Seit einigen Monaten sind sie wieder da: die Kennzeichen TT und ÜB. Im Oktober 2019 hatte der Kreistag im vierten Anlauf einer Wiedereinführung der Altkennzeichen im Bodenseekreis zugestimmt. Ab Anfang Februar wurden die Kennzeichen von den Zulassungsbehörden ausgegeben – bis heute kamen so 2571 TT- und 4051 ÜB-Kennzeichen zusammen. Künftig könnten allerdings nicht nur im Bodenseekreis weitere ÜB-Kennzeichen im Straßenverkehr hinzukommen, auch im Kreis Ravensburg werden ab dem 22. Juli auf Wunsch Schilder mit dem Kürzel ÜB ausgegeben. Warum denn das?

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Um diese Frage zu beantworten, ist ein Blick in die Vergangenheit notwendig. Kleine Teile des heutigen Landkreises Ravensburg gehörten einst zum Kreis Überlingen. Adelsreute beispielsweise, heute einer der vier Ortsteil von Taldorf und Teil der Stadt Ravensburg (bis auf den Ortsteil Tepfenhart), war einst eine badische Exklave in einem ansonsten württembergischen Gebiet, erklärt Taldorfs Ortsvorsteher Vinzenz Höss. Erst 1969 wurde der Ort, der bis dahin zum Landkreis Überlingen zählte, dem Kreis Ravensburg angeschlossen.

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Ehemals badische Ortsteile von Wilhelmsdorf

Auch im heutigen Wilhelmsdorf (Kreis Ravensburg) finden sich ehemals badische Ortsteile: Höhreute, Niederweiler und Tafern. „Höhreute zum Beispiel gehörte zunächst zur früheren badischen Gemeinde Illwangen – und das bis 1971“, erklärt Gerhard Fetscher vom Grenzsteinmuseum in Ostrach. Von 1971 bis 1973 zählte Höhreute zur Gemeinde Illmensee, entnimmt der Heimatforscher einem historischen Ortslexikon (Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden). Illmensee war wiederum von den 1930ern bis zur Kreisreform in den 70er Jahren Teil des einstigen Landkreises Überlingen. Während Illmensee heute zum Kreis Sigmaringen zählt, gehören Höhreute, Niederweiler und Tafern seit den 70er Jahren zur Gemeinde Wilhelmsdorf – und damit zum Kreis Ravensburg.

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Vier Optionen für Kennzeichen

Für die Wiedereinführung des Altkennzeichens ÜB bedeutet das: In einigen Ortschaften des heutigen Landkreises Ravensburg waren Autos in der Vergangenheit tatsächlich mit einem ÜB-Kennzeichen unterwegs. Jetzt sollen diese auf Wunsch wieder an der Stoßstange angebracht werden dürfen. Neben dem ÜB stehen im Kreis Ravensburg die Kennzeichen der Altkreise Wangen (WG) und Saulgau (SLG) zur Verfügung. Der Kreistag in Ravensburg hatte am 19. November für eine Wiedereinführung gestimmt. Ab dem 22. Juli haben die Bürger aus dem Landkreis Ravensburg damit unabhängig von ihrem Wohnort die Möglichkeit, ihr Fahrzeug alternativ zum amtlichen Kennzeichen RV auch auf die Altkennzeichen SLG, ÜB oder WG zuzulassen, teilt das Ravensburger Landratsamt in einem Pressetext mit.

Reservierungen sind ab sofort möglich

Bereits ab 15. Juli können auf der Internetseite des Landkreises gebührenpflichtige Reservierungen vorgenommen werden. Telefonische Reservierungsanfragen oder Anfragen per E-Mail können laut Kreisbehörde dabei nicht berücksichtigt werden. Die reservierten Kennzeichen sind für 180 Tage geblockt und müssen nicht sofort abgeholt werden. Das Bürgerbüro habe in den vergangenen Wochen intensiv daran gearbeitet, die Wiedereinführung der Altkennzeichen trotz der momentanen Corona-Situation schnellstmöglich umzusetzen, heißt es im Pressetext des Landratsamts weiter. Die Altkennzeichen SLG, ÜB und WG ohne besondere Buchstaben- oder Zahlenkombinationen sind keine gebührenpflichtigen Wunschkennzeichen und werden ab dem 22. Juli nach Verfügbarkeit zufällig vergeben.

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Werden also auch in Adelsreute schon bald wieder ÜB-Kennzeichen zu sehen sein? Ortsvorsteher Vinzenz Höss kann sich das durchaus vorstellen. „Viele Bewohner sind bis heute stolz darauf, dass Adelsreute eine badische Exklave war“, erzählt er. Und so gehöre auch das Badnerlied bei besonderen Anlässen bis heute zum Repertoire.