Wenn Kinder Probleme haben, lesen und schreiben zu lernen, ist das oft für die ganze Familie eine belastende Situation. Das Kind tut sich in der Schule viel schwerer als andere und daraus entstehen nicht selten große Probleme für das Kind. Dabei sind etwa sechs bis sieben Prozent aller Menschen Legastheniker – das Kind ist mit seiner Lese-Rechtschreib-Störung also nicht allein. Der SÜDKURIER gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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Hat mein Kind eine Legasthenie?

Eine Legasthenie, also eine Lese-Rechtschreib-Störung (LRS), wird meist im zweiten Halbjahr des zweiten Schuljahrs diagnostiziert. Wenn ein Kind zu diesem Zeitpunkt nur äußert mühsam lesen können und immer noch Buchstaben verdreht und vertauscht, gilt es, aufmerksam zu werden. Legastheniker lesen sehr stockend, oft undeutlich, lassen Wörter, Wortteile oder Buchstaben aus, fügen willkürlich welche hinzu oder verdrehen und vertauschen diese. Bei manchen Kindern fällt bereits im Vorschulalter auf, dass sie Probleme mit Silben oder Lauten haben. Die detaillierten Symptome dieser Lernstörung, die medizinisch als Entwicklungsstörung nicht als Krankheit klassifiziert wird, listet der Bundesverband für Legasthenie und Dyskalkulie (Rechenstörung) hier auf.

Wenn Sie Ihrem Kind die LRS erklären wollen, eignet sich das Video der 'Sendung mit der Maus' zum Thema.

Warum hat ausgerechnet mein Kind eine Legasthenie?

Die Legasthenie ist ein komplexes Störungsbild und die Ursachen sind noch nicht komplett geklärt. Vielmehr scheint es mehrere Gründe zu geben, beispielsweise genetische Veranlagung. Forschungen haben ergeben, dass häufig genetische Veränderungen im Gehirn vorliegen und bestimmte Gehirnregionen, die mit der die mit der sprachlichen Verarbeitung, der Buchstaben-Laut-Zuordnung und der Wortverarbeitung in Verbindung stehen, gestört funktionieren. Der Verlauf dieser Störung kann allerdings durch einen mangelhaften Grundschulunterricht oder umstrittene Lernmethoden (z.B FRESCH-Lernmethode, Schreiben nach Gehör) verstärkt werden und wird maßgeblich davon beeinflusst, wie familiär und schulisch damit umgegangen wird.

Ist eine Legasthenie erblich?

Ja, mittlerweile weiß man, dass die Erblichkeit der Lese- und Rechtschreibfähigkeit bei etwa 60 bis 70 Prozent liegt. Ist ein Elternteil von einer Lese-Rechtschreibstörung betroffen, besteht für dessen Nachwuchs ein deutlich erhöhtes Risiko. Sind beide Elternteile betroffen, ist das Risiko noch höher.

Wer diagnostiziert die Legasthenie?

Bei Anzeichen einer LRS sollten die Eltern in Absprache mit dem Lehrer einen Kinder- und Jugendpsychiater aufsuchen, um eine fundierte medizinische Diagnose machen zu lassen. Der beste Zeitpunkt ist in der zweiten Klasse, zweites Schulhalbjahr. Vorher sind die Diagnosen zu unsicher. Anhand verschiedener standardisierter Testverfahren überprüft der Psychiater, was genau vorliegt und gibt eine Empfehlung zu Therapiemöglichkeiten.

Was ist eine Legasthenie-Therapie?

Vorweg: Eine LRS ist nicht heilbar, ihr Verlauf kann aber durch eine gezielte Therapie positiv beeinflusst werden. In einer Therapie lernen die Kinder bei einem geschulten Lerntherapeuten Strategien, um mit ihrer Störung umzugehen. Auch für Erwachsene ist eine Therapie noch sinnvoll. Für die Förderung bei Legasthenie sind in der medizinischen S3-Leitlinie klare Richtlinien benannt. Wichtig ist dabei, dass die Therapie direkt an den Schwierigkeiten ansetzt.

Wo finde ich einen guten Therapeuten?

Der Begriff LRS-Therapeut oder Lerntherapeut ist rechtlich nicht geschützt. Das heißt: jeder darf sich so nennen. Der BVL hat daher einen definierten Weiterbildungsstandard erarbeitet, der Eltern hilft einen qualifizierten und spezialisierten Therapeuten zu finden.

Wer finanziert die Therapie?

In der Regel müssen die Eltern die Kosten für eine Legasthenie-Therapie selbst übernehmen. Liegt zusätzlich zur LRS ein (drohendes) psychiatrisches Störungsbild vor, kommt das örtliche Jugendamt mit ins Spiel, also die Jugendhilfe, bei der man einen Antrag auf „Eingliederungshilfe“ stellen kann. Wird dieser bewilligt, trägt das Jugendamt die Kosten für die Therapie. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten grundsätzlich nicht. Sie kommen aber für die Kosten der Therapie von seelischen und körperlichen Begleiterkrankungen auf, die nicht selten infolge einer LRS entstehen.

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