Unmittelbar vor den Weihnachtsferien können sich Schüler in Baden-Württemberg für mehrere Tage in eine selbstgewählte Quarantäne begeben. Das Bildungsministerium hat es den Eltern freigestellt, ihre Kinder auf Antrag an den letzten drei Tagen vor den Ferien zu Hause zu behalten, um Kontakte zu reduzieren. Wird dieses Angebot im Bodenseekreis momentan häufig genutzt? Oder kommen die meisten Schüler nach wie vor in den Präsenzunterricht?

In der Gemeinschaftsschule Wiestor in Überlingen wurden „in jeder Klasse beziehungsweise Lerngruppe ein paar Schüler abgemeldet“, erklärt Rektor Jürgen Mattmann auf Nachfrage. Pro Klasse seien es zwischen zwei und acht Kinder. „Es werden zudem auch von Tag zu Tag Kinder krank gemeldet, einige wenige fehlen unentschuldigt, sodass sich bis Mittwoch ein diverses Bild der Unterrichtsteilnahme ergeben wird“, sagt der Schulleiter.

Jürgen Mattmann, Rektor der Wiestorschule in Überlingen
Jürgen Mattmann, Rektor der Wiestorschule in Überlingen | Bild: Mona Lippisch

Als Schule „erkennen wir die gute Intention des Ministeriums, hier den Familien diese Möglichkeit zu bieten. Ob diese in der Praxis von allen genauso verstanden wird, können wir noch nicht einschätzen“. Am Ende der drei Tage beziehungsweise nach der Rückkehr an die Schule im Januar werde man sehen, ob und wie gut die Aufgaben daheim erledigt wurden, so Jürgen Mattman. Für die Lehrkräfte bedeute dies natürlich einen zusätzlichen Aufwand, die Schule sei kurzfristige Anpassungen und flexible Vorgehensweisen mittlerweile aber durchaus gewohnt.

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Diana Amann, Schulleiterin des Gymnasiums am Bildungszentrum Markdorf, berichtet, dass gerade in den Klassenstufen fünf bis acht viele Schüler am Unterricht in der Schule teilnehmen. Bei den höheren Klassenstufen seien es teilweise weniger. „Insgesamt kann man sagen, je höher die Klassenstufe, desto mehr Schüler fehlen“, sagt die Rektorin. Insgesamt seien aber weiterhin mehr Schüler an der Schule als zu Hause.

Schulleiterin Diana Amann
Schulleiterin Diana Amann | Bild: Jörg Büsche

Wer an den letzten Tagen vor den Ferien zu Hause lernt, habe Arbeitsblätter erhalten oder nehme am digitalen Unterricht teil. „Gestreamt wird an diesen drei Tagen hingegen nicht“, sagt Diana Amann. Schwierig sei es dann, wenn Klassenarbeiten geschrieben werden und die Schüler nicht da sind. Dann müssten diese im neuen Jahr nachgeschrieben werden. Zum Mehraufwand für die Schulen sagt sie: Natürlich sei das schwierig, „aber wir nehmen es, wie es kommt, was anderes bleibt uns nicht übrig“.

Nur wenige Schüler vom Unterricht abgemeldet

Am Karl-Maybach-Gymnasium in Friedrichshafen wurden nur wenige Schüler vom Unterricht vor Ort abgemeldet. Von den knapp 740 Schülern sind nach Angaben der Schule nur 32 in selbstgewählter Quarantäne. In den Klassenstufen fünf bis zehn seien die Schüler aktuell ohnehin nur am Vormittag in der Schule, am Nachmittag würden sie von zu Hause aus über die Videokonferenz-Plattform unterrichtet, sagt Claudia Keller, Abteilungsleiterin am KMG.

Claudia Keller
Claudia Keller | Bild: Corinna Raupach

Damit soll eine Durchmischung der verschiedenen Klassen vermieden werden. Der Unterricht in den Kursstufen eins uns zwei laufe ganz regulär in Präsenz. Dass sich nur wenige Schüler vom Unterricht abgemeldet haben, bewertet Claudia Keller positiv: „Nach den ganzen Lockdowns ist sicherlich für viele Schüler der Präsenzunterricht wichtig.“ Außerdem seien Schüler zunehmend geimpft und es werde weiterhin regelmäßig getestet.

Um verantwortungsvolles Handeln gebeten

An der Hugo-Eckener-Schule mit seinen verschiedenen Schulformen lässt sich die Frage, wie viele Schüler pro Klasse derzeit nicht am Präsenzunterricht teilnehmen, laut Sabine Harsch, Schulleiterin der Hugo-Eckener-Schule, pauschal nur schwer beantworten: „Das ist ganz unterschiedlich.“ Man habe Schüler und Eltern um ein verantwortungsvolles Handeln in dieser Frage gebeten und diese würden das auch so umsetzen, so ihre Erfahrung.

Schulleiterin Sabine Harsch
Schulleiterin Sabine Harsch | Bild: Hugo-Eckener-Schule

Auch sie stellt fest, dass sich tendenziell eher Schüler der höheren Klassenstufen vom Präsenzunterricht abgemeldet haben. „Wir waren sicherlich nicht erfreut über die Entscheidung des Bildungsministeriums, aber wir gehen inzwischen routiniert mit so etwas um“, sagt Sabine Harsch.