Wie viel Erkrankte gibt es mittlerweile im Seniorenwohnpark Uhldingen-Mühlhofen? Wie viele gelten als genesen?

Wie Robert Schwarz, Pressesprecher des Landratsamtes Bodenseekreis, bekanntgibt, wurden dem Gesundheitsamt von der Heimleitung seit Jahresbeginn 30 Infektionsfälle auf Basis eines PCR-Tests bei Bewohnern sowie zehn bei Mitarbeitern gemeldet. Von der Pressestelle des Heims heißt es, dass 33 Bewohner sowie sieben Mitarbeiter im Januar positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Warum es hinsichtlich der Verteilung der Fälle auf die Senioren und die Mitarbeiter seitens des Heims und seitens des Landratsamtes verschiedene Zahlen gibt, ist für Schwarz unverständlich. „Dem Gesundheitsamt ist nichts anderes bekannt“, sagt er. Aktuell befinden sich 14 Bewohner des Seniorenwohnparks und ein Mitarbeiter in Quarantäne. Am Dienstag wurden alle infizierten Bewohnern mittels PCR-Test auf das Coronavirus getestet. Die Ergebnisse soll es in den kommenden Tagen geben.

Wie viele Menschen sind in den vergangenen dreieinhalb Wochen an oder mit Covid-19 gestorben?

Dem Gesundheitsamt seien seit Jahresbeginn zwölf Todesfälle im Seniorenwohnpark Uhldingen-Mühlhofen gemeldet worden. Ein 13. Todesfall sei derzeit noch in der Abklärung. Wie Robert Schwarz erklärt, wurden alle Verstorbenen zu Lebzeiten positiv auf Covid-19 getestet. Zehn der Verstorbenen hatten am 31. Dezember die erste Corona-Impfung erhalten. Ob die Menschen letztlich mit oder an Corona gestorben sind, sei dem Landratsamt nicht bekannt.

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Wie alt waren die verstorbenen Menschen und welche Vorerkrankungen hatten sie?

Die verstorbenen Senioren waren zwischen 76 und 90 Jahre alt, heißt es seitens der Pressestelle des Heimträgers Korian. Sie litten unter kardiologischen, multiplen organischen und/oder Krebserkrankungen.

Was kann aus diesem Fall gelernt werden?

Der Fall zeige ganz klar, wie schwerwiegend der Verlauf von Covid-19 vor allem für Menschen mit einem hohen Lebensalter sein kann, betont Robert Schwarz. Somit sei es „absolut richtig“, dass die Schutzimpfungen in Pflegeheimen oberste Priorität haben. Ein kausaler Zusammenhang mit der Impfung ist aus Sicht des Landratsamtes nicht erkennbar. Die Wirkweise des Impfstoffes könne biologisch nicht zu einer Infektion oder Erkrankung führen. Laut RKI-Informationen sei es sogar möglich, Infizierte beziehungsweise erkrankte Menschen zu impfen.

Laut Robert Schwarz, Pressesprecher Landratsamt Bodenseekreis, sei ein kausaler Zusammenhang mit der Impfung nicht erkennbar.
Laut Robert Schwarz, Pressesprecher Landratsamt Bodenseekreis, sei ein kausaler Zusammenhang mit der Impfung nicht erkennbar. | Bild: Landratsamt Bodenseekreis

Weiter betont Schwarz, dass im Bodenseekreis inzwischen in sieben Pflegeheimen bei etwa 400 Bewohnern Erstimpfungen stattgefunden haben. Bisher habe es keine vergleichbaren Vorkommnisse gegeben. Aus Sicht des Landratsamtes gebe es keinen wissenschaftlich Anlass, allgemeine Schlussfolgerungen zu ziehen.

Welche möglichen Konsequenzen werden nun diskutiert, beziehungsweise welche Haltung gibt es seitens des Gesundheitsamtes zu der Frage, ob es richtig ist, Menschen in der letzten Lebensphase zu impfen?

Robert Schwarz betont, dass die Impfungen immer freiwillig sind und unter individueller ärztlicher Aufklärung und Begutachtung stattfinden. Eine pauschale Antwort auf diese Frage könne es nach Erachten des Landratsamtes nicht geben.

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Wie bewerten Virologen die Todesfälle von Uhldingen-Mühlhofen?

Professor Thomas Iftner, Direktor am Institut für Virologie der Uniklinik Tübingen, sagt, dass die Impfung „sicher nichts mit der Erkrankung und den Todesfällen zu tun“ habe. Er teile die Ansicht, dass die Erkrankten sich kurz vor oder nach der Impfung angesteckt haben.

Professor Thomas Iftner ist Direktor am Institut für Virologie der Uniklinik Tübingen.
Professor Thomas Iftner ist Direktor am Institut für Virologie der Uniklinik Tübingen. | Bild: Verena Müller

Professor Hartmut Hengel, Chef-Virologe der Uniklinik Freiburg, erklärt, dass der mRNA-Impfstoff nur ein einziges Gen dieses Virus enthalte. Von ihm gehe „in keiner Weise eine Infektionsgefahr aus“. Ein Interview mit Hengel zum Thema lesen Sie hier.

Ist es richtig, jetzt in dem betroffenen Heim weiter zu impfen?

Professor Hartmut Hengel (Freiburg), rät davon ab. Nicht, weil von der Impfung eine Gefahr ausgehe – im Gegenteil, sie erhöhe den Schutz. Doch bestehe für die Bewohner nach durchgemachter Infektion und erfolgter erster Impfung jetzt schon ein gewisser Impfschutz, weshalb die wertvolle Impfdosis anderen Menschen zur Verfügung gestellt werden solle.

Professor Hartmut Hengel ist Chef-Virologe an der Uniklinik Freiburg.
Professor Hartmut Hengel ist Chef-Virologe an der Uniklinik Freiburg. | Bild: Jürgen Brandel

Wie reagieren Bürger auf den Fall im Seniorenwohnpark?

Ines Cremer aus Uhldingen-Mühlhofen informierte sich am Wochenende im SÜDKURIER über die Geschehnisse im Seniorenwohnpark. Danach beschloss sie, einen offenen Brief an Bürgermeister Dominik Männle, die Heimleitung und das Gesundheitsamt zu schreiben. In diesem fordern Cremer und weitere Bürger transparente Antworten auf einige Fragen. Eine lautet beispielsweise: Gibt es einen Unterschied zwischen geimpften und nicht geimpften Bewohnern in Bezug auf die Symptomentwicklung und die Verschlechterung des Gesundheitszustandes? Bürgermeister Männle versprach, beim Gesundheitsamt nachzuhaken, könne angesichts des Datenschutzes aber nicht versprechen, ob er Antworten auf die Fragen bekomme.

Überreichen einen offenen Brief an Bürgermeister Dominik Männle: Ines Cremer und Hans Reichert. In dem Brief fordern die Bürger eine transparente Aufklärung der Todesfälle im Seniorenwohnpark Uhldingen-Mühlhofen.
Überreichen einen offenen Brief an Bürgermeister Dominik Männle: Ines Cremer und Hans Reichert. In dem Brief fordern die Bürger eine transparente Aufklärung der Todesfälle im Seniorenwohnpark Uhldingen-Mühlhofen. | Bild: Mona Lippisch
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