Restaurants und Ausflugsziele geschlossen, Veranstaltungen abgesagt, Hotels dürfen keine Urlauber beherbergen: Mit dem erneuten Lockdown seit Anfang November fand die Tourismus-Saison am Bodensee ihr jähes Ende. Genau so hatte sie vor Ostern begonnen: Statt tausender Gäste, die im Süden Deutschlands ihren ersten Urlaub im Jahr genießen, stand das Leben auch in den Tourismus-Hochburgen von Lindau bis Konstanz für acht Wochen komplett still. Und nun fällt die erhoffte Saisonverlängerung ins Wasser.

Im Sommer brummte das Tourismus-Geschäft am See

Doch die vorläufige Bilanz von Ute Stegmann, Chefin der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH (DBT), fällt differenziert aus. „Die Saison war gut – in den Monaten, wo Tourismus stattfinden durfte“, sagt sie. So hatten Vermieter von Ferienwohnungen und Campingplätzen einen enorm starken Zulauf, und Urlauber füllten manche Lücke in den Hotels, in denen die Geschäftsreisenden fehlten. Fazit: Im Juli und August erreichten viele Betriebe die gleichen Übernachtungszahlen wie im vergangenen Jahr, so Stegmann.

Im Sommer sah es am See wie immer aus: Andrang auf den Promenaden oder an den Schiffsanlegern wie hier in Konstanz.
Im Sommer sah es am See wie immer aus: Andrang auf den Promenaden oder an den Schiffsanlegern wie hier in Konstanz. | Bild: Scherrer, Aurelia

Übers ganze Jahr gesehen bleibt unterm Strich trotzdem ein dickes Minus stehen. Bis einschließlich August liegen der Geschäftsführerin die Gästezahlen im DBT-Gebiet am nördlichen Bodensee vor: 2,36 Millionen Übernachtungen in Betrieben mit mehr als acht Betten. 2019 wurden hier rund 4 Millionen Übernachtungen im ganzen Jahr gezählt. „Der September war ein starker Monat, und auch im Oktober ging noch was“, so Stegmann. Will heißen: Ein paar Tausend Übernachtungen kommen noch dazu.

„Die Saison war gut – in den Monaten, wo Tourismus stattfinden konnte“, sagt Ute Stegmann, Geschäftsführerin der ...
„Die Saison war gut – in den Monaten, wo Tourismus stattfinden konnte“, sagt Ute Stegmann, Geschäftsführerin der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH (DBT). | Bild: Cuko, Katy

Aber ob in diesem Jahr die Drei-Millionen-Grenze gerissen werden kann, bezweifelt selbst Ute Stegmann. Auch wenn der Rückgang bei den Gäste- und Besucherzahlen in den Gemeinden nach Angaben der DBT-Chefin sehr unterschiedlich ausfallen wird, sei vor Ort mit einem Minus von 15 bis 25 Prozent in diesem Jahr zu rechnen. Wohl wissend, dass es manch andere Tourismusregion in Deutschland deutlich härter getroffen hat.

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Umso mehr hatten die Touristiker am Bodensee auf die Saisonverlängerung im Herbst gehofft. „Jetzt kommt nicht mehr viel nach“, stellt Ute Stegmann fest. „Und für 2021 können wir nicht wirklich planen.“

Ferienwohnungen im Sommer komplett ausgebucht

In den Osterferien nicht einen Gast zu haben, „das hat schon wehgetan“, sagt Jochen Kirchhoff. Der Geschäftsführer des Ferienwohnparks in Immenstaad mit üblicherweise rund 11 000 Gästen pro Jahr bestätigt, dass am Ende wohl etwa sechs sonst gut gebuchte Wochen fehlen werden. Die Freude ist deshalb umso größer, dass sein Betrieb am Jahresende „wohl bei plus-minus-Null“ im Vergleich zum Vorjahr herauskommen wird. Wie das?

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Nach dem Lockdown und der anfänglichen Unsicherheit, wie es weiter geht, waren die Ferienwohnungen und -häuser auf dem Ruhbühl in den Sommermonaten binnen vier Wochen ausgebucht, so Jochen Kirchhoff. „Ab dem 18. Mai war keine einzige Nacht etwas frei. Damit hätten wir nicht gerechnet.“ Auf der anderen Seite war die Saison dadurch sehr arbeitsintensiv, zumal auch anderes, deutlich jüngeres Publikum kam, das ohne Corona ins Ausland verreist wäre. So machten viele wohl zum ersten Mal in einer Ferienwohnung Urlaub. „Da wurde beispielsweise gefragt, wie oft denn die Handtücher gewechselt werden“, erzählt Jochen Kirchhoff lachend.

