Während Bootsbesitzer am österreichischen Bodenseeufer mit ihren Schiffen unter Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen beispielsweise wieder auf den See fahren können, sind Yacht- und Sportboothäfen – die laut Corona-Verordnung unter Sportanlagen fallen – am baden-württembergischen Ufer des Bodensees nach wie vor geschlossen. Nach einer Änderung der Verordnung ist neben Kontrollbesuchen am Boot jetzt auch wieder das Ein- und Auswassern erlaubt, mehr ist Freizeitkapitänen im Hafen allerdings nicht gestattet. Wieder andere Regelungen gelten in Bayern und in der Schweiz.

Grundsätzlich gilt: Mit dem Boot auf dem Bodensee unterwegs zu sein ist nicht verboten. Die Nutzung der Bundeswasserstraßen und der Landesgewässer in Baden-Württemberg sei „zum Freizeitzweck auch aus verkehrlichen Gründen nicht formell untersagt“, schreibt die Wasserschutzpolizeidirektion. Dennoch seien die Bestimmungen der Corona-Verordnung auch beim Wassersport zu beachten.

Symbolbild
Symbolbild | Bild: Fabiane Wieland

„So ist ein Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Personen als Schutzmaßnahme im öffentlichen Raum für sich und andere einzuhalten. Ebenfalls sind die geltenden Regelungen zu Fahrten und Reisen zu berücksichtigen“, schreibt die Polizei. Außerdem könne es örtlich zu Einschränkungen oder Verboten kommen. Beispiele seien Schließungen, Sperrungen oder Aufenthaltsverbote. „Es ist daher ratsam, sich vor Antritt der Fahrt bei den örtlich zuständigen Behörden oder den Wasserschutzpolizeien zu informieren“, so die Polizeidirektion weiter.

Kein generelles Verbot auf dem Bodensee

Während es also kein generelles Verbot dafür gibt, mit dem eigenen Boot auf dem See unterwegs zu sein, gibt es am Bodensee allerdings andere Einschränkungen für Wassersportler. Michael Behrendt, Leiter der Wasserschutzpolizei-Station Friedrichshafen, erklärt auf Nachfrage, dass es Freizeitkapitänen hierzulande derzeit nicht erlaubt ist, mit dem Boot aus einem Hafen auszulaufen. Auch das Landratsamt teilt mit: „In Baden-Württemberg dürfen die Häfen nur aus beruflichen Gründen – beispielsweise durch Berufsfischer oder für Bootsarbeiten durch Gewerbetreibende – genutzt werden und natürlich in Notfällen.“ Bootsvermietungen und der Unterrichtsbetrieb in Segelschulen sind ebenfalls nicht mehr gestattet.

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Zunächst hieß es: „Bootsliegeplätze, die von einer öffentlichen Straße zugänglich sind, sind keine Yachthäfen und damit keine Sportstätten.“ Gelten hier also für Bootsbesitzer andere Regelungen? Nach Angaben von Pressesprecher Robert Schwarz gibt es diese Regelung mit der aktualisierten Verordnung nicht mehr. „Das war eine Interpretation der Verordnung durch das Verkehrsministerium, die am Bodensee aber eher für Verwirrung gesorgt hat“, so Schwarz. Und was ist mit Bojenplätzen? „Das Bojenfeld selbst zählt nicht zu den gesperrten Sportstätten. Wenn es jedoch dazu ein Vereinsgelände an Land gibt, zählt dieses als Sportstätte“, so die Behörde.

Hafenanlagen wurden geschlossen. Im Bild der Überlinger Sportboothafen-Ost.
Hafenanlagen wurden geschlossen. Im Bild der Überlinger Sportboothafen-Ost. | Bild: Hanspeter Walter

Andere Beispiele: Von einem Privatgrundstück aus kann ein Boot genutzt werden. Auch mit einem Kanu oder einem Stand-up-Board sei der Zugang zum See über einen nicht gesperrten Uferbereich grundsätzlich möglich, sagt Robert Schwarz: „Allerdings gilt auch hier, was vermeidbar ist, sollte derzeit vermieden werden.“ Die aktuellen Regelungen gelten bis 19. April. „Dann werden wir sehen, wie es weiter geht“, so Friedrichshafens Wapo-Chef Michael Behrendt. Bei möglichen Lockerungen habe allerdings der Wassersport voraussichtlich nicht die oberste Priorität.

So ist die Situation in Bayern

Auch dort berichtet das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West von Einschränkungen im Wassersport. Was heißt das konkret? In Bayern darf die Wohnung momentan nur verlassen werden, wenn ein triftiger Grund vorliegt. Neben einem Arztbesuch, dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen zählen hierzu auch Sport und Bewegung an der frischen Luft, allerdings „ausschließlich alleine oder mit Angehörigen des eigenen Hausstands“, heißt es im Pressetext des Polizeipräsidiums. Das gilt auch auf allen Landesgewässern, also auch auf dem Bodensee.

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Gesperrt bleiben in Bayern momentan Sportboothäfen, Vereinsgelände, Trockenliegeplätze, Bootshallen, Wasserski- und Wakeboardanlagen. Damit können auch die dort abgestellten Boote nicht genutzt werden. Die Vermietung von Booten dient laut Mitteilung ebenfalls der Freizeitgestaltung und ist daher verboten. Der Betrieb von Bootskränen ist grundsätzlich nur gewerblich zulässig. Arbeiten an Booten stellen nach Angaben der Polizei keinen triftigen Grund zum Verlassen des eigenen Hauses dar.

Kurios: Angeln auch vom Motorboot aus erlaubt

Das Einwassern von Booten sei lediglich in öffentlich zugängigen Bereichen, etwa an öffentlichen Slipstellen, zulässig. Weil in Bayern Sport und Bewegung an der frischen Luft möglich ist, sind auch Bootfahren mit Segel- oder Ruderbooten erlaubt. Auch Stand-up-Paddeln, Kite- und Windsurfen sind erlaubt. Der Betrieb von „maschinengetriebenen Sportbooten“ ist laut Polizei dagegen nicht zulässig. Die Fahrt mit dem Motorboot falle nicht unter den Bereich der sportlichen Betätigung. Kurios: Angeln ist entsprechend der jeweiligen Fischereierlaubnisauflagen auch vom Ruder- oder Motorboot aus gestattet. Zu beachten ist nach Angaben des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West: „Bei der Ausübung des Wassersports kommt es immer wieder zu Rettungseinsätzen, bei denen Wasserwacht, DLRG, Rettungsdienste, Feuerwehr und Polizei eingebunden werden. Deren Einsatz wird gerade jetzt insbesondere anderweitig gebraucht.“