Die Zahl der Geflüchteten steigt weltweit an. Vermehrt werden bundesweit Flüchtlingsunterkünfte aufgestockt. Und auch im Bodenseekreis steigen die Zahlen. Während zwischen Juli 2020 und Juli 2021 durchschnittlich etwa 15 Geflüchtete pro Monat im Landkreis aufgenommen wurden, liegt die Zahl seit Juli bei monatlich etwa 30 Migranten.

Aktuell 130 freie Plätze in Flüchtlingsunterkünften

Für November rechnet das Landratsamt sogar mit etwa 60 Geflüchteten. „Aufgrund der gestiegenen Zuweisungszahlen im Herbst rechnen wir mit weiterhin hohen Neuaufnahmezahlen im Herbst und Winter“, kündigt Robert Schwarz an. Für Geflüchtete könnte es in den kommenden Monaten also eng werden. Denn von 609 Plätzen in den 18 Gemeinschaftsunterkünften im Bodenseekreis sind aktuell nur etwa 130 Plätze frei.

Die größte Flüchtlingsunterkunft in Friedrichshafen ist das Gebäude in der Friedrichstraße 1. Seit Juli 2017 sind dort Geflüchtete untergebracht.
Die größte Flüchtlingsunterkunft in Friedrichshafen ist das Gebäude in der Friedrichstraße 1. Seit Juli 2017 sind dort Geflüchtete untergebracht. | Bild: Mona Lippisch

Eine Unterkunft, in der es noch freie Plätze gibt, ist das Gebäude in der Friedrichstraße 1 in Friedrichshafen. Zurzeit leben dort 38 Geflüchtete, Platz gibt es für 46. Zuständig für die Aufnahme und Unterbringung der Geflüchteten ist Michael Stratil vom Landratsamt Bodenseekreis. Er berichtet: „Es gibt noch einzelne Zimmer, die nicht komplett belegt sind. Wir versuchen momentan, die Bewohner so umzuverteilen, dass komplette Zimmer frei werden.“ Denn in den vergangenen Monaten kamen vermehrt geflüchtete Familien und die könne man nicht „zerreißen“ und in getrennten Räumen unterbringen.

Blick in ein unbewohntes Zimmer in der Flüchtlingsunterkunft in der Friedrichstraße. Zuletzt wurde der Raum als Notzimmer genutzt, etwa in Fällen von häuslicher Gewalt. Künftig wird es das Zimmer für zwei Geflüchtete sein.
Blick in ein unbewohntes Zimmer in der Flüchtlingsunterkunft in der Friedrichstraße. Zuletzt wurde der Raum als Notzimmer genutzt, etwa in Fällen von häuslicher Gewalt. Künftig wird es das Zimmer für zwei Geflüchtete sein. | Bild: Mona Lippisch

Wie Michael Stratil erklärt, werde die Belegung in den Unterkünften in den kommenden Wochen bestmöglich optimiert. „Notfalls können Bewohner auch in eine ganz andere Unterkunft in eine andere Stadt oder Gemeinde verlegt werden“, erklärt er. Letzteres sei jedoch häufig mit vielen Diskussionen und Überzeugungsarbeit verbunden. Stratil weiß: „Wenn die Menschen schon lange in einer Unterkunft wohnen, möchten sie dort natürlich gerne bleiben.“

Aus dieser Abstellkammer wird künftig wohl ein Einbettzimmer werden. Mindestens 7 Quadratmeter Wohnfläche pro Bewohner sind laut Michael Stratil derzeit rechtlich für Flüchtlingsunterkünfte festgelegt.
Aus dieser Abstellkammer wird künftig wohl ein Einbettzimmer werden. Mindestens 7 Quadratmeter Wohnfläche pro Bewohner sind laut Michael Stratil derzeit rechtlich für Flüchtlingsunterkünfte festgelegt. | Bild: Mona Lippisch

Sieben Quadratmeter Wohnfläche pro Bewohner

Wie Stratil erklärt, sind in den Flüchtlingsunterkünften aktuell mindestens sieben Quadratmeter Fläche pro Bewohner vorgesehen. „Die Fläche wurde während der Flüchtlingskrise 2015/2016 kurzfristig auf vier Quadratmeter heruntergesetzt“, sagt Stratil. „Es könnte natürlich sein, dass es so eine Reduzierung irgendwann erneut gibt.“

Michael Stratil vom Landratsamt Bodenseekreis ist für die Flüchtlingsunterkunft in der Friedrichstraße 1 in Friedrichshafen zuständig.
Michael Stratil vom Landratsamt Bodenseekreis ist für die Flüchtlingsunterkunft in der Friedrichstraße 1 in Friedrichshafen zuständig. | Bild: Mona Lippisch

Momentan jedoch reicht der Platz in den Unterkünften im Landkreis noch aus, betont Stratil. Dennoch gebe es ein Problem: „Wir haben keine konkreten Zahlen. Wir wissen nicht, wie viele Geflüchtete in den kommenden Monaten im Bodenseekreis untergebracht werden müssen.“

Robert Schwarz, Pressesprecher Landratsamt Bodenseekreis: „Wir haben aktuell keine weiteren Unterkünfte in Planung oder der Hinterhand.“
Robert Schwarz, Pressesprecher Landratsamt Bodenseekreis: „Wir haben aktuell keine weiteren Unterkünfte in Planung oder der Hinterhand.“ | Bild: Landratsamt Bodenseekreis

Ähnlich wie Michael Stratil beschreibt es Landratsamtssprecher Robert Schwarz. Er sagt, es gebe keine klaren Prognosen über die Anzahl der Migranten. „Ob wir aufstocken müssen, hängt sowohl von den Zuweisungszahlen der kommenden Monate sowie der Aufnahmebereitschaft der Städte und Gemeinden im Kreis ab“, sagt Schwarz. „Wir haben aktuell keine weiteren Unterkünfte in Planung oder der Hinterhand.“

Das könnte Sie auch interessieren