahl will Jörg Geffken, der als Parteiloser antritt, dann im Ort bleiben und auch Klinken putzen gehen.

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Im Zweifel hilft auch mal ein Kräuterschnaps

Über die bisherige Resonanz beim Straßenfest am Wochenende oder am Rand der Apfelernte freue er sich. „Ich glaube, die Leute sind froh, dass sie nun eine demokratische Wahl haben. Mit nur einem Kandidaten wäre das schwierig geworden.“ Dass drei Wochen wenig Zeit sind, um als „Fremder“ Vertrauen aufzubauen, wisse er. Dabei helfe ab und an auch mal ein Kräuterschnaps als Extra zum Wahlkampfflyer, erzählt er schmunzelnd.