Gedanken über das Thema Selbstständigkeit hat sich Alexander Spitzmüller schon vor der Corona-Pandemie gemacht. „Die Situation hat mich dann erst mal ausgebremst und ich habe die Idee für ein Jahr auf Eis gelegt“, berichtet der Elektroinstallateur. Entscheidend sei dann ein Satz von Seiten der Handwerkskammer Ulm gewesen: Selbstständigkeit sei zu jeder Zeit mit Mut verbunden und eine absolute Sicherheit gebe es nicht.

Elektroinstallateur Alexander Spitzmüller aus Friedrichshafen hat sich parallel zur Festanstellung selbstständig gemacht.
Elektroinstallateur Alexander Spitzmüller aus Friedrichshafen hat sich parallel zur Festanstellung selbstständig gemacht. | Bild: Claudia Wörner

Ende April war es für den 42-jährigen Familienvater, der neben der Selbstständigkeit noch in einem Vollzeit-Arbeitsverhältnis ist, so weit. „Mein Anspruch ist, dass ich meinen Betrieb ohne Kredit aufbauen möchte, das heißt, alles, was ich im Moment verdiene, investiere ich sofort wieder“, sagt er. Die Pandemie habe zum Glück nie dazu geführt, dass Handwerker nicht mehr arbeiten dürfen. Trotzdem will Spitzmüller seine feste Stelle nicht von heute auf morgen kündigen, sondern mittelfristig eher reduzieren. „Im Moment bin ich meinem Arbeitgeber sehr dankbar für die Unterstützung.“

„Es war gut, ein Jahr abzuwarten, denn wegen Corona wurden im vergangenen Jahr alle Kurse abgesagt.“
Alexander Spitzmüller

Hauptgrund für seinen Schritt in die Selbstständigkeit sei die Chance auf Selbstverwirklichung. „Ich bin ein kreativer Mensch und möchte meine Ideen umsetzen“, erzählt er. Aktuell arbeitet Spitzmüller noch von zu Hause aus und lagert sein Werkzeug und die neu angeschafften Messgeräte im Keller. „Ich lege viel Wert auf qualitativ gutes Werkzeug und spare lieber am Fahrzeug“, so Spitzmüller. Auch eine Halle brauche er nicht.

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Aktuell bereitet er sich auf die Prüfung für den Sachkundenachweis für Elektrotechnik und Sicherheit vor. „Es war gut, ein Jahr abzuwarten, denn wegen Corona wurden im vergangenen Jahr alle Kurse abgesagt.“ Der Vorteil sei, dass er in dieser Zeit nochmals über alles genau nachdenken konnte. Wo er sich in zehn Jahren sieht? Die eigene Firma mit ein paar Angestellten wäre schon toll, antwortet Alexander Spitzmüller. Die Anstellung sei auf der anderen Seite natürlich sicherer. „Mein Ziel ist, hier einen guten Weg zu finden und über allem auch noch Zeit für meine Familie zu haben.“

Christine Eppler ist seit April in Kressbronn als medizinische Fußpflegerin selbstständig tätig. „Ich wollte mein eigener Herr sein, meine Zeit selbst einteilen und das explizit im medizinischen Bereich“, sagt die 57-Jährige, die davor in einem Pflegeheim tätig war und ursprünglich den Beruf der Industriekauffrau erlernt hat.

Christine Eppler aus Kressbronn hat sich am 1. April mit ihrer Praxis für medizinische Fußpflege selbstständig gemacht.
Christine Eppler aus Kressbronn hat sich am 1. April mit ihrer Praxis für medizinische Fußpflege selbstständig gemacht. | Bild: Claudia Wörner

Eine gute Freundin sei selbst in der Fußpflege tätig und habe sie bestärkt. „Ich habe einen Kurs an einer Fußpflegeschule absolviert, im Haus einen Raum schön eingerichtet und in die Geräte investiert“, berichtet sie. Zugute komme ihr auch eine spezielle Ausbildung im Bereich Hygiene, für den sie im Pflegeheim verantwortlich war.

„Ich war mir sicher, dass die Situation wieder besser wird.“
Christine Eppler, 57 Jahre, Kressbronn

Corona habe nur insofern eine Rolle gespielt, dass Christine Eppler die Ausbildung an der Fußpflegeschule erst später als geplant beginnen konnte. „Aber ich war mir sicher, dass die Situation wieder besser wird.“ Zum Start ihrer Fußpflegepraxis hat sie lediglich eine Anzeige geschaltet. „Seitdem ist meine Praxis ein absoluter Selbstläufer und die Mund-zu-Mund-Propaganda greift. Der Bedarf ist einfach da“, berichtet sie.

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Selbstverständlich gelte auch bei ihr die 3G-Regel und es werde eine Maske getragen. Am meisten freue sie sich jetzt über ihre Unabhängigkeit. Mit ihren 57 Jahren fühlt sie sich auch keinesfalls zu alt, um nochmals etwas Neues zu wagen. „Selbst zu planen und zu organisieren gibt mir ein tolles Gefühl und erfüllt mich, auch wenn die Arbeit durchaus zeitintensiv ist.“ Auch mit Blick auf die Corona-Situation im Herbst und Winter sei sie zuversichtlich.