Eigentlich sollte der Bus auf der Seelinie wegen der Landesgartenschau in Überlingen schon seit April im Viertelstundentakt fahren. So hatte es der Kreistag im Dezember 2019 beschlossen, als er eine Million Euro freigab für bessere Angebote im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) des Bodenseekreises. Doch mit Ausbruch der Corona-Pandemie im März fiel letztlich nicht nur die Gartenschau 2020 ins Wasser, sondern blieben mit dem Lockdown auch die Busnutzer zuhause. „Wir haben über Nacht 90 Prozent der Fahrgäste verloren“, schaut Bernd Hasenfratz, Prokurist des Verkehrsverbunds Bodo, nur wenige Wochen zurück.

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Inzwischen fahren die Leute wieder mehr Bus, doch trotzdem rechnet der Verkehrsverbund mit Einnahme-Ausfällen von rund neun Millionen Euro in diesem Jahr. „Wir gehen davon aus, dass wir 2020 mit einem blauen Auge davon kommen“, erklärte Bernd Hasenfratz heute bei einem Pressegespräch. Doch Experten gingen davon aus, dass die Corona-Pandemie für den zuvor boomenden ÖPNV noch Nachwirkungen bis 2025 haben könnte.

Vier Busse pro Stunde in jeder Richtung

Wie also wieder mehr Fahrgäste gewinnen? Einfache Antwort: mit attraktiven Angeboten. Mit Beginn der Sommerferien setzen Bodo und die DB Regionalverkehr Alb-Bodensee GmbH (RAB) nun die Taktverdichtung auf der Seelinie um. Neben der Buslinie 7395 zwischen Friedrichshafen und Überlingen, die drei Mal pro Stunde fährt, kommt der stündlich verkehrende „Echt-Bodensee-Bus“ dazu, der – wie in den Vorjahren – bereits in Langenargen startet und bis Bodman-Ludwigshafen durchfährt. Alle Busse auf der Seelinie werden den Sommer über als „Linie 100“ im Fahrplan geführt. Neu ist, dass nun auch der Affenberg und Kippenhausen stündlich vom EBC-Bus angefahren werden. Der wird in diesem Jahr mit 145 000 Euro vom Landkreis finanziert, beschloss gestern Abend der Kreistag.

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Das zweite neue Angebot ist die „Echt-Bodensee-Card“-home für die Einheimischen. Während Urlauber am See mit der EBC-Gästekarte kostenfrei Bus und Bahn fahren können, ist mit der Kartenvariante für alle Daheimgebliebenen der Bodo-Tarif fällig – allerdings mit 30 Prozent Rabatt bis zum Ende der Sommerferien am 13. September. Danach gibt‘s einen Abschlag von 20 Prozent.

Wie Sie zur EBC-home kommen

Die EBC-home setzt auf der E-Card von Bodo auf, die seit 2018 für Gelegenheitsfahrer angeboten wird. Nach Auskunft von Bernd Hasenfratz nutzen bereits 15 000 Kunden die Chipkarte, mit der sie sich an den Terminals ein- oder auschecken und so ohne Bargeld Bus und Bahn nutzen können.

Heimweh statt Fernweh

Mit der EBC-home bekommen die Daheimgebliebenen zusätzlich die meisten jener Vergünstigungen, die die Touristenkarte bietet. Dafür reiche beim jeweiligen Ausflugsziel das Vorzeigen der Chipkarte, die auf der Rückseite das EBC-Logo hat. „Ziel ist es, die touristische Attraktivität der regionalen Angebote bei Einheimischen zu steigern“, erläuterte Manuela Kneissler von der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH (DBT), die die EBC herausgibt.