Seit Beginn der Corona-Pandemie ist die Nachfrage in Tierheimen höher als das Vermittlungsangebot. So hat das Überlinger Tierheim aktuell bis auf Hund Puffy weder Hunde noch Katzen zu vermitteln. Auch im Tierheim Friedrichshafen haben alle klassischen Familienhunde, insbesondere die kleinen, ein neues Zuhause gefunden.

Er wartet sehnsüchtig auf ein neues Zuhause: Puffy hat spanische Wurzeln, lebt im Tierheim Überlingen und freut sich über ...
Er wartet sehnsüchtig auf ein neues Zuhause: Puffy hat spanische Wurzeln, lebt im Tierheim Überlingen und freut sich über Streicheleinheiten von Tierheimleiterin Indra von Gersdorff. | Bild: privat

Viele Tiere wurden schon während des ersten Lockdowns vermittelt

Seit des ersten Corona-Lockdowns, seit viele Menschen im Homeoffice arbeiten und Kinder zeitweise zu Hause unterrichtet werden, hat das Tierheim Friedrichshafen rund 20 Hunde und mehr als 100 Katzen vermittelt. „Aber in dieser Zeit haben wir vielleicht noch intensiver als sonst hinterfragt, was die genauen Beweggründe für die Anschaffung eines Tieres sind“, berichtet Carola Fuchsloch, Vorsitzende des Tierschutzvereins Friedrichshafen.

Habe sie und ihr Team doch die Gefahr gesehen, dass sich die Menschen einfach aus der Situation heraus ein Tier wünschen und weniger an die Zeit nach Corona denken. „Ein ‚Das geht dann schon irgendwie‘ reicht uns nicht aus“, so Fuchsloch.

Tiere sollen nicht zum Wanderpokal werden

Auch das Tierheim Überlingen setzt Leiterin Indra von Gersdorff zufolge noch mehr als sonst auf Beratung und Aufklärung. „Auf keinen Fall wollen wir, dass unsere Second-Hand-Tiere zu einem Wanderpokal werden“, sagt sie.

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Habe ich genügend Zeit für das Tier? Ist während des Urlaubs oder im Fall einer Krankheit für das Tier gesorgt? Reichen die finanziellen Mittel aus? Fragen wie diese müssen vor der Vermittlung eines Tieres vom Halter in spe beantwortet werden. „Katzen sollten ebenso wie Hunde nicht von morgens bis abends alleine sein“, erklärt Indra von Gersdorff.

Schutzgebühr bei Vermittlung eines Tieres

Auch das eigene Alter dürfe kein Tabu sein und werde thematisiert, wenn sich beispielsweise ein 75-jähriger Rentner für ein Katzenbaby interessiere. Ebenso wie das Tierheim Friedrichshafen verlangt auch das Haus in Überlingen eine Schutzgebühr, wenn ein Tier vermittelt wird. „Damit unterstreichen wir, dass es eine Seele und einen Wert hat“, sagt von Gersdorff.

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Corona sorgte für einige Hauruck-Aktionen

Und was passiert, wenn die Corona-Pandemie vorbei ist, wenn wieder mehr im Büro gearbeitet wird? „Dann werden wir sehen, ob unsere Aufklärungsarbeit intensiv genug war“, sagt die Überlinger Tierheimleiterin. Natürlich gebe es immer Einzelschicksale. „Aber ich hoffe sehr, dass es nächstes Jahr kein böses Erwachen gibt.“

Ratte Luna gehört zu den wenigen Tieren, die aktuell im Häfler Tierheim leben.
Ratte Luna gehört zu den wenigen Tieren, die aktuell im Häfler Tierheim leben. | Bild: Tierheim Friedrichshafen

Carola Fuchsloch befürchtet weniger die Rückkehr der selbst vermittelten Tiere, als die Ankunft von jenen, die auf anderen Wegen – im Extremfall über Online-Plattformen oder den illegalen Welpenhandel – angeschafft wurden. „Leider hat Corona da für einige Hauruck-Aktionen gesorgt und ich befürchte, dass der eine oder andere sein Haustier im normalen Alltag nicht mehr stemmen kann.“

Für Tierheimtiere war 2020 ein positives Jahr

Unter dem Strich sind Carola Fuchsloch und Indra von Gersdorff mit dem vergangenen Jahr aus Sicht der Tierheime zufrieden. „Für unsere Tiere war 2020 ein positives Jahr“, sagt von Gersdorff. Dass sich so viele Leute für ein Haustier entschieden haben, wundert sie nicht. „Je technischer unsere Welt wird, desto mehr verlangt der Mensch nach etwas Lebendigem und etwas Echtem.“