Gelbe Fensterscheiben, gelbe Autos, gelbe Schlieren am Ufer: Diesmal war es kein Saharastaub, der da an den Bodensee geweht wurde. Der gelbe Staub, der sich in den vergangenen Tagen hartnäckig auf dem Autodach festsetzte, kam aus den umliegenden Wäldern – genauer von den Fichten, wie Elmar Reisch vom Forstamt des Landkreises erklärt.

Elmar Reisch, stellvertretender Leiter des Forstamts im Landratsamt
Elmar Reisch, stellvertretender Leiter des Forstamts im Landratsamt | Bild: Wolf-Dieter Guip

So stark ist die Blüte nur alle sieben Jahre

„So eine starke Fichtenblüte gibt es eigentlich nur alle sieben Jahre einmal“, sagt Experte Reisch. Es handele sich dabei um eine angstgetriebene, stressbedingte Reaktion der Nadelbäume. „Im Winter war es viel zu warm für die Bäume, im Frühjahr gleichzeitig viel zu trocken. Die Fichten haben zu wenig Wasser bekommen“, begründet Reisch die Ursache der sogenannten Angstblüte.

Die Fichtenblühte fällt in diesem Jahr besonders stark aus.
Die Fichtenblühte fällt in diesem Jahr besonders stark aus. | Bild: Mona Lippisch

Anders als Laubbäume, die ihre Blätter im Herbst abwerfen, tragen Fichten ganzjährig ihre Nadeln. Damit die Nadeln nicht zu viel Wasser verlieren, sind die Spaltöffnungen der Nadeln in einer Wachsschicht der Haut versenkt. Diese Eigenschaft verhindert, dass der Baum im Winter durch hohe Verdunstungsraten austrocknet. „Doch auch Fichten brauchen natürlich langfristig Wasser. Das trockene Frühjahr trug dazu bei, dass die Blüte so stark war, die Fichten wollten sich umso mehr vermehren“, erklärt Reisch.

Schlange stehen am Wasserzugang an der Liegewiese in Meersburg: Aufgrund der Pollenschicht auf der Wasseroberfläche mussten die ...
Schlange stehen am Wasserzugang an der Liegewiese in Meersburg: Aufgrund der Pollenschicht auf der Wasseroberfläche mussten die Schwimmer zuletzt quasi blinden Fußes hinein und sind deshalb besonders vorsichtig unterwegs. | Bild: Jenna Santini

Blütezeit der Fichten ist nun zu Ende

Mittlerweile ist die Blütezeit der Fichten vorbei. Sie dauert meist nur wenige Wochen, wie der Experte vom Forstamt berichtet. „Als Nächstes legen die Fichten ihre Zapfen an, dieser Prozess hat schon begonnen“, sagt Reisch. Die gelbe Blütenzeit ist also vorbei. Wer dieses Jahr noch einmal so viel gelben Staub auf seinem Auto entdeckt, könne sich sicher sein: „Dann ist es wieder Saharastaub.“

Regenfälle am Montag haben die gelbe Pollenschicht vielerorts heruntergewaschen.
Regenfälle am Montag haben die gelbe Pollenschicht vielerorts heruntergewaschen. | Bild: Fabiane Wieland

Die Pollen von Fichten führen laut der Stiftung Deutscher Polleninformationdienst ohnehin nur sehr selten zu allergischen Symptomen. Meist sei es die schiere Zahl und Größe der Partikel, welche auf den Nasenschleimhäuten oder den Augen für Irritation sorge. Für Beschwerden bei Allergikern sorgen häufig andere Baumpollen, etwa die von Birke oder Eiche.

Während die Baumpollensaison für dieses Jahr so langsam abklingt, können noch nicht alle Heuschnupfen-Geplagten aufatmen. Denn: Unangenehm wird es nach Angaben der Stiftung Deutscher Polleninformationdienst zunehmend für all diejenigen, die auf Gräserpollen reagieren.

Video: Wieland, Fabiane