Erich Röhrenbach bewirtschaftet seinen Apfelhof in Kippenhausen in dritter Generation und ist Vorsitzender des Vereins Obstregion Bodensee. Sein Vater Josef hat die Viehhaltung 1968 aufgegeben und sich auf Obst- und Weinanbau spezialisiert. „Seit meiner Kindheit kann ich mich an Diskussionen erinnern, bei denen es immer darum ging, die Bienen zu schützen“, berichtet Röhrenbach. „Sie waren uns nie egal.“

Blühstreifen könnten im Obstbau zum Standard werden

Vor mehr als zwölf Jahre hat Röhrenbach eine etwa einen Hektar große Blühwiese neben einer seiner Apfelplantagen ausgesät. Stück für Stück lässt er seit acht Jahren zwischen den Baumreihen Blühstreifen stehen, in denen unter anderem Wilde Möhre, Margeriten und Malve gedeihen.

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„Im Jahreslauf blühen immer wieder andere Blumen und im Sommer wuselt es vor Insekten“, so sein Eindruck. Er sei ziemlich sicher, dass die Blühstreifen auch bei seinen Kollegen bald Standard werden. Außerdem hat der Landwirt rund 50 Insektenhotels am Rand und in den rund 40 Hektar großen Apfelanlagen aufgehängt, um Wildbienen bei der Aufzucht ihrer Jungen zu unterstützen.

Etwa 50 Insektenhotels hat Erich Röhrenbach in seinen Apfelplantagen aufgehängt.
Etwa 50 Insektenhotels hat Erich Röhrenbach in seinen Apfelplantagen aufgehängt. | Bild: Claudia Wörner

Umdenken in der Landwirtschaft

Erich Röhrenbach setzt auf integrierten Pflanzenschutz, den er als Stufe zwischen konventionell und bio beschreibt. Ziel sei, Nützlinge zu fördern und so wenig Chemie wie möglich einzusetzen. „Wir benutzen vor allem selektiv wirkende Insektizide, die zum Beispiel nur auf Läuse wirken“, erklärt Röhrenbach.

Alle zehn Jahre würden die Spritzmittel neu zugelassen. „Es ist ein Riesenunterschied zu früher, als es noch die reinsten Ratzeputz-Mittel gab.“ Inzwischen sei alles aussortiert worden, was den Nützlingen schade und man sei auf einem guten Entwicklungsweg, der sich bio annähere.

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Wehren will sich Röhrenbach gegen Schuldzuweisungen: „Wir Landwirte haben die Insekten noch nie so geschont wie heute.“ So werde beispielsweise erst nach der Blüte gemulcht, damit die Bienen nicht verhungern. Trotzdem komme er aktuell nicht um glyphosathaltige Mittel herum, um die Ernte zu sichern. „Aber nach vier Wochen sprießt das Gras bereits wieder und nach acht Wochen ist wieder alles grün.“

Röhrenbach setzt künftig auf resistente Apfelsorten

Im Blick hat Röhrenbach die Etablierung der Marke „Echt Bodensee Apfel“. „Dafür wollen wir Zug um Zug vermehrt resistente Sorten anbauen, bei denen alte Apfelsorten mit eingekreuzt wurden“, berichtet er. Der Vorteil: Sind die Sorten resistent gegen Mehltau, Schorf, Feuerbrand oder Läuse, muss weniger gespritzt werden. In drei bis fünf Jahren rechnet er mit den ersten Anlagen für die resistenten Sorten. „Wir brauchen die Biodiversität und die Vielfalt der Pflanzen- und Insektenwelt“, sagt der Landwirt.

Und was kann ich in meinem Garten oder auf meinem Balkon tun?

Wildbienen leisten bei der Bestäubung die Hauptarbeit

Karin Seuster, Blühbotschafterin der Bodenseestiftung in Friedrichshafen, unterstreicht, dass es beim Thema „Rettet die Biene“ um Wildbienen geht. „Honigbienen sind kultivierte Haustiere, die ohne den Imker nicht überleben könnten.“ Im Gegensatz zu ihnen leben die Wildbienen oft nicht im Schwarm, sondern solitär. Sie sind kürzere Zeit aktiv und haben in der Regel nur einen Flugradius von 60 Metern. „Aber die Wildbienen leisten bei der Bestäubung die Hauptarbeit und fliegen im Gegensatz zur Honigbiene auch bei Temperaturen unter 15 Grad“, weiß Seuster. Außerdem seien auch Käfer und Insekten wie die Schwebfliege an der Bestäubung beteiligt.

„Wenn Obstbauern Blühstreifen mit heimischem Saatgut anpflanzen, bringt das durchaus etwas“, sagt Seuster. Dabei liege die Betonung auf heimisch, müsse das Saatgut doch zu den Wildbienen passen, die hier heimisch seien, so die Blühbotschafterin. Wichtig sei außerdem eine durchgehende Blüte. „Schön bunt allein reicht nicht aus.“

Paradies für alles, was summt und brummt: Ein Musterbeet im Schul- und Schaugarten im Rahmen des Projekts „Mehr Natur in Friedrichshafen“.
Paradies für alles, was summt und brummt: Ein Musterbeet im Schul- und Schaugarten im Rahmen des Projekts „Mehr Natur in Friedrichshafen“. | Bild: Karin Seuster

Der Verbraucher hat es in der Hand

Etwa 60 Prozent der Wildbienen nisten im Boden. Auch deshalb sieht Seuster das Obstbauern zufolge für eine gute Ernte notwendige Spritzen kritisch. „Ohne Spritzen würden noch viel mehr Bienen in die Apfelanlagen kommen.“ Letzten Endes habe es aber auch der Verbraucher selbst in der Hand, indem er sich nicht an den Stellen oder der weniger perfekten Optik störe, die ein Bio-Apfel mitbringe.