Jürgen Gundelsweiler zählt wohl zu den erfahrensten Wasserskifahrern am Bodensee. Seit gut 35 Jahren kreuzt er den See auf schmalen Brettern, zieht Wasserfontänen hinter sich her, und erlebt damit seine Heimat aus einer ganz besonderen Perspektive. Er sagt: „An einem heißen Sommertag mit dem Monoski über das Wasser zu gleiten und gleichmäßig Kurven zu ziehen, das ist unbeschreiblich.“

Ideal: Auch jetzt im Spätsommer

Wobei Sommerwetter keine Voraussetzung darstellt. Gerade jetzt, im Herbst, wenn das Wasser schon ruhig, die Temperaturen aber noch halbwegs erträglich sind, sei die richtige Zeit fürs Wasserskifahren.

Wasserskifahren auf dem Überlinger See – welch‘ Kulisse.
Wasserskifahren auf dem Überlinger See – welch‘ Kulisse. | Bild: Stefan Hilser

Der Fotograf, Regie- und Fernsehtechniker hat ein Gespür für schöne Kulissen. Besonders vor Überlingen, mit seiner vom See her betrachteten Altstadtsilhouette, oder vor dem Bodanrück, der vom See aus – erst Recht bei hohem Tempo – wie ein norwegischer Fjord aussieht: Hier liegen die Lieblingsreviere des Jürgen Gundelsweiler. Es hätte ihn zwar ab und zu gereizt, auch auf anderen Gewässern dieser Welt insbesondere an Wettbewerben mitzumachen. Doch durch die berufliche Beanspruchung sei er nie dazu gekommen. Er findet aber auch hier am See vor Überlingen sein vollkommenes Glück.

Der Start ist das schwierigste...
Der Start ist das schwierigste... | Bild: Hilser, Stefan

Wasserskifahren kann man auf dem Bodensee bei verschiedenen Anbietern lernen. Die Stichworte „Wasserski„ und „Bodensee„ in der Suchmaschine benennt mehrere Möglichkeiten. Die meistens günstigere Variante ist das Wasserskifahren an einer Liftanlage wie im Seepark Linzgau in Pfullendorf. Dort wird man wie in einem Skilift im Viereck über den See geschleppt.

Der Start ist das schwierigste. Erst einmal gilt es, jede Menge Wasser zu verdrängen.
Der Start ist das schwierigste. Erst einmal gilt es, jede Menge Wasser zu verdrängen. | Bild: Hilser, Stefan

Die Anlage in Pfullendorf habe ihn begeistert, sei aber mit der Naturkulisse auf dem Bodensee nicht vergleichbar. Gundelsweiler: „Das ist schon ein Luxus, wenn man den See hier für sich alleine hat – gerade in den Abendstunden, wenn es ruhiger wird, wenn die Kursschiffe und Segelboote in den Häfen liegen. Dann ist das hier vor Überlingen schon eine mords Kulisse.“

Jürgen Gundelsweiler fährt gerne auch mit dem Wakeboard übers Wasser...
Jürgen Gundelsweiler fährt gerne auch mit dem Wakeboard übers Wasser... | Bild: Hilser, Stefan

Gundelsweiler hat es sich selbst beigebracht und mit seinen Freunden schon 1985 gemeinsam ein zugkräftiges Boot gekauft. „Ich habe auch schon Segelboote gesehen, wie sie einen Wasserskifahrer gezogen haben“, berichtet Gundelsweiler . Doch wenn das Segelboot das nötige Tempo entwickelt, herrscht meistens ein für den Wasserskifahrer ungünstig aufgewühlter See.

...weil man hier große Sprünge hinlegen kann.
...weil man hier große Sprünge hinlegen kann. | Bild: Picasa
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Da baut Gundelsweiler lieber auf die Kraft seines Sportboots, das er in einer Bootsgemeinschaft mit Markus Richter, Siegfried Richter und Winfried Frank betreibe. Es ist 6,60 Meter lang und misst 230 PS. Ab etwa 20 Stundenkilometern, so die Schätzung des Überlingers, gleiten die Skier übers Wasser. Je schneller, umso besser gleitet man über die Wellen, umso wenige Kraft kostet der Sport, so seine Erfahrung. Auf dem Bodensee gilt für alle Wasserfahrzeuge die Höchstgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern. Wettbewerbe könnten deshalb hier keine stattfinden, weil sie in der Frauenriege bei 55 und in der Herrenriege bei 58 Stundenkilometern ausgetragen würden.

Markus Richter, der hier auf dem Monoski eine schöne Fontäne zieht, gehört zur Bootsgemeinschaft.
Markus Richter, der hier auf dem Monoski eine schöne Fontäne zieht, gehört zur Bootsgemeinschaft. | Bild: Jürgen Gundelsweiler

Am liebsten fährt Gundelsweiler mit dem Monoski, also nicht auf zwei Brettern, sondern auf einem schmalen Brett, bei dem die Füße hintereinander angeordnet werden, oder bei dem nur ein Fuß in der Schlaufe steckt. Der Experte erklärt: „Man startet beim Monoski entweder mit einem oder beiden Füßen in der Bindung. Der Start funktioniert vom Tiefwasser oder vom Steg aus. Der Sportler geht mit gebeugten Knien und gestreckten Armen in die Hocke. In dieser Haltung ist der Körper ist soweit nach hinten gelehnt, als würde man in einem Stuhl sitzen.“ Hört sich einfacher an als es ist.

Viel passieren kann eigentlich nicht, doch Mut zum Risiko gehört dazu, wer ein Profi werden möchte. Hier hebelt es gerade Markus Richter aus.
Viel passieren kann eigentlich nicht, doch Mut zum Risiko gehört dazu, wer ein Profi werden möchte. Hier hebelt es gerade Markus Richter aus. | Bild: Jürgen Gundelsweiler

In 35 Jahren erlitt Gundelsweiler bislang keine nennenswerten Verletzungen. Nur einmal versuchte er kühn, ganz ohne Brett zu fahren – barfuß. „Du legst Dich auf den Rücken und drehst Dich nach dem Start auf den Hintern, dann kommen die Füße aufs Wasser, das gibt erst mal eine wahnsinns Fußmassage...“

Sieht noch nicht so wahnsinnig elegant aus, macht aber von Anfang an mächtig Spaß: SÜDKURIER-Redakteur Stefan Hilser wollte es nicht beim Berichten und Fotografieren belassen, sondern auch selbst auf die Wasserskier stehen.
Sieht noch nicht so wahnsinnig elegant aus, macht aber von Anfang an mächtig Spaß: SÜDKURIER-Redakteur Stefan Hilser wollte es nicht beim Berichten und Fotografieren belassen, sondern auch selbst auf die Wasserskier stehen. | Bild: Jürgen Gundelsweiler

Sein Versuch scheiterte, er knallte mit dem Gesicht ins Wasser und seine Füße schlugen ihm ins Kreuz. Gut, wenn man in so einem Fall brav seine Schwimmweste trägt. Die Folge dieser verunglückten Aktion? „Ich bin ein paar Tage lang gebückt wie Quasimodo durch die Stadt gelaufen.“

Fahren im Sonnenuntergang, wenn andere Boote längst im Hafen liegen.
Fahren im Sonnenuntergang, wenn andere Boote längst im Hafen liegen. | Bild: Jürgen Gundelsweiler
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