Auch die Jugendlichen im Bodenseekreis können ab März 2023 landesweit Busse und Bahnen für 365 Euro im Jahr nutzen. Der Kreistag stimmte am Dienstag der Teilnahme am landesweiten Jugendticket zu. Das Angebot richtet sich an Jugendliche bis 21 Jahre. Studierende, Azubis und junge Leute, die einen Freiwilligendienst leisten, können es bis zum Alter von 27 Jahren nutzen. Das Ticket gilt in allen Verkehrsmitteln des ÖPNV, Fernzüge sind ausgenommen. Der Preis von 365 Euro hat bis Ende 2025 Bestand, nach einer Evaluation soll ein Gesetz die Finanzierung sichern.

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Gibt es dann trotzdem noch Monatskarten?

Die Landesregierung fördert das Ticket mit über 100 Millionen Euro pro Jahr. Nach Berechnungen des Verkehrsverbunds Bodo wird der Landkreis das Ticket mit etwa 950.000 Euro bezuschussen. Für jedes Jugendticket entfällt auf der anderen Seite der Zuschuss, den der Kreis bisher für die Monatskarte zahlte. „So würden im besten Fall keine zusätzlichen Mittel benötigt“, sagt Dezernentin Irmtraud Schuster bei der Vorstellung des Jahrestickets im Kreistag. Das Angebot einer Monatskarte bleibt parallel bestehen, da sich für Jugendliche, die nur im Winter eine Monatskarte kaufen, das 365-Euro-Ticket nicht lohnt. Zudem können Jugendliche aus dem Kreis Lindau kein Jugendticket erwerben, da die bayerische Landesregierung das nicht vorsieht.

Dezernentin Irmtraud Schuster stellt in der Kreistagssitzung das Jugendticket vor, das für 365 Euro pro Jahr erhältlich sein wird.
Dezernentin Irmtraud Schuster stellt in der Kreistagssitzung das Jugendticket vor, das für 365 Euro pro Jahr erhältlich sein wird. | Bild: Corinna Raupach

Die SPD hatte im Dezember vergangenen Jahres den Antrag gestellt, die Einführung eines solchen Tickets zu unterstützen. „Wir setzen uns schon seit einigen Jahren dafür ein“, sagte Dieter Stauber. Edgar Lamm von der CDU kommentierte: „Das landesweite Jugendticket leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und entlastet Familien und junge Leute.“ Er nannte es einen ersten Schritt in die richtige Richtung: „Die Einführung eines 365-Euro-Tickets für alle muss das gemeinsame Ziel für uns sein.“

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Der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel sei für Erwachsene eine Herausforderung, urteilte Kreisrätin Evmarie Becker (Grüne): „Es ist nötig, mit Gewohnheiten zu brechen.“ Nur so könne auch der Verkehrssektor seinen Teil beitragen, die Treibhausgasemissionen zu senken. Es sei richtig, mit den Jugendlichen zu beginnen, sagte Elisabeth Kugel von den Freien Wählern: „Es wird für Jugendliche selbstverständlicher, sich ressourcenschonend zu bewegen, es wird übersichtlicher und niederschwelliger.“

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Für die FDP gab Hans-Peter Wetzel zu bedenken: „Hoffentlich haben wir genügend Bus- und Bahnverbindungen, damit die Leute auch an ihre Ziele kommen.“ Viele Räte wiesen darauf hin, dass der Kreis weiter am Ausbau des öffentlichen Verkehrs auch im Hinterland arbeiten müsse. Die AfD nahm das zum Anlass, als einzige Fraktion gegen die Teilnahme am Jugendticket zu stimmen. „Geld wird in sozialistischer Manier mit der Gießkanne verteilt und nicht in die Substanz investiert“, sagte Christoph Högel.

Nachbesserungsbedarf an den Landesgrenzen

Weiteren Bedarf für Nachbesserungen sahen die Räte an den Landesgrenzen, wenn die Verkehrsverbünde diese überschreiten. Bodo reicht bis Lindau, der Donau-Iller-Nahverkehrsverbund bis Neu-Ulm und zum Verkehrsverbund Rhein-Neckar gehören Landkreise aus drei Bundesländern. Für dort lebende Jugendliche ist der Erwerb des Jugendtickets zurzeit unmöglich. Jugendliche aus Baden-Württemberg dürften mit dem Ticket dagegen auch die Strecken des beteiligten Verkehrsverbunds im Nachbarland nutzen.