Zu wenig, zu langsam, zu kompliziert hieß es in den vergangenen Monaten über die Corona-Schutzimpfungen in Deutschland. Manch einer blickte da neidisch auf die Vereinigten Staaten oder Israel, wo man sich sogar im Auto sitzend an einem Drive-In impfen lassen konnte: Fenster runter, Corona-Impfung in den Oberarm, fertig!

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An einem Drive-In wird man im Bodenseekreis zwar nach wie vor nicht geimpft, dennoch sollen auch hier die Impfangebote niederschwelliger werden. Den Anfang macht hier die in Friedrichshafen stattfindende Messe IBO. Hier können sich Besucher bis einschließlich Sonntag nicht nur über Haushaltsgeräte, Autos, Reisen und vieles mehr informieren, sondern sich im Erste-Hilfe-Raum der Messe auch gleich noch mit dem Impfstoff Johnson & Johnson impfen lassen.

Messebesucher sollten für die Impfung etwa 25 bis 30 Minuten einplanen – inklusive der etwa 15 Minuten Beobachtungszeit nach der Impfung, erklärt der Mediziner Berthold Wieland. Auch wenn das Angebot möglichst unkompliziert und die Wege kurz sein sollen, „das Gespräch mit dem Arzt ist genau das selbe wie im Kreisimpfzentrum“, sagt Wieland. Eine eingehende ärztliche Beratung sei ihnen wichtig.

Berthold Wieland, Arzt im Kreisimpfzentrum – und jetzt auch bei der IBO.
Berthold Wieland, Arzt im Kreisimpfzentrum – und jetzt auch bei der IBO. | Bild: Fabiane Wieland

Eingesetzt wird bei der IBO ausschließlich der Impfstoff von Johnson & Johnson – weil hier keine Zweitimpfung erforderlich ist. „Der Andrang ist noch nicht besonders groß“, sagt Berthold Wieland am ersten Messetag um die Mittagszeit. Bislang seien etwa zehn Menschen zur Impfung gekommen, andere hätten sich zumindest schon mal informiert. „Es waren auch Aussteller darunter, die sich eigenen Angaben zufolge erst am letzten Messetag impfen lassen wollen – wegen möglicher Impfreaktionen“, so der Arzt.

Ingrid Rittinger impft mit dem Impfstoff Johnson & Johnson.
Ingrid Rittinger impft mit dem Impfstoff Johnson & Johnson. | Bild: Fabiane Wieland

Für die nächsten Tage würde er sich durchaus noch etwas mehr Resonanz wünschen, erklärt er. An den jeweiligen Info-Countern an den Messeeingängen Ost und West steht Personal bereit, das sich um die Impfinteressierten kümmert.

Was ist bei der Messe dieses Mal noch anders?

Coronabedingt ist die Frühjahrsmesse IBO dieses Mal in den Sommer gerückt. Während normalerweise das gesamte Messegelände genutzt wird, sind es dieses Mal vier Messehallen und der Außenbereich. Täglich können 9500 Besucher die Messe besuchen. „Die letzten Monate waren hart. Wir sind sehr froh, dass wir nach zahlreichen Absagen und Verschiebungen jetzt endlich wieder Messen machen dürfen“, sagt IBO-Projektleiter Rolf Hofer.

Besucher in einer der vier Messehallen.
Besucher in einer der vier Messehallen. | Bild: Fabiane Wieland

Der Neustart sei wirklich schön und die Aussteller hätten realistische Erwartungen. „Es dürfte noch etwas mehr los sein. Wir freuen uns darauf, wenn sich das Messegelände in den nächsten Tagen hoffentlich noch füllt“, sagt Hofer. Das sehen auch einige Aussteller so. „Es ist wirklich sehr ruhig heute“, sagt etwa Jenny Geiger, die auf der IBO Selbstgenähtes anbietet. Zum Wochenende hin würden hoffentlich mehr Besucher kommen.

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Melitta Finke und Marietta Schwedt sind schon seit 30 Jahren regelmäßig als Ausstellerinnen bei der IBO. Sie führen ihre Küchenmaschine vor und vor ihrem Stand bleiben einige Besucher stehen. „Bei uns gibt es halt immer was zu Essen“, sagt Marietta Schwedt und lacht. Gerade heute Mittag sei es dennoch vergleichsweise ruhig, auch sie hofft daher auf das Wochenende – und besseres Wetter. Auch wenn die Erwartungen in diesem Jahr nicht so groß sind, „sind wir trotzdem gekommen – wir wollen auch wieder arbeiten“.

Die Ausstellerinnen Selina Löffler (links) und Lorena Schey.
Die Ausstellerinnen Selina Löffler (links) und Lorena Schey. | Bild: Fabiane Wieland

Noch laufe es schleppend, betont auch Selina Löffler am Stand der Sauschwänzlebahn. „Ich habe dieses Jahr keine besonderen Erwartungen. Es war klar, dass es weniger wird, als in den vergangenen Jahren – aber ein bisschen mehr darf es schon noch werden.“

Die Messe ist noch bis Sonntag, 11. Juli, täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, am Freitag mit Konzert bis 20 Uhr. Ausstellungsfläche: Halle B1-B4, Foyer West, Freigelände Ost und West. In den Hallen muss ein Mund-Nasenschutz getragen werden.