Jochen Kirchhoff ist Geschäftsführer der Ferienwohnpark Immenstaad GmbH, der mit 11 000 Gästen pro Jahr der größte Vermieter am ...
Jochen Kirchhoff ist Geschäftsführer der Ferienwohnpark Immenstaad GmbH, der mit 11 000 Gästen pro Jahr der größte Vermieter am nördlichen Bodensee ist. | Bild: Cuko, Katy

Doch diese Art des Urlaubs scheint viele neue Anhänger gefunden zu haben, erklärt der Ferienwohnpark-Betreiber, der in den Wintermonaten das Geschäft ohnehin ruhen lässt. Erst ab diesem Wochenende können Gäste fürs nächste Jahr buchen, „sonst hätten wir jetzt schon im Sommer nichts mehr frei“, sagt Jochen Kirchhoff.

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Hotels kommen „mit blauem Auge“ davon

„Die Monate März bis Mai können wir nicht aufholen“, sagt hingegen Annette Driesen, Vorstand Deutschland in der Euregio-Kooperation „Bodenseehotels“, die rund 60 Hotels in der Vierländerregion vereint. Für viele Betriebe war die Soforthilfe im Frühjahr daher „überlebenswichtig“, sagt sie. Denn nicht nur die fehlenden Übernachtungen schlagen ins Kontor. Tagungsräume und Restaurants blieben leer. Reisebusse spuckten keine Wagenladungen an Gästen aus. Hohen Fixkosten standen keine Einnahmen gegenüber, und nach dem Lock Dow kamen Zusatzkosten für zusätzliche Hygiene-Auflagen und Personal dazu.

Annette Driesen gehört dem Vorstand der Hotelkooperation Bodenseehotels Euregio an, die derzeit 60 Hotels im Vierländereck vereint.
Annette Driesen gehört dem Vorstand der Hotelkooperation Bodenseehotels Euregio an, die derzeit 60 Hotels im Vierländereck vereint. | Bild: Picasa

Doch in der Rückschau auf dieses Jahr stellt auch die Hotelmanagerin fest, dass „wir am Bodensee vergleichsweise noch mit einem blauen Auge davon kommen“. Denn im Sommer buchten – nach schwachem Anlauf im Juni – tatsächlich viele Gäste. „Viele Touristen haben festgestellt, dass man nicht nur auf Sylt oder im Schwarzwald einen schönen Urlaub genießen kann.“

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Trotzdem sei die Krise in der Branche noch lange nicht überwunden, und das hängt an vielen Faktoren. So hätten viele auf die Saisonverlängerung gehofft, die mit dem Lockdown im November passé ist. „Wenn wir im Dezember nicht aufmachen dürfen, wird‘s schlimm“, meint Angelika Driesen, denn in der Adventszeit gehe in ihrer Branche sonst schon noch etwas. Dann, so fürchtet sie, „werden wir zwischen Januar und März sehen, welche Hotels schließen müssen“.

Besucherzahlen im Zeppelin Museum eingebrochen

„Wir haben das Jahr noch nicht ganz abgeschrieben und hoffen auf die Wiederöffnung im Dezember“, sagt Simone Lipski, Sprecherin des Zeppelin Museums in Friedrichshafen. Doch die Einbußen werden enorm sein. Kann das beliebte Museum sonst mit rund 240 000 Besuchern im Durchschnitt der Jahre rechnen, waren es bis zum neuerlichen Lockdown im November gerade einmal 140 000.

330 Besucher zur gleichen Zeit ließ das Zeppelin Museum über den Sommer ins Haus und zählte jeden einzelnen Gast mit einer extra ...
330 Besucher zur gleichen Zeit ließ das Zeppelin Museum über den Sommer ins Haus und zählte jeden einzelnen Gast mit einer extra angeschafften Software. | Bild: Zeppelin Museum

Dabei hätten die Türen jetzt offen bleiben können – nicht nur wegen eines hoch modernen Lüftungskonzepts mit UV-Strahlung. „Wir haben in ein Besucherzählsystem investiert“, erklärt Simone Lipski. Das lässt maximal 330 Gäste zeitgleich ins Haus – weniger, als das Museum mit rund 4000 Quadratmeter Ausstellungsfläche nach den Corona-Bestimmungen zulässt. So bildete sich im Sommer manche Schlange vor dem Eingang.

Gruppengeschäft komplett weggebrochen

Auch wenn das Museum mit seinen inzwischen ausgefeilten digitalen Angeboten weiter sicht- und erlebbar bleibt: Die Einnahmeausfälle durch die Pandemie und ihre Beschränkungen sind nicht zu kompensieren. Ein Drittel des Umsatzes werde über den Eintritt generiert, so Lipski. Aber auch Führungen konnten so gut wie keine stattfinden. „Das Gruppengeschäft ist komplett weggebrochen“, stellt die Sprecherin fest.