Trotz Corona, trotz der Verschiebung um ein Jahr, trotz des verspäteten Starts und des anfänglichen Verbots von Veranstaltungen und trotz des launischen Wetters ziehen die Veranstalter der Landesgartenschau Überlingen eine positive Bilanz. Gut zweieinhalb Wochen vor dem Abschluss der Schau teilte Überlingens Oberbürgermeister Jan Zeitler nun mit, dass bis zum Ende knapp 700 000 Besuche erwartet würden. Bislang zählte man 612 000 Besuche. Bis zum Abschluss am 17. Oktober werde diese Zahl voraussichtlich auf knapp 700 000 steigen. Zeitler: „Ich verspüre ein hohes Maß an Dankbarkeit.“

Am kommenden Sonntag, 3. Oktober, werden noch einmal tausende Besucher erwartet, zu einer spektakulären Aktion. Achim Mende, SÜDKURIER-Fotograf, lässt einen Kameraballon bis in die Stratosphäre steigen, bis zu 35 Kilometer über dem Boden, sofern das Wetter mitspielt. Der Start ist um 14 Uhr vorgesehen, im westlichen Bereich des Uferparks. „Von der Landesgartenschau ins Weltall“, lautet das Motto, das Mende ausgegeben hat.

Staatssekretärin Sabine Kurtz: „Die Landesgartenschau in Überlingen war ein einmaliges Projekt für die Region, das von einem herausragenden ehrenamtlichen Engagement getragen wurde.“
Staatssekretärin Sabine Kurtz: „Die Landesgartenschau in Überlingen war ein einmaliges Projekt für die Region, das von einem herausragenden ehrenamtlichen Engagement getragen wurde.“ | Bild: Hilser, Stefan

Nicht unbedingt in der ganzen Galaxie, aber über Baden-Württemberg hinaus wurde die Landesgartenschau bekannt. Je länger die Schau dauerte, umso öfter sei Schweizer Dialekt zu hören gewesen, sagte LGS-Geschäftsführerin Edith Heppeler in einer Abschluss-Pressekonferenz am Mittwoch. Man führe zwar keine Statistik über die Herkunft der Besucher, sagte ihr Geschäftsführerkollege Roland Leitner, doch könne er alleine an den Autonummern der Besucher und an der Herkunft der 1000 Reisebusse ablesen, „dass wir deutlich weiter ausstrahlen als das andere Landesgartenschauen bislang machten“.

8,52 Millionen Euro Einnahmen erwartet

Bei den Einnahmen werde die Schau voraussichtlich die vor der Pandemie festgesetzten Vorgaben erreichen, sagte Leitner. Erwartet wurden für dieses Jahr etwa 7,6 Millionen Euro, tatsächlich nehme man bis zum Ende der Schau 8,52 Millionen Euro ein. Einen hohen Anteil an den Einnahmen haben die Dauerkarten. 7100 wurden kalkuliert, bis zuletzt wurden 17 000 Dauerkarten verkauft. Dazu eine kleine Statistik: Die meisten Dauerkartenbesucher, fast 10 000 von ihnen, besuchten die Schau bis zu fünf Mal. 4400 Inhaber kamen fünf bis zehn Mal. 160 von ihnen absolvierten mehr als 30 Besuche. Den Spitzenwert hält eine Person mit bislang 86 Besuchen.

„Wir können uns nur verneigen.“ Edith Heppeler bei der Abschlusspressekonferenz zur Landesgartenschau 2021 in Überlingen mit Blick auf die Leistungen der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer.
„Wir können uns nur verneigen.“ Edith Heppeler bei der Abschlusspressekonferenz zur Landesgartenschau 2021 in Überlingen mit Blick auf die Leistungen der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. | Bild: Hilser, Stefan

Mehrfach wurde die Arbeit der Ehrenamtlichen hervorgehoben. 450 Frauen und Männer leisteten mehr als 34 000 Stunden Arbeit, etwa beim Besucherempfang oder beim Aufräumen des Geländes. Ohne sie sei die LGS nicht leistbar, betonte Edith Heppeler. Sie sagte : „Wir können uns nur verneigen vor dieser Leistung.“

Coronabedingtes Defizit teilen sich Land und Stadt

Trotz der positiven Besucherbilanz stehe am Ende der Schau aber voraussichtlich ein finanzielles Defizit von rund 5 Millionen Euro, teilte die LGS GmbH mit. Das ist der Pandemie und den mit der Verschiebung verbundenen Mehrkosten geschuldet. Zwei Drittel dieser Summe trägt das Land, ein Drittel die Stadt Überlingen. Darauf hatten sich beide Seiten im April 2020 geeinigt, als die Schau verschoben wurde.

Abhängig vom Wetter, gab es starke Schwankungen bei den Besucherzahlen, sagte Leitner. Schwächster Tag war der schmuddelig kalte 6. Mai mit 321 Besuchern, beste Tag laut Leitner der 11. August, ein sonniger Sonntag in den Sommerferien, an dem es fast keine Corona-Beschränkungen mehr gab, mit 8811 Besuchern.

„Psychologischer Effekt“ für die Bevölkerung

Eine Landesgartenschau bemesse sich nicht nur an den Zahlen, sagte Sabine Kurtz, Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium. Vielmehr zähle das, was bleibt: Für Überlingen sind das die Schaffung eines neuen Uferparks oder die Öffnung und Sanierung alter Gartenanlagen. Es entstehe auch „ein psychologischer Effekt“ durch die Stärkung des Ehrenamts, des Zusammenhalts in der Stadt. Die Bürger seien mit Stolz und einem neuen Blick auf ihre Stadt erfüllt.

Dadurch, dass die LGS-Standorte in den Fokus des ganzen Landes rücken, so Kurtz, erhielten sie eine Aufmerksamkeit, gerade auch im Tourismus, die langfristig trägt. OB Jan Zeitler bestätigte: Während der LGS seien mehr Gästeübernachtungen registriert worden als vor dem Ausbruch der Pandemie. Im Juli wurden demnach 102 000 Übernachtungen gezählt, im August 113 000. Davon profitieren auch der Handel und die Umlandgemeinden. Es falle ihm schwer, so Zeitler, die Fahne des Landes Baden-Württemberg am 17. Oktober an Neuenburg weiterreichen zu müssen, wo 2022 die nächste Gartenschau stattfindet.

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