1051 Corona-Drittimpfungen: Das ist die Bilanz im Bodenseekreis nach den ersten drei Wochen, in denen Menschen über 80 Jahren und Risikogruppen Anspruch auf eine Auffrischimpfung gegen Covid-19 haben. Etwas mehr als 300 Drittimpfungen fanden im Kreisimpfzentrum statt, circa 430 in niedergelassenen Arztpraxen und weitere 300 durch mobile Impfteams. Das gibt Robert Schwarz, Pressesprecher des Landratsamtes Bodenseekreis, bekannt.

Robert Schwarz, Pressesprecher Landratsamt Bodenseekreis: „Ein Großteil der Einrichtungen und Pflege-WGs können offenbar die Auffrischimpfungen mit den Hausärzten und den Heimbetreuenden Ärzten organisieren.“
Robert Schwarz, Pressesprecher Landratsamt Bodenseekreis: „Ein Großteil der Einrichtungen und Pflege-WGs können offenbar die Auffrischimpfungen mit den Hausärzten und den Heimbetreuenden Ärzten organisieren.“ | Bild: Landratsamt Bodenseekreis

„Insgesamt wurden neun Pflegeeinrichtungen und eine Pflege-WG geimpft“, berichtet Schwarz. Damit hätten etwa ein Viertel der in Frage kommenden Einrichtungen das Angebot der mobilen Impfteams des Landes Baden-Württemberg wahrgenommen. 211 Heimbewohner und 133 Mitarbeiter erhielten in diesem Zuge eine Auffrischimpfung.

Der Landratsamts-Sprecher vermutet: „Ein Großteil der Einrichtungen und Pflege-WGs können offenbar die Auffrischimpfungen mit den Hausärzten und den Heimbetreuenden Ärzten organisieren.“ Einen konkreten Überblick über die Impfungen in den Heimen habe das Landratsamt nicht.

Pflegeheim Paulinenstift setzt auf Drittimpfungen durch Hausärzte

Die Vermutung, dass Heime bei den Drittimpfungen eher auf Hausärzte setzen als auf mobile Impfteams, bestätigt sich zumindest beim Pflegeheim Königin Paulinenstift in Friedrichshafen. Auf Nachfrage des SÜDKURIER heißt es dort, dass mehr als 60 Bewohner bereits ihre dritte Corona-Impfung erhalten haben. Das sind etwa 45 Prozent der Heimbewohner.

„Weitere folgen sukzessive“, berichtet Direktor Christian Muth. Denn nicht bei allen Bewohnern haben die ersten beiden Impfungen zeitgleich stattgefunden – und zwischen der zweiten und dritten Corona-Impfung müssen mindestens sechs Monate liegen. „Nun finden monatlich Impftermine bei uns im Haus statt, sodass der Bewohner unmittelbar nach Ablauf der Frist seine Drittimpfung erhalten kann“, erklärt Muth.

Bei den Impfungen arbeitet das Pflegeheim mittlerweile nur noch mit Hausärzten und Schwerpunktpraxen zusammen. Dies sei aus Sicht des Heimdirektors „deutlich zielführender und agiler“ als die Organisation mobiler Impfteams.

Etwa 45 Prozent der Bewohner des Pflegeheims Königin Paulinenstift in Friedrichshafen haben bereits ihre dritte Corona-Impfung erhalten.
Etwa 45 Prozent der Bewohner des Pflegeheims Königin Paulinenstift in Friedrichshafen haben bereits ihre dritte Corona-Impfung erhalten. | Bild: Lena Reiner

Bis auf einen Bewohner seien alle Menschen, die im Paulinenstift wohnen und bereits zwei Mal gegen das Coronavirus geimpft wurden, auch für eine Auffrischimpfung bereit. Das sind konkret 124 von 136 Bewohnern. „Es gibt Bewohner, die beispielsweise aufgrund von Chemotherapie oder schlechtem Allgemeinzustand keine Impfung empfangen können“, sagt Muth. Einige der zwölf Ungeimpften sprachen sich nach Angaben des Heimdirektors bis dato bewusst gegen eine Impfung aus. Doch Muth berichtet erfreut: „Wir haben jüngst fünf Erstimpfungen organisiert, die nun stattfinden.“

Christian Muth, Hausdirektor Pflegeheim Königin Paulinenstift: „Der Zugang zur Drittimpfung ist für unser Personal aktuell nicht niederschwellig.“
Christian Muth, Hausdirektor Pflegeheim Königin Paulinenstift: „Der Zugang zur Drittimpfung ist für unser Personal aktuell nicht niederschwellig.“ | Bild: Lena Reiner

Neben den Bewohnern seien auch die Mitarbeiter des Paulinenstifts an einer Auffrischimpfung interessiert. „Lange Zeit wurde aber nicht klar kommuniziert, ob sie überhaupt und wie und wo sie diese Impfung erhalten können“, kritisiert Christian Muth.

