Die Hitzewelle rollt über Deutschland: Für Dienstag gelten Hitzewarnungen, am Bodensee sollen die Temperaturen auf bis zu 34 Grad steigen und auch für den Rest der Woche wird in der Region vor allem die Sonne dominieren. Sonne pur und wenig Regen lassen allerdings auch die Gefahr für Waldbrände in die Höhe schnellen.

„Wir haben jetzt seit einigen Tagen durch die Trockenheit und gelegentlichen Wind eine sehr hohe Waldbrandgefährdung“, sagt Martin Scheerer, Sprecher des Kreisfeuerwehrverbands Bodenseekreis. Im Waldbrand-Gefahrenindex des deutschen Wetterdienstes schwanke diese für die Region derzeit zwischen Stufe drei und der höchsten Warnstufe fünf.

Auch Flächenbrände können verheerend sein

Durch die Trockenheit steige dabei nicht nur die Gefahr für den Wald, sondern allgemein für die Vegetation, also auch Wiesen und Felder, „wo ein Feuer auch verheerend sein kann“, wie Scheerer sagt. Diese Flächen seien wichtige Lebensräume für Tiere sowie Produktionsraum für die Landwirtschaft, die es zu schützen gelte.

Mit anhaltender Trockenheit steigt auch die Brandgefahr für Wiesen und Felder.
Mit anhaltender Trockenheit steigt auch die Brandgefahr für Wiesen und Felder. | Bild: Fabiane Weiland

Während Einsatzkräfte in Teilen Südeuropas bereits seit Tagen wieder gegen verheerende Waldbrände kämpfen, waren große Wald- und Flächenbrände laut Martin Scheerer im Bodenseekreis in der Vergangenheit noch kein großes Thema. „Gelegentlich kommt es mal zu kleineren Wald- oder Schilfbränden. Diese Brände haben bislang aber nie über Tage gedauert und konnten gut nach den vorhandenen Standards gelöscht werden“, so der Sprecher des Kreisfeuerwehrverbands.

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Auch in Friedrichshafen hatten die Einsatzkräfte in den vergangenen Hitzetagen bis auf ein Ereignis bislang keine nennenswerten Vorkommnisse aufgrund der Trockenheit. „Am vergangenen Donnerstag hatten wir im Bereich der Lindauer Straße entlang der Bahnlinie einen Vegetationsbrand, der aber schnell und ohne großen Fahrzeug- und Personalaufwand abgearbeitet werden konnte“, heißt es dazu von der Stadt.

Trockenheit kann sogar im Winter zur Gefahr werden

Generell müsse man, sagt Feuerwehrsprecher Martin Scheerer, aber wohl damit rechnen, dass es vermehrt zu Bränden in der Vegetation kommen wird: „Der Klimawandel wird uns sicher mehr Trockenperioden bescheren.“ Selbst etwas Regen dazwischen bringe nicht immer Entspannung, da dieser meist nicht ausreiche, um eine komplette Durchfeuchtung des Bodens zu bewirken. „Diese Trockenheit kann selbst im Winter zur Gefahr werden“, betont er.

Martin Scheerer, Sprecher des Kreisfeuerwehrverbands und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Markdorf.
Martin Scheerer, Sprecher des Kreisfeuerwehrverbands und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Markdorf. | Bild: Jörg Büsche

Die Einsatzkräfte bereiten sich auf solche möglichen Szenarien entsprechend vor. „Derzeit werden vermehrt Seminare mit dem Thema Vegetationsbrände angeboten“, erläutert Martin Scheerer. Dabei könnten sich Feuerwehren informieren, inwiefern andere Ausrüstung und Taktik ein besseres Ergebnis bringt. So helfen beispielsweise Drohnen, um schnell und effektiv einen Brandherd zu erkunden. Zudem werde die interkommunale Zusammenarbeit durch gemeinsam Übungen verbessert.

„Hier braucht man dann auch viel Manpower und Reserven, da solche Einsätze bei den entsprechenden Temperaturen sehr anstrengend sind.“
Martin Scheerer

Waldbrand sei dabei nicht gleich Waldbrand. „Es kann beispielsweise nur auf dem Boden brennen und die Bäume selbst sind nicht betroffen. Es gibt aber auch Wipfelfeuer, bei denen sich das Feuer in den Baumkronen weiterfrisst.“ Letztlich komme es auf sehr viele Parameter an, etwa auf die Topografie oder die Windstärke, sagt Martin Scheerer über die Besonderheit solcher Einsätze. Erschwert werden könnten sie durch die Abgelegenheit eines Brandorts, etwa an Stellen, die nicht oder nur schwer mit großen Feuerwehrfahrzeugen erreichbar sind.

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„Hier braucht man dann auch viel Manpower und Reserven, da solche Einsätze bei den entsprechenden Temperaturen sehr anstrengend sind. Man muss auch damit rechnen, dass solche Einsätze über Tage dauern, wenn Glutnester immer wieder neu aufflammen.“ Auch für die Feuerwehr Friedrichshafen stellt die Zugänglichkeit die größte Herausforderung dar, „etwa durch unwegsame Wald- oder Feldwege in den betroffenen Bereichen“. Meist könne man nicht wie bei einem Brandereignis im Stadtgebiet bis unmittelbar vor die Einsatzstelle fahren. Hinzu kommt, dass in betroffenen Gebieten meist keine Wasserversorgung zur Verfügung steht. „Hier muss zum Beispiel das Löschwasser über einen sogenannten Pendelverkehr eingerichtet werden“, so die Stadt.

Was sollten die Menschen bei Trockenheit beachten?

„Wichtig wäre schon der gesunde Menschenverstand“, sagt Martin Scheerer. Dazu gehört insbesondere, bei entsprechender Waldbrandgefahrenstufe keine Feuer in der Natur zu machen, teilweise gelten auch für Grillplätze entsprechende Verbote. „Denn der Funkenflug ist nicht zu vernachlässigen“, wie Scheerer betont. Rauchen und natürlich das Wegschnippen der Zigarettenkippen in die Natur sollte ein absolutes Tabu sein. Generell gilt nach dem Landeswaldgesetz ein Rauchverbot im Wald von 1. März bis 31. Oktober. „Neben absichtlicher Brandlegung sind das vermutlich die häufigsten Gründe für Waldbrände“, sagt der Feuerwehrsprecher.

Die wichtigsten Tipps im Überblick

  • Werfen Sie keine Zigaretten oder andere brennende Gegenstände in die Natur – erst recht nicht aus dem Fahrzeug! Schnell kommt es zu einem Böschungsbrand an Autobahnen und anderen Straßen.
  • Lassen Sie niemals Fahrzeuge mit heißen Abgasanlagen auf trockenen Feldern oder Wiesen stehen. Es besteht die Gefahr, dass sich die Vegetation daran entzündet. Dies betrifft neben allen Modellen mit am Fahrzeugboden liegenden Katalysatoren (viele Pkw mit Otto-Motoren) künftig auch immer mehr Fahrzeuge mit der Abgasnorm Euro VI. Werden diese in den Regenerationsmodus geschaltet, können sehr hohe Temperaturen auftreten.
  • Grillen Sie in der Natur nur auf dafür ausgewiesenen Plätzen. Respektieren Sie Verbote zum Beispiel in Waldbrand gefährdeten Gebieten.
  • Melden Sie Brände oder Rauchentwicklungen sofort über Notruf 112. Hindern Sie Entstehungsbrände durch eigene Löschversuche an der weiteren Ausbreitung, wenn Sie sich dabei nicht selbst in Gefahr bringen.
  • Halten Sie Zufahrten frei.