Huhn Kunigunde ist eine von rund 51 Millionen Hennen in Deutschland, die nur einen Zweck im Leben haben: Eier zu produzieren. Und selbst dabei hatte sie ziemlich Pech, denn sie wurde in einen Stall mit Bodenhaltung geboren. Dort leben in einer riesigen, dunklen Halle rund 4000 Hühner. Die Vorgabe lautet: Pro Quadratmeter dürfen bis zu neun Hennen gehalten werden. Ihre Freundinnen aus der Käfighaltung haben es noch schlimmer erwischt. Denen bleibt ein bisschen mehr als ein DIN-A4-Blatt an Platz übrig. Und das ihr kurzes Legehennen-Leben lang.

Dieses Huhn hatte Glück – und wurde bei einer Rettungsaktion durch den Verein „Rettet das Huhn“ vor dem Schlachter bewahrt. Auch Huhn Kunigunde und ihre Freundinnen suchen noch Familien, die sie aufnehmen.
Dieses Huhn hatte Glück – und wurde bei einer Rettungsaktion durch den Verein „Rettet das Huhn“ vor dem Schlachter bewahrt. Auch Huhn Kunigunde und ihre Freundinnen suchen noch Familien, die sie aufnehmen. | Bild: Rettet das Huhn

Das Leben einer Legehenne endet nämlich spätestens nach 16 Monaten, wenn die Rentabilität, also ihre Legeleistung nachlässt. Dann geht es ab zum Schlachter, als „Abfallprodukt der Eierindustrie“, wie der Verein „Rettet das Huhn“ schreibt. Der Verein mit Hauptsitz in Wolfsburg hat eine Mission: Er will die ausrangierten Hennen vor dem Tod retten und sie zu Hühnerfreunden vermitteln. Rund 12 000 Hennen bekommen auf diesem Weg jährlich ein neues Zuhause. Auch Zuchthähne werden vermittelt.

Diese beiden Legehennen werden in einer Katzentransportbox ins Gockeltaxi verladen – und an einen Übergabeort gebracht, wo die künftigen Besitzer sie in Empfang nehmen.
Diese beiden Legehennen werden in einer Katzentransportbox ins Gockeltaxi verladen – und an einen Übergabeort gebracht, wo die künftigen Besitzer sie in Empfang nehmen. | Bild: Rettet das Huhn

„Am 30. Oktober steht die Rettung tausender Hühner aus einem Bodenhaltungsbetrieb in Süddeutschland an – und hierfür werden dringend Abnehmer gesucht“, erklärt Carmen Martinovic, Hühnerretterin vom Team Alb. Dieses Mal handle es sich um einen Bodenhaltungsbetrieb, die Hühner seien alle erst rund ein Jahr alt. Darunter sind auch Huhn Kunigunde und ihre Freundinnen.

„Die Aktion ist mit dem Stallbesitzer abgesprochen, er will, dass wir so viele Hühner wie möglich retten“, erklärt Martinovic. Ehrenamtliche Helfer holen die Hühner aus dem Stall, checken, ob sie gesund sind. Kranke Hühner gehen zunächst an Pflegestationen. „Wir vermitteln die Hühner bereits im Vorfeld“, so die Hühnerretterin, „und übergeben sie dann an bestimmten Übergabeorten.“

Wer kann ein Huhn wie Kunigunde aufnehmen?

Vermittelt werden Kunigunde und ihre Freundinnen immer mindestens zu dritt. Sind schon Hühner vorhanden, können auch zwei Hennen abgenommen werden. Maximal 15 Hühner werden an einen Halter vermittelt. „Jedes Huhn braucht etwa zehn Quadratmeter Auslauf und für drei, vier Hühner braucht man einen abschließbaren Stall mit rund einem Quadratmeter“, erklärt Hühnerretterin Martinovic.

Der Garten muss also gar nicht so groß sein, um Hühner zu halten. Allerdings sollte das Gehege vor Fressfeinden gut geschützt sein. Eine weitere Voraussetzung des Vereins ist, dass die künftigen Besitzer auch mal zum Tierarzt gehen, wenn ein Tier krank ist. Das Schlachten wird per Schutzvertrag ausgeschlossen. Der Verein vermittelt übrigens auch an Anfänger in der Hühnerhaltung – und Menschen, die bereits Hunde und Katzen haben. Bei Carmen Martinovic beispielsweise springen Hund, Katze und Hühner gemeinsam im Garten herum. Wenn Hunde aber einen starken Jagdtrieb haben, müssen die Hühner geschützt werden, sagt sie.

Happy End im neuen Zuhause: Diese süßen Hühner hatten richtig Glück und dürfen ihr restliches Leben im Grünen verbringen. Wenn auch Sie Platz für Hühner haben, melden Sie sich per Formular beim Verein „Rettet das Huhn“.
Happy End im neuen Zuhause: Diese süßen Hühner hatten richtig Glück und dürfen ihr restliches Leben im Grünen verbringen. Wenn auch Sie Platz für Hühner haben, melden Sie sich per Formular beim Verein „Rettet das Huhn“. | Bild: Rettet das Huhn

Wie viel Arbeit macht Hühnerhaltung?

„Hühner sind recht anspruchslos. Sie brauchen täglich frisches Futter und Wasser und man sollte sich Hühner auch einmal pro Tag anschauen“, berichtet Hühnerhalterin Martinovic. Sie mache den Stall morgens und abends ein bisschen sauber – und spare sich so das komplette Ausmisten. In Summe seien es etwa 20 Minuten pro Tag, die Hühnerhalter einplanen müssten. „Viele Abnehmer kümmern sich aber viel länger am Tag um die Hühner, denn die werden natürlich zu Familienmitgliedern und es macht ja auch wahnsinnigen Spaß sich mit den Hühnern zu beschäftigen“, sagt sie.

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So werden auch Sie Hühnerretter

Wenn Sie Interesse an Huhn Kunigunde und ihren Freundinnen haben, melden Sie sich am besten per Kontaktformular im Internet für die Open-End-Rettung unter www.rettet-das-huhn.de an. Dort gibt es auch Kontakte zu allen Ansprechpartnern und viele Informationen rund ums Thema Hühnerhaltung. Der Verein bittet darum, zwei bis drei Fotos vom künftigen Stall und Gehege mitzuschicken, damit sich die Hühnerretter ein Bild von der Lage vor Ort machen können. Der SÜDKURIER begleitet die Übergabe – und berichtet darüber, wie es den Hühnern in ihrem neuen Zuhause geht.

Und wer keine Möglichkeit hat, Hühner aufzunehmen – und den Verein dennoch unterstützen will, kann auch spenden: Rettet das Huhn e.V., IBAN: DE80 4605 0001 0001 2700 40, BIC: WELADED1SIE, Sparkasse Siegen.

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