Wer momentan am Ufer entlang spaziert, wird es schon bemerkt haben: Der Bodensee hat aktuell wieder wenig Wasser. Dass der Pegel im Winter sinken, ist ganz normal. Erst wenn in den Hochlagen der Alpen die Schneeschmelze einsetzt, beginnt der Wasserstand des Sees wieder zu steigen und erreicht in den Sommermonaten seinen höchsten Stand.

Kies, soweit das Auge reicht.
Kies, soweit das Auge reicht. | Bild: Fabiane Wieland

Mit aktuell 2,83 Metern in Konstanz und 2,87 Metern in Bregenz fallen die Werte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dennoch deutlich niedriger aus. Damals wurde der Pegel Konstanz mit 3,28 Metern angegeben (Stand 15. März 2021). Im Hafen von Bregenz wurden zur selben Zeit 3,30 Meter gemessen.

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Nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) waren im Januar und Februar 2021 aufgrund von starken Niederschläge im Einzugsgebiet des Sees und der bereits einsetzenden Schneeschmelze die Wasserstände in den Zuflüssen und damit auch im Bodensee deutlich angestiegen. Im März wurden dadurch ebenfalls überdurchschnittliche Seewasserständen gemessen. Der aktuelle Wasseranstand entspricht laut den Experten der LUBW hingegen dem Normalbereich. Der Mittelwert beträgt für die Jahreszeit im Zeitraum von 1850 bis 2020 am Pegel Konstanz 2,88 Meter.

Bild 2: Ist der Bodensee-Pegel ungewöhnlich niedrig oder für die Jahreszeit normal?
Bild: Mirjam Ballweg

Prognosen für Entwicklung des Wasserstands

Die aktuelle Schneemenge im alpinen Einzugsgebiet des Sees beschreibt die Landesanstalt derzeit als leicht unterdurchschnittlich. „Neben der Schneemenge hat aber auch Niederschlag in Form von Regen einen Einfluss auf den weiteren Seewasserstand. Daher wird die Kombination aus Temperatur und Niederschlagsmenge in den kommenden Wochen einen maßgeblichen Einfluss auf den Seewasserstand haben“, sagt eine LUBW-Sprecherin. Großräumiger und ergiebiger Niederschlag im Einzugsgebiet führe zu einem Anstieg des Seespiegels.

Zumindest momentan fallen die Niederschlagsmengen in der Bodenseeregion allerdings noch deutlich zu gering aus. Nach den Daten des Wetterkontors ist im März noch kaum ein Tropfen Regen gefallen. Damit könnte der März 2022 einer der bisher trockensten Märzmonate des Jahrhunderts werden, wie Diplom-Meteorologe Jürgen Schmidt kürzlich dem SÜDKURIER sagte. Zuvor war schon der Januar zu warm – und noch dazu zu trocken. Der Februar präsentierte sich ebenfalls mit viel Sonne und wiederholt zu warm.

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Da Wettervorhersagen nur wenige Tage umfassen, kann aus Sicht der Landesanstalt für Umwelt noch keine längerfristige Aussage zu Schnee, Tauwetter oder Regen in den kommenden Wochen gemacht werden. Im Mittel steige der Seewasserstand aber etwa im April an. Neben den meteorologischen Verhältnissen spiele auch die Bewirtschaftung der Talsperren und Speicher im alpinen Einzugsgebiet eine Rolle – durch die Rückhaltung im Sommer und Abgabe in den Wintermonaten während der natürlichen Niedrigwasserzeit am Bodensee. Auch die Veränderung des Makrophytenbewuchses im Konstanzer Trichter habe einen Einfluss auf den Seespiegel.

Im Juli 2021 ist – wie hier in Unteruhldingen – der Bodensee über die Ufer getreten.
Im Juli 2021 ist – wie hier in Unteruhldingen – der Bodensee über die Ufer getreten. | Bild: Reiner Jäckle (Archiv)

Dass der Wasserstand je nach Jahreszeit variiert, ist nach Angaben der Experten für den Bodensee sogar charakteristisch. Im überwiegend alpinen Einzugsgebiet des Sees wird der Niederschlag im Winterhalbjahr in Form von Schnee gespeichert und fließt daher nicht ab, die Folge sind niedrige Wasserstände.

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Im Frühjahr tragen Schneeschmelze und Regen dazu bei, dass der Pegel wieder ansteigt und in den Sommermonaten maximale Werte erreicht. Dieser jahreszeitliche Unterschied beträgt laut LUBW rund einen Meter. Die Schwankungen des Seepegels wirken sich vor allem auf die Lebensräume in der Uferzone aus. „Die dort vorkommenden Pflanzen und Tiere sind an diese Schwankungen angepasst. Die trockenfallenden Bereiche werden bei steigendem Wasserstand jährlich neu besiedelt“, so die Sprecherin der LUBW.

Inwiefern macht sich der Klimawandel bereits bemerkbar?

„Unsere über 100-jährige Messzeitreihe am Pegel Konstanz zeigt eine Zunahme des winterlichen Seewasserstands und eine Abnahme des sommerlichen Seewasserstands“, so die LUBW, die landesweit unter anderem Messstationen für Luft, Wasser und Boden betreibt. Der Klimawandel werde die Entwicklung des Bodenseepegels und seine saisonalen Dynamiken weiter beeinflussen.

Der Uferbereich mit Blick auf die Berge.
Der Uferbereich mit Blick auf die Berge. | Bild: Fabiane Wieland

Für die Zukunft geht man von einer weiteren Abnahme des Wasserstands in den Sommer- und einer Zunahme in den Wintermonaten aus. „Allerdings wird die Bewirtschaftung der Talsperren und Speicher vermutlich weiter an Relevanz gewinnen.“