Aktuell könnten sich Mitarbeiter im Kreisimpfzentrum in Friedrichshafen für eine dritte Impfung anmelden – doch diese Option endet bereits am 30. September. „Der Zugang zur Drittimpfung ist für unser Personal daher aktuell nicht niederschwellig“, sagt Muth.

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Noch keine Auffrischimpfungen im Seniorenwohnpark Uhldingen-Mühlhofen

Während im Pflegeheim Paulinenstift bereits einige Bewohner zum dritten Mal gegen das Coronavirus geimpft wurden, sind die ersten Auffrischimpfungen im Seniorenwohnpark Uhldingen-Mühlhofen erst in der kommenden Woche geplant. Wie viele Bewohner – und auch Mitarbeiter – sich erneut impfen lassen möchten, sei aktuell noch nicht absehbar, heißt es seitens der Pressestelle des Heimträgers Korian. Klar ist aber: Diesmal finden die Impfungen durch Hausärzte statt, mobile Impfteams werden nicht eingesetzt.

Der Wohnpark Uhldingen-Mühlhofen liegt im Ortsteil Mühlhofen neben der ehemaligen evangelischen Kirche. Drittimpfungen gegen das Coronavirus haben dort bislang noch nicht stattgefunden, sind aber in Planung.
Der Wohnpark Uhldingen-Mühlhofen liegt im Ortsteil Mühlhofen neben der ehemaligen evangelischen Kirche. Drittimpfungen gegen das Coronavirus haben dort bislang noch nicht stattgefunden, sind aber in Planung. | Bild: Holger Kleinstück

Von den 45 Bewohnern im Wohnpark sind nach Angaben von Pressesprecher Ulrich Otto 37 bereits zwei Mal geimpft oder genesen. „Die Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen, treffen die Bewohner individuell“, betont Otto. Gleiches gelte für die 44 Mitarbeiter des Seniorenwohnparks – von denen bislang 19 geimpft oder genesen sind.

Für alle Mitarbeiter, die weder genesen noch geimpft sind, gelte eine strenge Testregel: „Um unsere Bewohner zu schützen, müssen ungeimpfte Mitarbeiter täglich vor Dienstantritt einen Antigentest durchführen.“ Geimpfte Mitarbeiter müssten sich nur zwei Mal pro Woche testen lassen.

Bisher nur einzelne Drittimpfungen in Augustinum-Heimen Meersburg und Überlingen

Auch in den Altenheimen der Augustinum-Gruppe in Meersburg und Überlingen sind keine mobilen Impfteams im Einsatz. Das sei laut Pressesprecher Matthias Steiner aber darin begründet, dass die meisten Bewohner ambulant versorgt werden. „Schon bei den ersten und zweiten Impfungen wurden zunächst die stationären Pflegeeinrichtungen priorisiert“, erklärt Steiner. Doch er bekräftigt, dass die Impfung auch für Bewohner wichtig sei, die ambulant versorgt werden: „Wir wissen, dass ein großes Interesse an einer dritten Impfung besteht.“

Sammeltermine für eine Auffrischimpfung gegen das Coronavirus gibt es in den Augustinum-Einrichtungen nicht, da ein Großteil der Bewohner dort nur ambulant versorgt wird. Dieses Bild zeigt das Augustinum in Überlingen aus der Luft.
Sammeltermine für eine Auffrischimpfung gegen das Coronavirus gibt es in den Augustinum-Einrichtungen nicht, da ein Großteil der Bewohner dort nur ambulant versorgt wird. Dieses Bild zeigt das Augustinum in Überlingen aus der Luft. | Bild: Stefan Hilser

Die dritten Impfungen erfolgen für die Bewohner der Augustinum-Pflegeheime bislang durch Hausärzte. Mitarbeiter könnten durch Hausärzte oder den Betriebsarzt geimpft werden. Nachdem die zweiten Impfungen aber ohnehin bei den meisten Bewohnern – und auch Mitarbeitern – noch keine sechs Monate zurückliegen, hätten bisher nur einzelne Menschen eine dritte Impfung erhalten.

Vollständig geimpft sind nach Angaben von Matthias Steiner mehr als 95 Prozent der Bewohner in beiden Häusern sowie etwa 70 Prozent der Mitarbeiter. „Hat sich jemand nicht impfen lassen, so ist dies meist durch persönliche medizinische Umstände begründet“, erklärt der Augustinum-Sprecher. Steiner betont: In allen Augustinum-Häusern werden weiterhin für die Impfung geworben, um Bewohner und Mitarbeiter gleichermaßen zu schützen.

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